Ausgabe 
9.12.1916 Erstes Blatt
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*3£>ie Getreidcvorräte in Rumänien.

Berlin, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DieNordd. Mltztnn. Ztg." schreibt: Nach amtlicher rimränischer Der- Nsfentlichuilg beliefen sich die im Lande befindlichen Ge­treidevorräte am 1. Juli 1916 auf 1 600 000 Donnen, näm­lich 400000 Tonnen Weizen und Weizenmehl, 782 000 Ton­nen Mais, 820 000 Tonnen Gerste. Der Rest verteilt sich auf Roggen and Hofer. Die diesjährige Ernte überschreitet kaum eine jVtittelernte und h-at folgende Ergebnisse: 1 800000 Tonnen Weizen, 690000 Donnen Gerste, zusammen 4 400000 Tonnen. An diesem Ertrag sind die bisher von den Mittel­mächten besetzten Gebiete mit rund zwei Dritteln be­teiligt.

Russischer Bericht

vom 7. Dezember:

Westfront: In der Gegend des Waldes non Chelvow hat der Feind, unterstützt von Artilleriefeuer, eine Offensive aus un­sere Gräben unternommen und sich eines kleinen Teiles unserer Stellungen bemächtigt, allein wir haben ihn durch einen Gegen­angriff tzurückgeworfen. In der Gegend von Garbuzow-Guka- lvvce richtete die feindliche Artillerie Trommelfeuer aus unsere Gräben, ebenso wie aust die nnrpittelbar dahinter gelegenen Stel­lungen. Dann unternahm die feindliche Infanterie eine Offen­sive. Mund zwei feindlicli-e Kompagnien brachen in unsere zer­störten Gräben in der Gegend von Gnkalovce ein. Ein Angriff aus den benachbarten Grabenstücken hat den Feind zurückgetrieben und Imrsere Stellungen wiederhergestLtlt. In den Waldsirrpathen ge­langten Unsere Operationen infolge Nebels, der das Artillette- feuer verhinderte, tzum Stillstand.

Rumänische Front: Siiolich von Trotuz dauert der Kampf an. In der Walachei gingen die Rumänen unter dem feindlichen fDrucke in östlicher Richtung zurück, indem sie den Feind durch Nachhutgefechte aufhielten. Bukarest wurde von den rumänischen Truppen a M 6. Dczember mit - tags geräumt. Infolge des Zurückweichens der rumänischen Stellungen gingen unsere Abteilungen ebenfalls zurück, indem sie den linken Flügel der rumänischen Armee südlich Bukarest deckten.

Die Verhängung der Blockade über Griechenland.

Genf, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird nachstehender Wortlaut betreffend die Verhängung d e r Blockade über Griechenland veröffentlicht. Die Re­gierung der französischen Reptlblik verhängt in: Einverneh­men mit ihren Alliierten die Blockade über Griechenland und gibt hierdurch die Bedingungen bekannt, unter denen sie ansgeübt werden wird:

Die Blockade ivird am 8. Dezember, 8 Uhr morgens, als effektiv erklärt. Sie erstreckt sich auf die an der griechi­schen Küste mit Einschluß der Inseln Euboä, Zakynthos imd Leukas von im 39,20. Grad nördlicher Breite von Greenwich Und 20,20 Minuten östlicher Länge gelegenen Punkte sowie aus die gegenwärtig Unter Abhängigkeit oder Besitznahme der königlich gtteckistben Behörden befindlichen Inseln. Schiffe dritter Mächte, die sich in den blockieretn Häfen befinden, können bis zum 10. De­zember 8 Uhr morgens frei auslaufen. Dem Oberbefehlshaber der die Blockade vollziehenden Seestreitkcäste wurde die Weisung er­teilt, den örtlichen Behörden diese Erklärung zur Kenntnis zu bringen.

Das Kabinett Lloyd George.

London, 7. (WTB.) Amtlich wird bÄannt gegeben, bah Lloyd George abends eine Audienz bei dem König hatte und daß er das ihm angebotene !A)mlt des Premiers Ministers Und des Ersten Oovds des Schatzes an n a hm und deni König :rach der Ernennung die Hand küßte. Die Kundgebung zeigt, daß die Kabinettsbildung durch Lloyd George zustande/ kommt.

