Kr. 2 Zweites
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Blatt |67. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberhejjen
Mittwoch. Z. Januar M
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUniversitäts-Buch-n.Steindruckerei.
R. L an g e, Greßcm
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Var Uriegrzahr
ii. \
Aber damit aller:: schließt die Rechnung noch nicht ab. Das schwerste Verlustkonw trug erst Rumänien in sie ein. Es erscheint uns bei einer Rückschau im richtigen Zusammenhänge, daß der Eingriff Rumäniens, als Krönung der Gesamtofsensive des Bierverbandes, der katastrophenartige Ausklang eines großen gescheiterten Planes war. Daß die Katastrophe daraus wurde, das danken wir allerdings der genialen Meisterhand Hckrdenburgs. Tas Jahr 1916 tvird in der Geschichte den Stempel des Namens 'Hindenburg tragen. Schon am 2. August, mitten in dem Vorgehen der Russen an der galizischen Front, :var der Befehlsbereich Smtbeit* burgs an der Ostfront erweitert worden. Damit war auch, der 'Höhepunkt der russischer Erfolge urrgefähr erreicht. Dann kam am 27. August, schon gleich mit der Kriegsertlärung Italiens an Deutschland, die Kriegsansage Rumäniens an Oesterreich. Zwei Tage später wurde Hindenburg zum Ehef des deutschen Generalstabes ernannt, und was dam: folgte, ist noch frisch in unserer aller Erinnerung. Das Ungewitter brach blitzartig über Rumänien herein. Und während Hindenburg im Hauptguartier die Blitze schmiedete, sorgten Falkenhahn und Mackensen dafür, daß sie all Ort und Stelle die Rumänen vernichtend trafen. Am 7. September wurde Tutväkan gestürmt, am 10. September Silistria geuonrmen, am 23. Oktober Konstanza. Während das Strafgericht in der Dobrudscha seinen Verlauf nahm, wurde am 30. September die Umfassungsschlacht bei Hermannstadt gewonnen, am 8. Oktober Kronstadt genommen. Dann nach dem siegreichen Durchstoß nach! der Walachei am 19. November und dem Vorstoß Mackensens folgte die glänzende Veveinigung der beiden Armeen, die siegreiche Schlacht am Arges Und endlich am 6. Dezember, der Fall von Bukarest- In den letzten Dez-embertagen wurde die Räumung der Dobrudscha bis zur Donaummcdung fortgesetzt. Ein großer Teil der rumänischst Armee ist gefangen, ein großer Teil vernichtet; und was sich schließlich dem russischen Heere anglicderit wird, kann nur noch! ein Trümmerrest ehemaliger! Größe sein. Die neue Offensive der rUlMgekrönten Falkenhaynschan Armee hat in der Weihnachtsschlacht bei Rimnicul Savcck zu einem glanzenden Erfolge geführt, der um so bedeutungsvolle^ ist, als hier zum ersten Male in der Walachei große russische Verbände geschlagen und aus befestigten Stellen geworfen wurden. Damit hat sich auch das russische Eingreifen nicht als henrinend für das deutsche siegreiche Vordringen erwiesen. Am Jahressästuß steht Macbensen vor den Töven der Moldau. So klingt in der Tat der große -Offenffvplan des BierverbandeS in eurer Katastrophe aus, die den schönsten Traum des Vierverbandes vernichtet. Wir können, iDeim ivir militärisch unter das Jahr 1916 den Strich ziehen, mit einem vollen glänzenden Gewinn abschließen, dank Hrndenburgs und den unvergleichlichen Leistungen der deutschen Truppen und unserer Verbündeten.
HI.
