Kr. 288
Ter «Siebener Anzeiger
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Erstes Blatt
lbb. Jahrgang
Vonnerttag, ?. Dezember M>
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sämtlich in Gießen.
Hauptauarlier, 6.Dezember.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Abgesehen von auch gestern zeitweilig stärkerem Artrl- lericrampf rm Sommegebiet keine besonderen Ereignisse.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Die Stellungen an der N a r a j o w k a lagen unter lebhaftem Feuer russischer Artillerie.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
In den Waldkarpathen griff der Russe nördlich ves Tnrtaren-Passes und viermal an der Ludowa an. Seine neuen Opfer an Menschen brachten ihm keinen Erfolg. Die Gefangeirenzahl aus den für uns günstigen Kämpfen am Werch-Debry erhöht sich auf 275 Mann, die Beute auf fünf Maschinengewehre und vier Minenwcrfer.
Im Trotosul-Tal wurde starker russischer Druck gegen die vorderste Linie in der vorbereiteten, unweit rückwärts gelegenen zweiten Stellung aufgefangen. Nördlich des Ojtoz-Passes gelang die Wegnahme eines russischen Stützpunktes bei geringem eigenen Verlust. Sechzig Gefangene blieben in ver Hand der deutschen Angreifer. .
Im Bazka-Tal. südöstlich des Beckens von Kez- tivasarhely, brachte ein von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ausgeführter Handstreich eilt beträchtliches Stück rumänischer Stellung mit zwei Offizieren, über achtzig Mann und viel dort aufgestapeltcr Munition in Miseren Besitz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die siegreich vordringende 9.Armee nähert sich kämpfe ndderBahnBu karrst — Ploesti — Cam- pina.
Unter der Einwirkung dieser Bewegung räumte der Gegner seine Stellungen nördlich von S i n a i a, das ihm abends von österreichisch-ungarischen Truppen nach Kampf genommen wurde.
Die Donau-Armee hat die auf dem Südufer des Argesul noch von den Rumänen besetzten Orte gesäubert. Sie ist im VordringenaufBukarest.
An der Donau sind russische Angriffe von Osten her zurückgeschlagen worden.
Die unter Oberst von Szivo in der südwestlichen Walachei den in Auflösung weichenden rumänischen Kräften folgenden österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen haben den Gegner am Alt zum Kampfe gestellt. Der Feind, dem auf dem Ostufer des Flusses der Weg verlegt ist, hat gestern 26 Offiziere, 1606 Mann an Gefange- nenund vierGe schütze eingebüht.
Außer diestr Zahl sind am 5.Dezember Wer 44 0 0 Rumänen gefangen genommen. An der Bahn, nordwestlich von Bukarest, fielen bedeutende Weizenvorrätc in unsere Hand, die von der englischen Regierung angekaust durch Schilder als solche gekennzeichnet waren.
An der Dobrndjcha-Front herrscht Ruhe.
Mazedonische Front.
In den Gefechten bei G r a d e s n i c a , östlich der Cerna, blieben bulgarische Regime n t e r S i e g e r n b e r d i e Serben, die anfangs in einen Teil der Stellung eingedrungenwaren. Weiter südlich find neue Kämpfe im Gange.
Der Erste Generalauartiermeister Luden darf f.
Die Abendstunde brachte uns noch die Kunde: zum 67. Geburtstage des Generalfeldmarschalls v. Mackensen ist die rumänische Hauptstadt von unseren Truppen genommen worden! Wenige Minuten später läuteten die Glocken, aber es war der regelmäßige Mittwochs-Gottesdienst, der die Gläubigen rief, nun aber bei den wenigen Wissenden eine ganz besondere Andacht tveckte. Zur selben Zeit wogte, wie uns heute der Draht mittetlt, in der Reich ^Hauptstadt ein ungeheurer Freudenstrom. Wohl uns, daß es so sein kann! Die Einschränkungen in Ernährung und Bequemlichkeit haben den: Volke die Fähigkeit n icht verdorben, die großen Geschehnisse der Zeit von der Höhe aus zu sehen und aus tiefstem Herzen mitzuempfinden. Es ist die dritte europäische Hauptstadt, in die unsere deutschen Truppen siegend ihren Einzug halten! Daß deutsche Kriegsglück wird wieder jung und frisch. Da grübeln wir nicht lange und rechnen nicht unseren Gewinn mit der Lust des vom Mammon Besessenen, nein, der deutsche Raine ist wieder mit einem so besonderen Klang an unser Ohr gedrungen, daß wir emporschnellen voll Jubel und Stolz. Dann richten wir den Blick auf unsere siegreichen Eroberer *— ja, diesmal kaim dieses Wort bedenkenlos ausgesprochen werden, denn es ist in Wahrheit eine Erobernngstat, die wir feiern dürfen auch mit sittlicher Gehobenheit über ein von Schakalen geführtes Volk — wie mögen sie jetzt nach heißen Tagesmärschen freudig am Ziele verweilen, Mick und Drang zu neuen Taten im Herzen!