London, 8. Dez. (WTB. Nichtamtl.) Mellmng des Reuter- schen Bureaus: Die Arbeiterpartei hat sich für ihre Be­teiligung an oer Treuen Regierung sehr günstige Bedingungen zu verschaffen gewußt. Es verlautet, Henderson werde als Arbeiterberater und Minister für Pensionen in den neuen Kriegs­rat, der aus ungefähr vier Personen bestehen ivird, eintteten. Barnes witt als Kabinetts Mitglied ein wichtiges Amt be­kleiden, außerdem wird die Partei drck oder vier Mitglieder in weniger wichtigen Regierungsämtern als Junior Whips oder Unterstaatssekretäre unterbringen. Nach Berichten aus verläßlicher Quelle herrscht in der Partei die Erwartung, daß Schritte zur Nattonalisiernng der Effenbahnen, der Schiffahrt unb des Berg­baues unternommen werden sollen.

Amsterdam. 8. Dez. (WTB. Nichtamtl.) Einem hiesigen Blatte imio aus London gemeldet, ba§ in einer Konferenz der Arbeiterpartei die pazifistischen Sozialisten sich weiger­ten, die neue Regierung zu unterstützen. Der Beschluß!, an der Regierung teilzunehmen, wurde mit Stimmenmehrheit gefaßt.

London, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu- terschen Bureaus. In der henttgen Versammlung der liberalenf Partei wurde Asgintb das Verttav.en mrsgesprochen und be­schlossen, die Tieue Regierung bei Fortsetzung des Krieges zu unterstützen. Die Preß-Assr^iatton meldet, daß inr Laufe der Ver­sammlung Asgurtb mitteilte, Balfvur ivürde das Auswärtige Amt übernehmen mrd Lord Robert Eeeil die Stelle eines Unterstaats­sekretärs für auswärtige Angelegenheiten beibehaltem

Die englische Einfuhr.

London, 8. Dez. (WTB.) Nach dem amtlichen Han­delsausweis belief sich die Einfuhr im November 1916 auf 88922 506 Pfund Sterling, was gegen den gleichen Monat des Vorjahres eine Zunahme um 17 488 254 Pfund Sterling bedeutet, und stellte sich gegen das Vorjahr um 6 849 088 Pfund Sterling höher.

Die französische Kammer.

Gens, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die, wie schon ge­meldet, von der französischen Kammer mit 344 gegen IM Stinrmen angenommene Tagesordnung hat folgenden Wortlaut: Die Kammer nimmt die Erklärungen der'Regie­rung über die Umgestaltung der Armeeleittmg zur Kenntnis, billigt ihren Entschluß, die allgemeine Führung des Krie­ges und die wirtschaftliche Organisierung des Landes unter einer verengerten Leitung straffer zusammenzufassen und geht im Vertrauen darauf, daß die Regierung im Einver­nehmen mit den Alliierten die als unerläßlich erkannten Opfer und Anstrengungen vollbringen werde, zur Tages­ordnung über.

G e n f, 8. Dezember. <WTB. Nichtamtlich.) Nachdem die fran­zösische Kammer die Geheinrsitzlmgen beendet hatte, nahm sie die öffentlichen Sitzungen wieder auf. Deschanel verlas neunzehn Tagesordnungen Briand erklärte: Nach längeren Erörterungen die es der Kammer ermöglichten, sich ein Urteil zu bilden, )verde die Regierung nur die Tagesordnung Badaud-Laeroze annehmen me von den Regierungserklärungen über die Reoraan- fie rung des O ber bc fehls, sowie über die Tätigkeit der Regiermrg hinsichtlich des Krieges Kenntnis nehme. Diese Tages­ordnung drücke klar das Vertrauen zu der Regierung aus denen sie nach! der .Debatte bedürft, um ihve Ausgabe mit der nötigen Autorität zu ersilllen. Nach^ der Erklärung Driands äußer- i 'n m ' re Mgeottmede ihre Ansicht. Ehaumel kritisierte die Mayna»inen oer Regierung, deren Mangel cm Weitblick Var ßllein me Unternehmung im Orient lähme. Wir sind, sagte er rn When in emer Lage, die zum imndesftu unser Prestige nicht

erhöht. Briand erwiderte, das Prestige Frankreichs sei eryaven, über eine solche Auffaffnug. Chan met schloß, indem er an die Verpflichtungen erinnerte, die das Ministerium nicht eiugehalten l?abe. Auch Comperre-Mercel tadelte die Regierung. Millerand und Rena udel erklärten, sie würden für das Kabiuett stimmen. Die Kammer lehnte sodann mit 395 gegen 117 Stimmen die Tagesordnung Tardieu, die der Regierung das Vertrauen versagt, ab und nahm im Anschluß an die Erörterung der verschiedenen Interpel­lationen in den Geheimfitzungen, in öffentlicher Sitzung, mit 34 4 gegen 160 Stimmen eine Tagesordnung an, die der Regierimg das Vertrauen ansspricht.