Die Berbustrechuung des Bierverbandes weist während des verflossenen Jahves noch einige besonders für England recht empfindliche Posten auf. Am 29. April fiel Kut-el-Amara, Und' 13000 EnAänder gerieten in türkische Gefangenschaft. Damit ging noch viel tku-jiactjet als an den Dardanellen ein kühnep Kriegsplan gegen die Türkei in Trümmer, und noch heute zittert in England der Schsmerz darüber noch, daß mit Kut-el-Anrara die größte Gefanyenenbeute, die England je verloren hat, m Feindeshände fiel. Wie zu Lande hat England aarch zur See im 'verflossenen Jahve empfindliche Einbuße gehabt. Der empfindlichste Schlag, den eS traf, fiel am 1. Juni am Skagerrak., Das erste wirkliche Zusammentreffen der deutschen und der eng-- lichen Lwchseeflotte war ein gläitzender deutscher Sieg. Anfangs von England vertuscht, heute unbestritten. Daß kurz darauf mit der „Hampshire" Lord Kitsch^nar einem deutschen Unterses? boot Mim Opfer fiel, war für England nicht minder hart. Und wenn auch nicht alle deutschen U-Boote in gleicher Weise vom Kriegs-glück begünstigt waren, so ist ihre Arl^it im verflossenen Zähre doch von außerordentlicher Bedeutung für die Kriegführung geworden. Deutsche Unterseeboote haben bei zahllosen Gelegen- tyerten ruhmvoll von sich reden gemocht. Tie Reichweite ihrer Leistungen ivar aller Welt klar, als im Oktober ein deutsches lÄnterseeboot in einem amerckanischM Hafen einlies und kurz nach dem ?luslaufen an der amerikanischen Küste reiche Beute unter englischen Dampfern machte. Auch das Handels-U-Boot „Deutschland", das am 23. August zum ersten Male von seiner Ozeaniahrt nrrückkehrte, trug den Ruhm deutscher U-Boot-Lei- skungen in alle Welt. Amterika, das am 2. Februar den englischen Dampfer „Appam" als Kaperbeute der „Möve" ausgenommen batte, sah immer neue Beweise deutscher Seetüchtigkeit vor seinen Äugen. Wir wissen, daß es trotz alledem innerlich! der Mehrzahl
seiner Bewohner nach englandfreundlich geblieben ist. Mitte März ergriff der Reichstag durch seinen Unterseeboots-Antrag das Wort in der deutsch-amerikanischen Auseinandersetzung. Am 22. April sandte uns Wilson die Sussex-Note, und mit der deutsch,en Antwort am 4. Mai und der amerikanischen Gegenantwort war nicht nur der Sussex-Fall, sondern auch die Unterseeboots- Frage im Sinne Wilsons entschieden. Unsere Unterseeboote haben trotzdem wacker gekämpft. Tie Monatsbeute, die sie dem.feindlichen udn dem Barmwarenhandel abringen, ist der Ziffer von 400 000 Donnen nicht mehr fern. Tas oibt auch unserer Seekriegführungt eigen außerordenllich günstigen Jahresabschluß. Und wenn wir in das neue Jahr gehen, so beseelt uns alle in Belag auf die Tätigkeit Unserer Unterseeboote das Gefübl, daß noch! nicht aller Tage Llbend ist.
Die „bösen deutschen Minen".