Aber dann rechnen wir auch ein wenig, und es wird uns klar, daß das Ereignis eine Wendung in diesem großen Kriege gebracht hat. Wir finden diese ganze Skala der Empfindungen auch in dem Telegramm unseres Kaisers an feine Gemahlin. Da wird gesagt, daß wir uns „ans der Bahn zu einem vollen Siege" befinden. Und welches Erkennen könnte uns auf dieser Bahn hoffnungsvoller begleiten als dieses, daß unseren unvergleichlichen Truppen der Weg von „bewährter Führung" gewiesen wird? Es ist deutsche Strategie, die das Spiel glänzend gewann; österreichisch-ungarische und türkische Truppen haben kämpfend mitgeholfen.
Die Aehnlichkeit mit dem Vordringen auf die Weichselfestungen drängt sich uns auf. Auch dort wurde der Feind strategisch „hinausmarschiert", und es war Hindenburgischer Geist, der uns so den Gegner schlagen und die Fronten verkürzen ließ, unter Schonung der eigenen Kräfte. Wo die Feinde im Verlauf des Krieges einmal Erfolge errangen, waren plumpe Gewalt und Uebermacht die Ursache — mit alleiniger Ausnahme vielleicht des französischen Widerstandes an der Marne. Aber sie dachten, daß die physischen Kräfte unseres Volkes allgemach erschöpft seien, und so gründeten sie ihre Siegesprophezeiungen auf eine Art Naturnotwendigkeit, nicht auf soldatische und geistige Ueberlegenheit. Die deutsche Kriegführung hat es der Welt jetzt ausgedeckt, daß wir noch lange nicht am Ende sind und noch, ungestört von ihren „Entlastungsoffensiven", die Hühner rupfen können, die uns so dreist ins Gehege gekommen waren. Von all den frohen Stimmungen der Gegenwart — die Ereignisse in England und Griechenland kredenzten uns jeden Tag einen Becker voll Genugtuung — hat uns doch am innigsten und freudvollsten berührt die Nachricht von der Angstatmosphäre, .die sich auf Italien gelegt hat! Dort fürchtet man, wie italienische Zeitungen schreiben, für's kommende Frühjahr eine de u t sche Offensive! Schon ruft man die Verbündeten zur Mithilfe, zur Abwehr des deutschen Einbruches auf! Das Beispiel Rumäniens ist wie ein Schreckgespenst vor den römischen Kriegsmachern anfgestanden! Wie, wenn Hin- denburg nun auch do r t die Zuchtruse schwingen würde, freilich nur als Nebenwaffe, denn nur das wohlerwogene strategische Ziel könnte ihn locken. Das Schicksal meint es aber gut und gerecht. Wie fade und verzagt klingen die rednerischen Ausführungen des italienischen Ministerpräsidenten Boselli, die wir im vorliegenden Blatte wiedergeben, wie ängstlich und nkatt klingt seine Rechtfertigung der Kriegserklärung cm das Deutsche Reich! In der ganzen Rede steckt kein Körnchen frohen Mutes; es ist eine Abfindung mit einer Kette von Enttäuschungen und einer drohenden Folge von Unheil. 'Der Weltkrieg hat uns neue Tore -ausgestoßen, und die Zentralmächte haben neuen Mit gewonnen, sich hinauszuwagen. Wer aber „in des Schiffbrnchs Knirschen" zu zagen beginnt, das sagen uns die alten und die neuen Männer in England!