Die Beulenpest in Marseille.

Berlin, 8. Dez. (Privatst el.) DieVoss. Ztg." meldet aus Madrid: Nach einer Meldung des in Barcelona erschei­nenden BlattesTiempo" ist in Marseille die Beu­le n p e st ausgebrochen. Das Blatt foroert die Behörden Barcelonas auf, der Ansteckung vorzubeugen.

Ein norwegisches Blatt über Deutschland und England.

Kristiania, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die langen Erörterungen über die deutschen Kriegsziele in der deut­schen Presse und die dabei verschiedentlich wiederholt be­tonte Bereitwilligkeit Deutschlands, einen ehrenvollen, reale Garantien für einen die Sicl>erheit Deutschlands und seine Verbündeten enthaltenden Frieden zu schließen, haben in der norwegischen Presse u. a. folgendes bezeich­nendes Echo in einem Artikel desD a g b l a d" gefunden: fnnden:

Der Augenblick ist gekommen, der die norwegische Regie­rung auffordett, an den Friedensvermittlungen witzuar beiten, da es für jeden, der seheir will, offenbar ist, daß Deutschland nicht unter­jocht und zertrümmert ist, andererseits England nicht vollständig übernmnden werden kann. Aber Englands Weltherrschaft ist gebrochen, wie auch der äußere Ausgang des Friedens sein wird. Eins steht fest, daß Deutschland das stärkste Volk der Welt und an Kraft das gewaltigste aus Erden ist. England ist von seinem Thron herab gestürzt, nicht nur an Ansehen, sondern auch von seiner Stellung als Herrschieg der Welt, lieber diese Frage ist der .Krieg geführt worden, die Lösung der, Frage ist gegeben, denn die Entscheidung ist bereits gefallen. Hieran kann nichts geändert werden."

Wenn diese Einzelstimme auch noch keineswegs einen ausschlaggebenden Teil der no-nvegischen Meinung dar- stellt, erscheint sie doch bezeichnend für die wachsende Ein­sicht.

Der Seekrieg.

Ein französisches Linienschiff rmtergegangerr.

Paris, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Marine Ministerium gibt bekannt: Das LinienschiffSn fs- ren" <12 730 Tannen), bas am 24. November nach dem Orient abging, ist n i ch I angeko m m e n Es wirb für ver­loren gehalten. Die Besatzung betrüg 18 Offiziere, 700 Mann.

Die U-Bootsgesahr für England.

L o n d o u, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DieD a i l y Mail" bringt einen Artikel, der die Ueberschrift trägt: Zehn Schiffe pro Tag U-Boots-Blockade! Der Ar­tikel beginnt:

_ Heute erschienen in unseren Spalten die Namen von 15 Schiffen als Opfer der deutschen U-Boots-Blockade: am Samstag waren es 7, am Freitag 10, am Donnerstag 7, am Mittwoch 12. Die Deutschen nähern sich also einem Durch­schnitt von 10 Schiffen pro Tag, wenn sie ihn nicht schon er­reicht haben. Vermutlich wurden noch nicht die Namen von allen versenkten Schiffen bekannt. Der fortgesetzte Verlust von 10 Schiffen pro Tag darf nicht geduldet werden. Von den verhältnismäßig sicheren Bedingungen des vorigen Jah­res, tvv dank unserer guten Verteidigung durchschnittlich nur ein britisches Schiff täglich verloren ging, sind wir in die höchst unbefriedigende gegenwärtige Lage gekommen. Die U- Boots-Gefahr bedroht die wahren Wurzeln unseres nationa­len Lebens. Sie muß überwunden werden, oder sie kann uns überwinden.

Pour le m^rite.