Seit Beginn des Krieges wird von der englischen Presse und von den 'englischen Staatsmänner!: konsequent von Zeit zu Zeit die Behauptung aufgestellt, daß Deutschland e:ckgegen dem Völkerrecht, besonders dem Artikel 3 der Haager Konferenz, auf hoher See und auf den Handelsstraßen des freien Meeres wahllos Minenfelder lege. Dabei wird visl von der Minderwertigkeit des deutschen Minenmaterials gefabelt. Die deutschen Minen seien nicht mit Entschärfungsvorrichtung versehen, die Verankerung absichtlich so schlecht gewählt, daß sie 'sich bei jeder Gelegenheit losrissen und so Ozeane und Binnenmeere im weitesten Umfange für friedliche Schifffahrt aufs äußerste gefährlich machten. Zu welchem Zweck derartige Märchen in die Welt gesetzt werden, liegt auf der Hand. Den Neutralen soll immer wieder vor Auge:: geführt werden, wie es einzig und allein das böse Deutschland ist, das jedes Völkerrecht mit Füßen tritt im Gegensatz zum völkerbeschützenden Albion, dem letzten Hort der Neutralen. Diesen Gedankenfaden spann Grey in semer bekannten Frühstücksrede vor den Vertretern der Auslands- Presse am 28. Oktober v. Js., und auch in dm Parlamentsreden der letzten Zeit spielt das angeblich völkerrechtswidrige Legen absichtlich schlecht verankerter deutscher Minen auf hoher See eine wichtige Rolle. Wundern muß man sich über die bronzcstirnige Unverfrorenheit der englischen Regierung und Presse, die derartige Bchauvtun- gen :mmer wieder aufzustellen wagt angwichts des untrüglichen Mlßstabes für ihre Glaubwürdigkeit, wie ihn uns die allmonatlich in Holland veröffentlichten Angaben über die H erkunft der an der holländischen Küste angetriebenen Minen an die Hand geben. Bis Ende November sind danach 926 englische Miner: angetrieben gegen 251 deutsche. Ebenso sind die an der norwegischen uno der schwedische:: Westküste angetriebenen
Mrnen nach den Angaben der Presse dieser beiden Länder weit ins überwiegend englischer Herkunft. Hält man sich vor An gen, daß Unsere Minenfelder im Einklang nrit dem Artikel 3 der Haager Konferenz tatsächlich dicht an der englischen Küste liegen und daher auch, in größerer Nähe der holländischen Gewässer, wogegen die englischen Mine:: zweckmäßigerloeise eigentlich im östlichen Teil der Nordsee vor den Mündungen der Jade, Ems und Weser, also viel weiter ab von den holländischen Gewässern liegen sollten, so springt in die Augen, daß entrveder das Verankerungs material der englischen Minen von außerordentlich schlechter Beschaffenheit sein muß iw Gegensatz zu dem deutschen, oder daß England völkerrachts- widrigerweise nördlich der holländischen Küste in der freien Nordsee Minenfelder ausgelegt haben muß. Letzteres ist, wie unsere Marine längst festgestellt hat, denn auch der Fall. Im Zusammenhang mit der Qualitätsfra^ des englische:', und deutschen Miuen- materials verdient das Gutachten des Chefs des schwedische:: Minendepartements, Kapitäns zur See Norman, über die seinerzeit bei Dorhamn angetriebenen Minen besonderes Interesse. Dieser äußerte sich in ,,Dagens Nyheter", daß die dort anfgeftmdenest Minen deutsck>en Ursprungs genau den Bestimmungen der Haager Konferenz entsprachen. Cie waren durch die Loslösung von ihrer Verankerung unschÄstich geworden, sie konnten nicht durch Stoß, sondern erst durch Beschießung zum Explodieren gebracht werden. Dagegei: seien die angeschwemmten eirglischen Minen meistenteils schon beim Ausstößen au Laich explodiert. Sie feien also noch wirksam uich höchst gefährlich für die Schiffahrt gewesen, trotzdem sie sich vom Minenfeld losgerissen hatten. O neu bar :nüffe England schon auf alte Minenbestände zurückgreiftn, oder es kümmere sich nicht um die völkerrechtlichen Bestimmungen des Seekrieges:
Man sieht, die englische Position: auch inbezug airf die Minen- ftage ist eigenllich keine sehr glänzende. Desto bewundern::gs- werter ist aber der ,,Mut", mit dem englische Regierung urü> Presse nach altbewährter Methode und in Verfolg des Grundsatzes, daß Angriff die beste Verteidigung ist, eine hoffnungslose Stellimg zu halten Versucher Auch in der Miueufvage geht den Engländern nichts über Heuchelei!
