Ausgabe 
4.1.1917 Erstes Blatt
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Verwaltung her, wodurch eine Verbesserung der Wurst und wenn möglich eine Verbilligung eintreten soll. Tie Metzger waren mit der Maßnahme der Stadt zum größten Teile nicht einverstanden.

--- Frankfurt a. M., 3. Jamurr. Das Hock,wasser Hai im Tal der unteren Nidda.seit Dienstag einen immer mehr gesalhrdwhenden Sharatter angenommen. Durch den Hvchshmd des Mains finden die Mddafluten keinen LLbflnß. Infolgedessen stjcmen sich diese aus uni> ergießen sich Weithin über das Land. Das Tal Uvischen Vilbel und Med glercht einem einzigen See. Hmcheim bei Vilbel ist vom Verkehr abgeschnitben: ebenso mußte der Stvahenbahnverkehr zwischien Frankfurt und Hansen eingestellt werden. Tie hier über die Landstraße gelegte Notbrücke für Fuß­gänger erweist sich, als zu kurz. Durch Hausen flutet der Strom breit dcrhrn, zahlreiche Straßen, Häuser und viele Keller stehen unter Wasser. Auch, Nied ist in seinem westlichen Teile vollständig von den Fluten eingeschinürt. Seit Dienstag stieg hier das Wasser um weitere 50 Zentimeter.

][ Marburg, 3. Jan. Wjie in der,gestrigen Sitzung der Stadtverordneten mitqeteilt wurde, stellen sich die Gesamt^ kosten deS von der Stadt errichteten Südpostgebäudes auf rund 114 342 Mk-. Für die von der Stadt Marburg zu errichtende Molkerei, deren Betrieb am 15. Januar beginnen soll, wurden noch 15 000 Mk. nachböwilligt. Ferner wurde beschlossen, daß die Stadt ebenso wie die Landgemeinden, gegenüber Leistungen der hessischen Kriegshilsskasse für Gewerbetreibende die Bürgschaft über­nimmt. Mit Rücksicht auf die hohen Kohlenpreise beschloß man ferner, den Preis für Leucht- und Heizgas von 15 auf 17 Psg. für den Kubikmeter zu erhöhen. Für Motorgcks tritt keine Preiserhö­hung ein.

F.C. Wiesbaden, 2 Jan. Im Jahre 1916 wurden hier insgesamt 103 9 8 0 Fremde gezählt, das bedeutet gegen das KriegSjahr 1915 eine Zunahme von 3628 Personen.

vermischtes.

Ein großes Bootsunglück.

Kochern, 3 Jan. (TÄTB. Nichtamtlich.) In dem benach­barten Beil ft ein an der Mosel sank heute nachmittag die Fähre. Etwa 20 Personen, meistens Frauen und Kinder, sowie der Fähr­mann, ertranken. Zwei Kinder wurden gerettet.

*

* Vom Kasfeegenuß. Ucker den Ursprung des Kaffee- genusses ist genaues nickt festzuftellen. Tie anregende Wirkung war in der Heimat des Kaffeebamnes, Afrika, zuerst beobachtet, doch wurden die Bohnen dort roh oder in Wasser beziv. Oel gekocht genossen. Die Röstung, neelche dem Kaffee erst sein Aroma gibt und ihm erst seine Verbreitung im Abendland verschaffte, stammt aus dem Orient, wo man damals auch, Getreide vor dem Genuß zu rösten pflegte. Das aus den gerösteten Bohnen her­gestellte Getränk wurde Chaube, Gaowa oder Kahwah genannt, rjottcm unser WortKaffee" stammen soll. Vom Kasseebaum selbst, in Abessinien Bon, Barr oder Bunn genannt, sott das. Wort Bohne" abstammen Nack) Prof. Lendrich in Homburg gebm wir noch folgende Zahlen: Das erste Kaffeehaus hatte Wien 1633; Nürnberg und Regensburg 1686; Hamburg 1687; Leipzig 1694; Danzig und Wittenberg 1.700; Berlin erst 1721! Tie Gesamter­zeugung der Erde von Kaffee wird zurzeit aus über 20 Millionen Zentner sährlich, geschätzt. Txn größten Verbrauch haben die nord- europäischen Staaten; darunter Deutschland an vierter Stelle; ferner Nord-Amerika und die Schweiz. England und Rußland be- voaHuONt Tee, Frankreich!, Italien, Spanien und Portugal Schoko­lade. Die orientalischen Völker genießen mit dem Kaffceaufguß gleichzeitig auch die aufs feinste zerstoßenen Bolmen selbst, während alle anderen VÄker sich, mit dem Auszug allein begnügen.