Berlin, 8. Dez. (Privattelegr.) Wie wir hören, ver­senkte der durch Verleihung des Ordens Pour le merite kürz­lich ausgezeichnete Kapitänleutnant Steinbrink auf der letzten Fahrt mit seinen! Unterseeboot 22 Fahrzeuge mit 11605 Tonnen innerhalb 11 Tagen. Von den versenk­ten Schiffen maren 11 mit Kohlen beladen nach Frankreich und Italien bestimmt. Am 6. November wurde übrigens die tzvchstzahl der an einem Tage versenkten Schiffe mit 38 erreicht.

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Amsterdam, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Ans Ymuiden wird der Niederländischen Telegraphen-Ägentnr gemeldet: Bei einer Anzahl Pmnider Fischdamp­fer, die diese Woche nach Cuxhaven aufgebracht worden seien, seien von den deutschen Behörde^! 3 5 Proz. des Fanges beschlagnahmt worden mit der Be­gründung, daß dieser Teil der Ladung, als für England be­stimmt, Bannware sei. Es braucht nicht erst darauf hin­gewiesen zu werden, daß dieses nicht richtig ist, denn es steht durchaus nicht fest, daß 35 Proz. des Fairges für. Eng­land angekanft werden. Ob für die beschlagnahmten Fische von England der festgesetzte Mindestpreis' bezahlt wurde, sei noch nicht bekannt. Die Ymuider Reedervereinignnq habe der englischen Regierung vorgeschlagen, daß der nicht für den inländischen Verbrauch bestinrmte Teil der Fisch­ladung der niederländischen Dampffischereifahrzeuge gegen einen vorher zu besttmmenden Preis zu gleichen Dessen ans England und Deutschland verteilt werde. Die Entschei­dung der englischen Regierurrg sei noch nicht getroffen

S tavang e r, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.)Morgen- bladett' teilt mit, der schwedische DmnpserOrvas" 'von Goeteborg sei heute vormittag mit der Besatzung des Damp­fersStettin" von der Nordenfieldischen Dampfschiff- sahrts-Geseltschaft im Egemsnnd eingelausen. Der Danipfer Stettin" sei von einem deutschen U-Boot 43 Seemeileir von der Küste versenkt worden. Er hatte Bergen am 5. Dezember mit einer Konservenladnng verlassen. Die Mannschaft wurde von einem U-Boot aufgerrommen, das sie später an Bord eines schwedischen DmTrpfers brachte. DerStettirff" faßte 412 Tonnen und war im Jahre 1873 gebaut worden.

London, 8. Dez. (WTB.) Lloyds zufolge sind der dänische DampferNaxos" und der spanische Dainpfer Julian Benito^ versenkt worden. Die Besatzungen wurden gerettet.

London, 8. Dkz. (WTB. Nichtamtlich.) Der dänische DampferH a l f d a n" und der dänische SchonerM a r i e" sind gesunken. Die Mannschaften wurden gelandet. Der spanische DampferGero na" ist gesunken.

London, 8. Dez. (WTB. Nichtzmntlich.) Lloyds mtU bet: Der norwegische DampferMeteor" wiivbc versenkt.

Die Besatzung Ist gerettet. Der DampferMnöjMN" wurde am 8. Dezember versenkt.

London, 8. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel- ' det: Der belgische DanrpferKettiett' und der norwegische DanrpferMeteor" tvnrden versentt. Der DampferLind- jani" wurde am 8. Dezember versenkt.

Die Uartoffelversorgung bis zur nächsten Ernte.

Die diesjährige Körnerernte ist bekanntlich erheblich besser als die vorjährige. Sie hat, wie bekannt, eure Erhöhnng der Brotzu­lagen ermöglicht. Es wird auch, da die Brotstreckung mit Kartoffeln demnächst^ ansgagebem werden muß, möglich sein, an deren Stelle fa . (betreibe herzngeben, daß die Brottation nicht verringert lvird. Ferner wird noch im Dezember eine erheblich größere Menge von Weizen-, Gerste- und Hafererzeugnissen als bisher fortlaufend zur Verteilung konrmien. Ob znm frühen Frühjahr oie Brotz-nlagen noch weiter gesteigert werden können, läßt sich erst etwa Errde Fe- bruar übersehen, weil erst dann die Erdeuschergebnisse einigermaßen vollständig vorliegen können. Bis dahin mfuß es vorsichtigerweise bei den jetzigen Rationen bleiben. (