Aus Stadt und
©teöen, 3. Januar 1917.
** Amtliche Personal Nachrichten. In den Ruhestand versetzt wurde an: 23. Dezember der Lehrer an der Volksschule zu T-arnrstadt Karl ß o f auf sein Nach- suchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste vom 1. Februar 1917 an. In den Ittchestcnrd versetzt wurde an: 13. Dezember die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz-Mombach Magdatene Burk unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste vom 1. Februar 1917 an. — Der Großherzog hat am 8. Dez. dem Mitglied der Königlich Preußischen und Gcoßh. Hessischen Eisenbahndirektion zu Mainz, Königlich Preußischer: Geheimen Baurat Wilhelm Barzen, aus Aulaß seiner an: 1. Januar 1917 erfolgenden Versetzung in den Ruhestand das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Von der Tageslänge lieber dir allmähliche Zunahme der Tage im Januar spricht sich ein scherzhaftes Sprichrvort wie folgt aus: „Am Neujahr ist der Tag ^m eine:: HahnenschriU, am Dreikönigstag (6. Januar) stn: einen Hirschsprung, an Sebastian (20. Januar) um eine ganze Stunde länger, allein num merkt erst an Lichtnreß (2. Februar) etwas davon." — Am 1. Januar geht die Sonne um 6,14 Uhr Morgens auf und um 3-54 Uhr '.mchmittags unter. Am 31. Januar sind die Stunden des Auf- und Untergangs der Sonne 7,47, und 4,41. Am 3. Januar befindet sich die Sonne in Erdnähe, amj '8. findet eine sichtbare Mvndsinßernis imb an? 23. eine sichtbare Sormenfinst^rnis statt.
** Zwan gs ntassenspeisu::genV Von einer Nachrichtenstelle wurde die Mitteilung verbreitet, daß die Einfühnurg eöver Zwangsmassenspeisung bevorstehe oder beabsichtigt sei. Diese MiÜP teilung entbehrt jeglicher Begründung. Im Ausschuß für Massenspeisung de^ Beirats des Kriegsernährungsamts ist über die Frage zwar eingehend verhandelt worden, die Zwangsspechung aber Ivurde vertvorfen. Jedoch sind die Bundesregierunge:: veranlaßt worden, dafür zu sorgen, daß die Geu:einden, wo ein Bedürfnis vorliegt oder im Lause des Winters eintreten kann, sofort Einrichtungen für Massenspeisung (Kricgskücheni, soweit solche nicht vorhanden, treffen. Jedermann, der das Bedürfnis empfindet, soll hier Speisung zu angemessenen Preisen erhalten können. Den Gemeinden ist freiem Hand gelassen worden, die .Regelung in: einzelne:: den örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen anzupassen. Verlangt wird nur die Anrechnung eines entsprechenden Teils der Lebensmittelkarten. Die Amechnung der Lebensmittelkarte:: in den Gasttv'irtschaften soll nach den gleichen Grundsätzen erfolgen wie in den öffentlichen Kriegsspeiseanstalten.
Landkreis Gießkn.
** Anne rvd, 2. Jan. Dem Reservisten Heft:rich Wehrum wurde am 1. Januar das Eiserne Kreuz 2. Klasse von der 12. Komp. aft. Jnf.-Regis. 116 verliehen.
r. Gro ßen-LindeN, 2. Jan. Dem Eiscu:bahn-Magazin- arbeiter Ludivig Schäfer H. ist das vom Großherzog gestiftete Kriegsehrenzeichen verliehen worden. '— Lehrer Dern, Sohn des -Weißbi:ü>ermeisters Hch. Dern, ist zum Leutiumt befördert morden.