* Der Eislauf und seine Geschichte. Das Schlitt­schuhlaufen spielte im 18. Jahrhundert in Deutschland eine ähn­liche Rolle wie in dem folgenden Jahrhurchett das Turnen: es war der Sport, der von vielen als nationale Krafterneuerung ange­sehen wurde. Klopstock feierte ihn in diesem Sinne, mrd er selbst galt sa als der dichterische Vertteter des nationalen deutschen Ge­dankens, soweit überhaupt damals davon die Rede sein konnte. Wählend der Eissport nach, Deutschland von Holland aus ein- gesührt wurde, war er in England schon im 12. Jahrhundert heimisch gewesen, war aber dort wieder in Vergessenheit geraten, während die für diesen Sport sehr günstige Lage Hollands seine Bewohner geradezu zum Eisläufen erzog. Wie man bei uns im Spreewald nicht ohne Kahnfahren auskommt, mußten die Be- wohner Hollands in manchen Gegenden im Winter beständig den Schlittschuh an den Füßen haben, und die Kinder lernen den Eislauf zugleich mit dem Gehen. Tie Gemälde der holländischen Schule, z. B. die des Hendrik von Averkamp (162063), beweisen, daß schon im 17. Jahrhundert der Schlittschuh ein allgemeines Verkehrsmittel geworden war. Natürlich ist der Eissport auch in den nördlichen Ländern Europas heimisch und bildet zum Beispiel in Norwegen einen Teil der militärischen Ausbildung. In Frank-

veich gehörte der Eissport zur geselligen Unterhaltung der höfischen Kreise. Tie eleganten Kavaliere des Hofes der Marie Antoinette, die Gilets-Rouges, waren die Vertteter dieses Spottes, und einer dieser Eisläufer soll die unglückliche Königin, indem er ihr mit seinem Schlittschuh laufend aus dein Eise eine Warnung schrieb, auf die ihr drohende Gefahr aufmerksam gemacht haben, ohne daß sie davon Nutzen zog. In Deutschland galt der Eislauf in vor­nehmen Kreisen« in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für verpönt, ww besonders Damen durften es nicht tvagen, sich ihm zu widmen. Erst die so beliebte Henriette Sontag, deren ent­zückende Laufkunst von ganz Berlin aus der Rousseau-Insel im Tiergatten bewundert wurde, feuerte die Berliner Hofkreise zur Betätigung des Eissportes an, und nach und nach wurde er dann in allen Kreisen heimisch.

* Ein kleiner Irrtum. Ern englischer Parlamentarier, so erzählt ein Londoner Blatt, ging mit einem neuttalen Freund durch! die Straßen, eifrig bemüht, ihm bei jeder Gelegenheit die glänzende Lage Englands und vor allem den opferfreudigen Patriotismus der englisch,cn Bürger an praktischen Beispieles nachzinveisen. So kamen die beiden zu einer Straßenecke und sahen, wie ein Mann eilig in ein Postamt stürzte, um es dann nach, kurzer Zeit ckenso eilig Meder zu verlassen.He, mein Licker," rief der Parlomendaicker aus,Sie waren gewiß in dem Postamt, um Bestellungen auf unsere Kriegsanleihe zu machen?^Sie irren sich," Erwiderte der Gefragte schlagfertig,ich habe nur meine Füll­feder aus einem der Posttinteirfässer frisch, gefüllt."