• a •
Der österreichisch-ungarische Tage-bericht.
Wien, 6. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. Dezember 1916.
Ereignisse; ur See.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember hat eines unserer Secflugzeuggestywader die militärischen Objekte von M o n f a l c o n e mit schweren Bomben erfolgreich belegt. Trotz heftigen Abwehrfeuers sind alle Seeflugzeuge unversehrt eingerückt.
Flottenkommando.
Abendbericht.
Berlin, 6. Dez., abends. (WTB. Amtlich.)
Bu k a r e st und P l o e st i sind genommen.
Wien, 6. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart.-
Bukarest und Ploesti sind genommen.
Bukarest genommen.
B e rl i n, 6. Dez. (WTB. Amtlich.) B u k a r e st ist gell o m m e n. Seine Majestät der Kaiser hat Allerhöchst aus diesem Anlaß in Preußen und Elsaß-Lothringen am 6. Dezember Salutschießen, Flaggen und Kirchengeläul an- geordnet.
Der Ausbau (der Festung Bukarest erfolgte in den Jahren 1893 bis 1895 nach den Planer! des belgischen GenermlZ! Brialmont. Sie hat 18 Forts und 18 Panzerbatterien mit einem 12 Kilometer weiten Gürtel, dessen Umfang etwa 71 Kilometer beträgt. Die Forts sind mit trockenen Gräben umgeben und mit zwei 21-Zentimeter-Haubitzen, drei bis vier 15-Zentimeter-Kanonen in Panzertürmen, sowie mit 5,7 Zentimeter-Kanonen zur Bestreichung der Gräben versehen. Die Werke zeigen die Gestalt eines flachen Dreiecks. Als Artilleriematerial zeigen sie zwei 21-Zentimeter-Hau- bitzen und eine 15-Zentimeter-Kanone, zum Teil auch 5,7- Zentimeter-Schnellfeuerkanonen in versenkbaren Türmen. Für die Festung waren außerdem vorgesehen eine Adenge anderer Geschütze, die nach Bedarf aufgestellt werden körmen und die vielleicht znm Teil bei der Mobilmachung zur Bildung der schweren Artillerie des Feldheeres herangezogen worden sind. Für den'Ausbau der Festung sollen, wie von feindlicher Seite gemeldet wurde, 60000 Zivilcrrbeiter herangezogen worden sein.
Wie ferner berichtet wird, beträgt die Gesamtzahl der seit Beginn des Krieges gemachten rumänischen Gefangenen rund 100 000 Mann.
*
Ein Telegramm des Kaiser».
Berlin, 6. Dez. (WTB. Amtl.) Se. Mas. der Kaiser hat an Ihre Majestät die Kaiserin folgendes Dele- g r a m m gerichtet:
An Ihre Majestät, die Kaiserin und Königin, Berlin.
B u k a r c st i st genommen! Welch, herrlicher, durch Gottes Gnaden erreichter Erfolg aus per Bahn zu einem vollen Siege! IN raschen Schlägen haben unsere lurvergleichlichen Truppen Seüe an Seite mit unseren tapferen Verbündeten den Feind geschlagen? wo er sich stellte; bewährte Führung totes ihnen den Weg. Gott helfe weiter! Wilhelm.
Die Wirkung der Nachricht vom Falle Bukarests in Berlin.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die Donau-Armee hat westlick) der Argesul-Mündung russische Angriffe abgeschlagen und südwestlich von Bukarest die Ortschaften am rechten Flußufer gesäubert. Die siegreich vordringcnden österreichisch-ungarischen und deutschen Kräfte des Generals von Falkenhayn nähern sich der von Bukarest über Ploesti nach Cambina führenden Bahn. Oesterreichisch-ungarische Truppen haben, in nördlicher Richtung vorstoßenb, den Feind bei S i n a i a geworfen und besetzten den Ort. Die Kampfgruppe des Obersten von Szivo erreichte, die in der westlichen Walachei abgeschnittenen rumänischen Truppen vor sich her treibend, den unteren Alt. Hier kam es zu neuen Gefechten, bei denen wir 26 Offiziere, 1600 Mann, vier Geschütze und drei Maschinengewehre ernbrachten.
Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Josef.
Im Bazka-Tal und nordwestlich von Soes Mezö wurden den Rumänen wichtige Stützpunkte entrissen, wobei sie 150 Mann, zwei Maschinengewehre und verschiedenes Kriegsgerät einbüßten. Nordwestlich von Sulla drückte uns ein starker russischer Angriff ans die einen Kilometer westlich angelegte zweite Linie zurück. Im Ludowa-Gebiet »nd nordwestlich des Tartaren-Passes scheiterten alle russischen Angriffe.
Am 3. ds. Mts. bewarf ein k. u. k. Flugzeuggeschwader das Barackenlager Ciungi mit Bomben und erzielte, ohne selbst Schaden zu leiden, mehrere Treffer.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisst.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts von Belang.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Berlin, 7. Tez. Sämtliche Blätter geben ihrer Freude über den Fall von Bukarest Ausdruck, der das glänzende Werk kröne, das unsere Truppen mit der Bezwingung der Walachei geleistet hätten. Heber die Aufnahme der Freudenbotschaft in Berlin sagt der „Lokal-Anzeiger": Ein Jubelsturm sei aus-gelöst
Iporden, der an die großer: Tage des August 1914 erirmert. Sich immer wiederholende Hochs auf den Kaiser, Hindenbnrg, Lrrden- dvrst urrd Mackensen erklangen. Tie Glocken läuteten und trugen die Jubelkmcde irr die entferntesten Häuser. Tie Hciuptcr entblößten sich. Helle frische Kinderstimmen sangen „Deutschland, Deutschland über alles!" Alles sang mit. Um 10 Uhr 30 Min. nickte aus Anordnung des Generalkommandos des Gardekorps die erste Batterie des ersten Gardc-Feldartillerie-Reginrents an und löste 60 Lchjuß. Es war ein großer Skbend, an dem wieder einmal der Stolz, ein Deutscher zu sein, zu beredtem rmd sichtbaren Ausdruck kam.
Dasselbe Blatt meint: Der rnilitärische Erfolg nnrd dresmül von dem politischen und moralischen auf das Glänzendste erhöht. Tie Hauptstadt des feindlichen Landes, der wichtige Mittelpunkt seines cm Ackerbau, Industrie und Bodenschätzen ergiebigsten Gebietes ifi in unsere Hand gefallen. Damit kann die völlige Niederwerfung Rumäniens als nahezu vollzogene Tatsache gelten. Rumänien ist erledigt. Ern frühes, unheimlich schnelles, wohlverdientes Schick- sal! Tie Urheber des rumänischen Zuscmrmieilbruches.sind jetzt zu Dienern der russischen und englischen Machthaber geworden.. Ohne Hauptstadt, ohne Ehre, ohne Witten, sind sie gründlich! vernichtet.
*
Zusammenkunft der beiden Kaiser.
W i e n, 6. Dez. (WTB.) KaiserKarl empfing gestern ftüh den General.-Artillerieinspekteur, Generaloberst Erz- Leopold Salvator in Audienz, hierauf den es Generalstabs Freiherrn v. Conrad zum Bortrag.
Herzog l Chef oes
uv /yvtTrofvvvii v- ^ v ii mv äi
Sodann fuhr der Kaiser in den Standort der ibeufj Obersten Heeresleitung, wo im Beisein des Fel-mcmschalls v. Conrad eine Besprechung mit Kaiser Wilhelm statt- fand, der auch Hindenbnrg beiwohnte. Ans der Fahrt um Großen Hauptquartier wurde Kaiser Karl in allen rten jubelnd begrübt. Nach der Rückkehr in den Standort des Armee-Oberkomm andos lvurde der- österreichische Ministerpräsident v.Körber in längerer Audienz empfangen.
Berlin, 6. Dezember. (WTB. Anttlich.) Se. Mai Kaiser! und König Carl stattete gestern in Begleitung des Feldnurrschaus Enherzogs Friedrich und des Chefs des Generalstabes, frelS