—m. Langd, 2. Jan. Von den aus unserem flemeu Orte einberufeiren Wehrpflichtigen sirrd bis jetzt 13 mit Auszeichnm:gen bedacht wvrden. Den Heldentod starben: LandsturmMar::: Ludwig Römer, Ersatz-Reservist Hermann Schäfer, Reservist dldolf Ronthaler. Gefreiter Otw Hübner, Musketier Ferdinand Walther, Musketier Hermann Döll und Füsilier Rick:ard Schäfer. Vermißt sind: Reservist Otto Mayer, Erfal^-Res. Konrad Kaunz und Ersatz-Res. Hugo Fritz. In GefMrgenschaft befinden sich.: Wehrmann Otto Ludwig in Frankreich und Wehrmann Hugo Walther in Ri:ßland.
p Leihgestern, 1. Jan . V^gen ihrer Tätigkeit am den: Gebiete der Kriegsfürsvrge wurde den Herren Bürgermeister H e ß und Lehrer Buß vom Großherzog das Ehrenzeichen für KriegS- fürforge verliehen.
Wa. Leihgestern, 1. Jan. Für hervorragende Leistungen bei der Ausbildu::g :md Führung der Jugendwehr erhielt Lehrer Buß vom Großherzog das Kriegsehren zeichnen.
" No nn en ro th, 1. Jan. Bürgermeister £> o p o c Junb dem Führer der hiesigen Jugendwehr, Wagnermeister Heinrich Peter, wurden von dem Großherzog das Kriegs-Ehrenzeichen verliehen.
** Steinberg, 3. Jan. Ter seit Kriegsbeginn im Felde stehende Ersatz-Reservist Georg Schm and t erhielt für sein tapferes Verhalten in den Kämpfen an der Svmme das Eiserne Kreuz 2. Kl.
Vas Jubiläum der Dynamomaschine.
Der Januar 1917 bringt der deutschen Technik die Erinnerung an eine ihrer sHauplleistungen, vielleicht die wichtigste Leistung des 19. Jahrhu:ü>erts, an die Erfindung der Dynamomaschine durch Werner von Siemens. Zwar wurde die erste Maschine schon Ende 1866 hergestellt, aber die Veröffentlichung di:rch Vertrag vor der Preußischen Akademie der Wissenschafteu erfolgte erst im Jirrmar 1867. Kaum eine Erfftünm^ hat jemals so entscheidend in unser ganzes Leben einbegriffen und es so vollständig gewandelt. Nicht nur die ganze, riesenhaft entwickelte Elektrotechnik wäre unmöglich, sonder:: auch alle anderen Ziveige der Technik wären noch weit zurück, dem: sie alle sind durch die Elektrotechnik gewaltig gefördert worden. Wie ganz anders sähe unser Leben aus, wenn wir elektrisches Licht und elektrische Straßenbahn entbchren müßten, was bedeutete es für die Industrie, wenn ihr die bequeme Mög- 1:chkeit des elekllwlvtischen Vernickelns,, Verzinnens, Bmkupferns ufw. genomnwn wäre! Der Meserneinfluß, den die Dynamomaschine Mlsübtc, läßt sich z:mächst — rein Materiell gedacht — darauf z::rückführe::, daß sie die Möglichkeit, billig Elektrizrtäii tzerzustellen, besitzt. Dazu kam freilich noch, daß die maschmelle Herltellmrg von Elektrizität es gestattete, praktisch unbegrenzte Mengen davon zu erzeugen. Der elektrffche Strom war ja :m Jahre 1867 bereits seit rund 70 Jahren bekannt, und es waren :m Lause dieser Zeit die verschiedensten Verwündungsmöglrchkuten dafür gefunden wvrden. Aber die Aiuvendung im Großen scheiwrte immer daran, daß die Herstellung des Stromes zu teuer tvar. Rdan kannte.ja zu jener Zeit keine andere Möglul>kert, der Stromgc^ wimru::g als die sehr kostspielige durch galvanpche Elemente. Darum bernühte sich auch die ganze Erftnderwelt Europas, emg