Tie befl'ere Körnerernte ist um so erftenlicher, als die Kar­toffelernte sich leider im Reichsdnrchschnitt bei der vor einigen Tagen abgeschlossenen endchilttgen Ermittelsnng als noch etwas ungünstig ger, wie man bisher angenommen hatte, herausgestellt hat; es ist geboten, der deutschen Bevölkerung hierüber völlige Klarheit zu geben, ^abei ist fteilich nicht izlu vergessen, daß der Kartoffelban in temem Lande annähernd so glänzend entwickelt ist, wie bei uns,

daß deshalb trotz unserer schlechten diesjährigen Ernte unsere Bevölkerung immer noch erheblich mehr und erheblich billigere Kar­toffeln erhalten kann, aßs iin den anderen Ländern, die gleichfalls eme Kartoffelmißernte imd infolgedessen zum Teil doppelt und drei­fach so hohe Preise wie wir aufzuwoisen haben. r T Tze deutschen Landwirte hatten es ttotz des Mangels mr Ar- bettskrasten und Gespannen fertig gebracht, die diesjährige Kar- gegenüber 1915 zu vergrößern. Sie betrug ohne Frühkartoffeln 1916 : 2 808 000 Hektar. Tie für Kattosfeln über­aus ungünstige Witterung im August und September hat aber den Hettarertrag, der noch Anfang August Kwar nicht günstig, aber doch einigermaßen normal ausgesprochen wurde, auf durchschnittlich 170 Zentner herabgeorückt, wobei int einzelnen je nach Böden Imd Kar- tepelforte sehr große Unterschiede bestchcir. Ganz besonders versagt haben schwerere Böden und feinere Speisesorten, ivährend die Er- träge auf milderem Boden mit gröberen Sotten zum Teil befriedi­gendwaren. Ter Ernteerttag ist wie üblich durch Kceiskommissionen geschätzt worden. Das Kriegsernährnngsamt hat aber in allen wich­tigeren Anbaubezirken durch besonders erfahrene auÄvärtige Sach­verständige eingehende Nachprüfungen vornehmen lassen. Diese ha­ben die vielfach bestehende Annahme, daß die Kreiskom Missionen aus Vorsicht zu niedrig schätzten, widerlegt, da deren Schätzungen durch die Sachverständigen durchschnittlich als richtig, höchstens um wenige Zentner zu knapp bezeichnet worden sind. Es besteht hiernach zwar Hoffnung, daß im März bei Oeffnung der Mieten die Vorräte etwas größer sein werden, als jetzt angenommen wind, aber da die Haltbarkeit der Kartoffeln stets ztveifclhaft ist, inuß vorläufig vor­sichtigerweise mit den jetzigen Zahlen imter reichlichem Ansatz von Schwund Prozenten gerechnet Vierden.

Die ungünstige Ernte bedingt durchgreifende Maßregeln, um alle zu Speisezwecken geeignete Kartoffeln auch diesem Zweck zu- 'usühren. Dcslwlb ist oas Verfüttern zu anderen Zwecken brauch- t arer Kartoffeln schon seit dem 14. Oktober verboten worden. Die zur Spiritusgewinnnng bestimmte - Menge ist van 60 Millionen Zentnern, die ursprünglich in Aussicht genommen loaren, auf etwa 35 Millionen ermäßigt und die Hceresvernxlttung, für deren Zwerft der Kartoffelspiritus ausschließlich bestimmt ist, erwägt Kur Zeit die Möglichkeit einer nock> »veitercn Einschränkung des Brennens. ,

Auch der Speisekartoffelbedarf aus dem Inland für Hser und Flotte konnte, tzum Teil durch Einbeziehung der von unseren Truppen mit Karteffebr bestellten Felder im besetztest Gebiet, von 54 Millionen Zentnern auf 34 Millionen Zentner ermäßigt tverden. Endlich ist die ursprünglich in Aussicht genommene Trock­nung wesentlich herabgesetzt. Auf Bwtstrecknng init Trvckenkar- tosftln soll ganz verzichtet lveroen und die Fabriken sollen, mög­lichst unter Verwendung anbrüchiger Kartofftln, nur soviel Her­stellen, wie für die Heeresvenval tun g und einige unerläßliche technische Bedürfnisse uöttg ist.

Dagegen soll die Saat so reichlich bemessen tverden, wie es zur landesüblichen Bestellung im Frühjahr nötig ist, weil die knappe Saatl>emessnng in diesem Jahre wesentlich zur Beernttachtigung des Ernteergebnisses beigetragen hat.