AirehUche Nachrichten.

Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Sy a.oge (Süd-Anlage). Samstag, den 6. Jan. 1917. Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9 Uhr. Abends 4.55 und 5 30 Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.

S a b b a t \ e i e r den 6. Jan. 1 9 1 , r Freitag abd. 4.15, Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30 Uhr. Sabdalansganq 5.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7 10, nachm. 4 00 Uhr.

Meteorologische veo^achtquaen der Station Gietzen.

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höchtte Temperatur am 2. bis 3. Jan. 1917 + 10,8° C. Niedrig'lo 2. 3. 1917 -f- 6,2 0 C.

Niederschlag 1,0 mm.

wöchenü. Uederßcht SerCodezMe t. d. Stadt Kietzen.

51. Woche. Vom 1?. bis 23. Dezember 1916.

Einwohnerzahl: angenonnnen zu 33100 (inkl. 16o0 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 34,60 °/ 0 .

Nach Abzug von 14 Ortsfremden: 12,56°/,,.

Zus.

Kinder

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t. Lebens­jahr

vom 2 . bis

15. Jahr

Altersschwäche

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Lungenentzündung Krankheiten der Kreislaufs«

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Nervensystems anderen Krankheiten der

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Krebs

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Summa:

22 114»

18 (10)

4(4)

A n m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffentlichung des Großh. KrcisgesundHeilsamts Gießen.

Dr. W a l g e r. Med.-Rat.

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Letzte Nachrichten.

Die Erfolge in Rumänien.

Sofia, 4. Jan. Das Fottschrecten der verbündeten Truppen dauett ttotz heftigsten Widerstandes der Russen ununterbrochen an. In den Seitentälern der rechtsseitigen Zuflüsse des Sereth sind neuerlich bedeutende Fottschritte gemacht worden, die unsere Regi­menter dem Sereth näher gebracht haben. Gegen Focsani ivird scharf weitergekämpst. Tckr linke Flügel des. Zentrums hat sich näher an Focsani vorgekämpst. Die bedeutendsten Erfolge wurden gegen Braila erLimpst. Unsere Truppen stehen vor den Feldbefesti- gungen der Stadt. In der Dobrudscha sind gleichfalls sehr wert­volle Erfolge gegen den Brückenkopf von Macin erkämpft worden, die vielversprechend für die nächste Zukunft sind. ^ Ausnahme von Macin dürsten in der ganzen Dobrudscha keine russischen und rumänischen .He eres verbände mehr anzutreffen sein. Nur in den! Sümpfen und Wäldern der nördlichen Dobrudscha ttefsen unsere Truppen aus versprengte rumänische und russische Soldaten, die sich willig in Gefangenschaft begeben. Von der Saloniki-Fron« wird nur vom Doiran-See und bei Monasttr lebhafteres Artillerie- seuer gemeldet. Jnfanteriekämpfe haben schoin seit längerer Zeit in größerem Umfange nicht stattgefunden.

Die Räumung Brailas.

Genf, 4. Jan.Pettt Parisien" meldet aus Petersburg: Es ist zu befürchten, daß die südwestlich von Braila operierendenl Heere gezwungen werden, ihre Front zu berichtigen und sich bis zum Sereth znrückznziehen. Der sicherste Teil der Front, sagt der Korrespondent, sei noch die Moldan-sickenLürgische Grenze, aber auch dort übe die Heeresgruppe von Astz einen sehr starken Druck im Gebirgsgebiete südlich der Ocna aus.

Berlin, 4. Jan. DerBerliner Lokal-Anzeiger" schreibt: 15 Kilometer östlich von Braila, durch einen vermittels eines Knüppeldammes passierbaren Smnchf und die Donau von diesem getrennt, liegt Marin Und fünf' Kilometer nördlich von Macrn das Dorf Jffila. Mit ihrer Einnahme wird nunmehr auch die däordwestecke der Dobrudscha, dieses alten bulgarischen Landes, dem Feinde entrissen.