maschinelle Methode zur Gewinnung der ersehnten Elcmrizllat aufzuffndei:. Seit Michael Faradays grundlegende!:: Ilnderftuhiungen wußte man, daß in einen: geschlossen-sr, elektrische:: Lecker, der sich in der Nähe eines Magneten bewegt, ein L^trom entsteht. Man versuchte es deshalb, eine Reihe von .Dvahtspulen va)ch an einem Stahlmagneten vorbeizubewegen :md den dadurch erzeugten Strom nach außen zu .führen, um ihn zu verwmdeu. Im Laufe der Zeit merkte Man, daß die Wirkmrg sich bedeutend verstrickte, wenn die Drahtspule:: eftren eisernen Kern enthimten^ also gewissernmßeu zu klernen Elektromagneten wurdeir Aber selbst dam: blieb die Wirkung poch gering, der Strom war zu schiwach. Das lag ebe:: a>: der Verwendung der StahlmagUete, die immer verhälttrismäßig schwach sind, selbst heute, wo uns em viel geeigneteres Stahlmaterial zur Verfügung steht gls vor
50 ^Jahren. Aber es dauerte lange, bis diese Erkemrtuis gewonnen wurde. Im Jahre 1866 kam Werner Jaon Siemens auf den Gedanken, ob man nicht viel stärkere Ströme erzeuge:: könne, wenn man an Stelle des Stahlmagneten einen von einem kräftige:: Batteriestrom erregten Elektromagneten verwende. Er ließ durch seinen Werkführer Carl Müller schnell vorhandenen Teilen eine solche Maschine .zusammenbauen. Aber noch ehe sie aus- probiert werde:: konnte, kam ihm schon ein neuer Gedanke. Wie wenn man die zur Erregung des Elektromagneten bestimmte Batterie ganz weg ließe, statt dessen den selbst erze u gte:: Strom ber 'Maschine verwendete? Er ließ durch die Batterie den Elektromagneten einmal kräftig magnetisieren :md dann die Maschine ohne Batterie laufen. Und suche da, es ging, ging sogar über Erwarten gut. In der Folge wurde dann die Beobachtung gemacht, daß selbst dieses einmalige Magnetisiere:: des Elektromagneten nnterbleiben konnte, denn jedes Ersen enthält so viel Magnetismus als nötig ist, um in dem „Anker" zunächst einen schwachen Strom zu erzeugen. Dieser wird dann zunächst um die Schenkel des Clektro- magTreten geführt und verstärkt dessen Magnetismus. Dadurch wird wiederum der Strom verstärkt, erregt den Elektromagneten weiter, und so steigern sich Anker und EleÄromagnet gegenseitig, bis die Aiaschftw ihre Höchstlefftung erreicht hat. Damft war denn die Dynamomaschine fertig. Natürlich wurden im Lause der Zeck nach, zahlreiche Verbesserungen daran m^bracht, je nach den: Fortschreiten der technischen Mffsenschaften, aber der Grundthp,^ war durch- die erste Maschine Werner von Siemens' (die heute in: Berliner Postmnseun: aufbewahrt wird) gegeben und blieb Unverändert. Kurz nach chm erfand der englische Physiker Whecckstone selbständig ebenfalls eine Dynamomaschine von etwas anderer Bauart, aber die Priorität und damck der eigentliche Ruhm der Erfindung kommt irnsevnn Werner von Siemens z:r Bm: den zahlreiche: Erfindungen und Entdeckungen des „Fürsten der Dech- niF", dem aus Anlaß der Wiederkehr seines 100. Geburtstages! gerade in den letzten Wochen erneut vor: allen Seiten Ehrung 2 : zutell wurden, fft sie die bedeutendste geblieben, diejenige, die ihm die cklnsterblichkeft gesichert hat.