Für die menschlick>e Ernährung bleiben hiernach für die Zeit vom 1. Oktober 1916, wo der Verbrauch' der Herbstkartoffeln begonnen hat, bis zum 20. Juli 1917, wo die neuen Kattoffelnr verfügbar sein werden, im ganzen 279 Millionen Zentner zur Verfügung. Bis zum 1. Januar 1917 sollen die bisherigen Ra­tionen beibehalten werden, dagegen mju s/wn da ab, um! auszau-' komwen, folgende Einteiknng Platz greifen: Schwerarbeiter nne bisher 2 Psiund, übrige versorgungsberechtigte Bevölkerung bis 3 /i Pfund pro Kopf und Tag. Selbstversorger erhalten vom 1. Januar 1917 bis l.MäW 1917 für sich und ihre Wirtschaft^- angehörigen je 1 Pfund, vom 1. M>ärz 1917 an den jetzigen Satz von 1-7, Pfund. Hierin sind beide, Selbstversorger und Schwerarbeiter, einbegriffen.

Diese knappe Bemessung der Kartoffelrativnm macht die all­gemeine Ergänzung durch Kohlrüben nötig.

Durch Anordnung des Reichskanzlers ist die deutsche Kohl­rübenernte beschlagnahmt.worden. Trotz der Veschlagnahnve dür­fen die Besitzer von Kohlrüben diese füsr die eigene ErnäHrUngj lveiter verwenden. Auch dürfen die Konttnunalverbände die in ihrem befindlichen Kohlrübenvorräte für Ernährnngs-

zwecke abgeben. Tierhalter, denen andere ausreichende Futtermittel nicht Mr Verfügung steheu, dürfen mit Genehmigtmg ihres Kom­munalverbandes ein Znieihundertstel ihrer Rübenvorräte weiter verfüttern, um die Viehbestände durchzllhalteu. Nötigenfalls sollen Landwirten, die nur Kohlrüben gebaut haben, vom Komm!unal- verband ,Runkelrüben als Ersatz geleistet werden. Die beschlag­nahmten Kohlrübenmengen weroen von der Reickskattoffel stelle cmfgekauft, um zumi Tell den JNdustriebeNrken und Städten als Ersatz für fehlende Kartoffeln zugefühtt, soweit sie hierfür nicht gebraucht werden, zur Trocknung 'gebracht zu werden.

Da die Kohlrübenernte im Deuffcheu Reicks als eine recht gute zu bezeichnen ist, so wird es auf diese Meise möglich sein,!r knappen Kartoffelrationen Zulagen in Kohlrüben z>u verabfolgen.) dabei ist zu bemettcn, daß die Kohlrübe ein hochtvdttiges, auch in! Friedenszeiten in vielen Gegenden beliebtes Nahttmgsmittel ist, das in ncannigfachster Weise zu Speisezwecken venvandt iverden kann. Ter Aufkauf der Kohlttiben soll durch dieselben Organe der ReichK. kartoffelstelle geschehen, die wtzst bereits zur Deckung des Wintern bedarfs der Städte und Industtiebezirke freihändig Kohlrüben er­werben. Um die Rüben den genannten Zwecken unter allen Um­ständen zuffkhrM zu können, ivird vorgeschtteben, daß, falls der Eigentümer die bei tfym gesetzlich beWägnahmten Mengen nicht freiwillig abgibt, enteignet ivird-: kommt es zur Gltteignung, so erhält er nur einen Uebernahmepreis von 1,50 M7. für den Zentner und trägt auch sämtliche Kosten des Enteigmmgsverfahrens.

Benöttat iverden voraussichtlich insgesamt etwa 80 Millionen Zenttrer Kohlrüben. Diese Menge reicht völlig aus, um nicht nur im Winter neben den Kattosfeln Zulagen in Kohlttiben zu geben, son­dern auch uni große Mengen zur Dauerware zu verarbeiten, die danir im komtncrtdw Frühjahr in Bedarfsfällen z?itt Verfügung a-- stellt werden soll.

Aur dem Rskche.

Universitäten und Zivildienstpflicht.

In eitler Konferenz der Rektoren aller de,ltsck>en Ulli- versitäten, die heute in Halle tagt, sollen lmtt Berliner Tageblatt" die Wittungen des ZivikHienstpflichtaesetzes auf die Universitätell besprochen werden.