Der Neujaürsgottesdienst im Hauplguarlier.

Berlin, 3. Jan. DerBett. Lokalanz." schreibt: Wie wir von Augenzeugen hören, hat Feldmarschall von Hindenburg cm

Neujahrstag an dem Gottesdienst im Großen Hauptguattier zu­sammen mit dem Kaiser teilgenommen. Tie Hunderte von Men- scheu., die Zeugen, dieses Kirchgangs waren, haben sich ebenso von der ungemein sttschen mid kräftigen Gesundheit des Feldmars clxills überzeugen können, wie die Offiziere, die täglich mit ihm stunden^ lang zu tun haben. Dieser Zug kennzeichnet die törichten Gerüche, die in den letzten Tagen über den Gesundheitsz ufftotb de s ?reuw marschalls Meder einmal hier und anderwärts verbreitet waren.,

Einberufung des Reichstages.

Berlin, 4. Jan. In politischen Kreisen verstärkt sich die Annahme, daß der Reichstag ^MÄte dieses Monats yn* sammentteten wird.

Wilsons Absichten.

Kopenhagen, 4. Jan.Daily Mail" berichtet auS New Jork: Die amtlichen Washingtoner Kreise sind jefet darüber im klaren, daß Wilson gleichzeitig mtt der Ab-- sendnng der Friedensnote den übrigen neutralen Staaten durch die amerikanischen Gesandten die mündliche Andeu­tung gegeben habe, daß, wenn sie sich an dem Schritt zur Wiedererlangung des Friedens beteiligen wollten, der Zeit­punkt dafür nach seiner Meinung gekommen sei. Die ameri­kanische Regierung ist von der Lwlehnung Spaniens, sich an dem Friedensschritt Wilsons zu beteiligen, sehr unangenehm berührt, da man glaubt, daß hierdurch das Presttge der Vereinigten Staaten in Südamerika erheblich geschädigt werde.

Epidemien in Paris.

Berlin, 4.Jan. In Paris erregt, wie verschiedene Blätter melden, eine Kundmachung der Gesundheitskomnch'sion große Be- längsttgung, weil sie in Paris selbst, wie auch in größeren Jnduftrie- nrittelpunkten stärker austretende Epidemien feststellte. Insbeson­dere wurden auch von orientalischen Arbeitern Augenkrankheiten eingeschleppt.

Hochwassergefahr.

Berlin, 4. Jan. Große Hochwassergefahr besteht erneut für den Mittelrhein. Die Verkehrsstörungen haben vett'chiedenllich gro­ßen Umfang angenommen Das Hochwasser der Elbe erreichte gestern in Dresden eine Höhe von über 250 Zentimeter über den

Nullpunkt.

Städtischer Fettverkanf.

Am 5. und 9. ds. Mts. wird in den Verkaufsstellen ver Molkerei Gebr. Grieb Fell abgegeben. Der Verkauf findet bezirksweise, wie nachstehend, in. den für den Butter- Verkauf vorge'chriebenen Verteil» tgsstellen statt.

Am Freitag, den 5. ds. Mts.

Bezirk I vormittags von 8 bis 12 Uhr

h II n 8 n 12

* III * 8 12

Bezirk IV nachmittags von 2 bis 6 Uhr,

, V 2 6

^ VI 2 6

Am Dienstag, den 9. ds. Mts.

Bezirk VII vormittags von 8 bis 12 Uhr

* vm 8 12

IX 8 12

Bezirk X nachmittags von 2 bis 6 Uhr,

* XI 2 6

XII n ff 2 6 ff

Um den Verkauf glatt abwickeln zu können, ersuche ich die Käufer, das Fett in der für ihren Bezirk fepgc- setzten Zeit abholen zu »vollen.

Die Abgabe erfolgt nur aus die Fettmarken der 2. Woche.

Gießen, den 4 Januar 1917.

Der Oberbürgermer)ter.

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