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— Weltgeschichtliche Neujabrstage. Unsere hohen Festtage, vor allem das Wechnachltswit irrtb der NeujahrStag, fielen im Lause der Jahrh::nderte und Jahrtausende vielfach mit Ereig- niffen von welthistorischer Bedeutung zusammen. So wurde bekanntlich die Kaiserkrönung Karls des Großen durch den Papstl Leo im Jahre 800 am Weihnachtstage vor genommen. In der vorchriAichei: Zeit wurde das Datum des Jahresanfangs oft durch
ein für das betteffende Land besonders folgenschweres Ereignis bestimmt. In Aegypten, zur Zeit der Größe des Pharaonenreiches, fiel seit dem ersten Viertel des 5. J-ahrhmcherts v. Ehr. der Jahresanfang mit dem sommerlichen Frühausgang des sog. Hundssternes" des Syrius U:sammen. Denn dieses Datum kündigt!: alljährlich dcn Beginn der Nilüberschwemnmng cm, von der der Ern telegen in: Lande abhing. Die Entwicklungsgeschichte des Deutschen Reiches verzeichnet mehr als einen Neujahrstag von hfftorffcher Bedeutung. So Unterzeichnete der Staufer Heinrich VI. am 1. Januar des Jahres 1194 die berühmte Urkunde, durch welche Sizilien als staufisches Hausgut eingezogen wurde. Dieser Akt war bestiiw mend für die weitere hfftorffche Entwicklung, die über die glänzende Zeit Kaiser Friedrichs II. bis zur Enthauptung des iungen Kvn- radin in Neapel im Jahre 1268 führte. ?ljuch in der Geschichte oder besser der Vorgeschichte des Dreißigjährigen Krieges gibt es einen Neujahrstag von ganz besonderer Bedeutung. Denn der Krvnrat, den Gustav Adolf nnt seinen Ratgebern Oxenstierna, Tvrstenson, Bauer und Wrangel in: Stockholmer Schlosse abhiell fand wahrend einer Sllvesternacht statt, lcnd als der Schneesturm', der das Schloß umtoste, nachließ und das erste Morgengrauen des Neujahrstages her au fdäm inerte, loar der schivedische ?ldel für seine Beteiligung am Kriege gewonnen, und es ist wohl nicht Au viel gesagt, wenn man in dieser Intervention die Retttmg des deutsche:: Protestantismus erblickt. Einer der ereignisreichste:: Tage Deutschlands zur Zeit Blüchers war der Dag nach der Neujahrsnacht 1813, in lvelcher Blücher den Rheinüöergang bei Caub in Sjene setzte. Ein Neujahrstag war es auch. Der den italienischen Krieg an- kündigte, aus dem die Einigung Italiens hervvrging. De:u: nach den Erfolgen des Krimkrieges, am 1. Januar 1853, sprach Napoleon III. beim Neujahrsempfang der Botschafter dem österreichischen Gesandten gegenüber die berühmt gewordene:: Worte aus: „Ich bedaure, daß die Beziehmrgen Ihrer Regierung zu der meinigen nicht so gut sind, wie ich es wünschte." Ganz Äirova ah:cke damals den Krieg, und diese Ahnung setzte sich auch in die Wirklichkeit um. Für uns Weltkriegsbürger aber ist der letzte hfftorische Nearjahrsrag, der 1. Januar 1905, von besv:ck)erem Jicker- esse, da er — ein Unikum in der Weltgeschichte — der Tag eines bedeuffamen Friedensschlusses lvar. Denn der Friede von Portsmouth, der den blutigen russisch-japanischen Krieg beschloß, fiel aus den 1. Januar 1905. Wenn auch der ilieirjahrstag 1917 noch kein Tag des Friedens sein kcu:n, so erscheint doch die Hoffmritg nidrt unberechtigt, daß die Neujahrsglvcken 1917 ein Jahr emläutc::' das den Weltkrieg beendet und unserem Vcckertcmde auf lange Zech hinaus einen starken und glücklichen Frieden sichert.


