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28.11.1916 Zweites Blatt
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Kr. 280 Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 9

Beilagen: ..Gietzener ^amilienblattec" und Nrtisblatt für den Ureis Sietzen".

lbö. Jahrgang

postfcheiklonto: Frankfurt am Main Nr. N686. Vankverkehr: Gewerbevan? Gießen.

'ȟMkT'iNirr

General-Anzeiger für Gberheffe»

Dienstag. 28. November M6

Zwillingsrunddruck und Verla .:

Brühl'scheUniversitäts-Bllch-ll.Steindruckereu

R. Lange, Gießen.

Schriflleltung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstrahe?. Geschäftsstelle ».Verlag:

Schriftlelnuig: 112.

Anschrift für Tra htiicichrichtem AnzeigerGteßen.

Uriegsbriefe aus dem Osten.

Von mrsrrem zum Oslhecr entsandten Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten..

Bei der Polenlcgion.

J&fc-' W 2 als ich an einem Front,

abschn^t vt den Rokttnofuinpfen. m Legionowo. beim Divisionsstab der Polcnlegwn weilte. Wre sehr viele Stäbe lag er im Waldqebict, irgendwo bmter tot Stellungen. Am Tage, als wir znn, Stabe e, ? t g e Seiten rittet deutschen Brigade 5 ^ ~ abend. Man sah in einer Bauernstube, die mit dem

ubltcheu Lannengrun Birkeichvlzleuchterii mid ein paar »einig» Geschicklichkeit vieler abzwingt, freundlich Iiennelig aussah. >zmmer em deutscher Herr und ein Legionär saßen m der Mrtte die beiden Brigadiers. Für uns waren es Waffenbruder, dre srch in den schweren Kämpfen im Styr-Bogen ^^rragene geschlagen hatten, die eng zusammen mit deutschen verbanden gelrtten, gestürmt und gesiegt hatten. Das tarn auch ssu dem Abend Zu sehr herzlichem, Ausdruck, wie es sich auch Ä r ru den Ersernen Kreuzen zeigte, die die Legionäre trugen. ^.s ist der der Polwlegwn eme bewegtere Stinimung als in an­deren Brigaden Ihre Sorge wäre es'jetzt mir, den Russen zu 1 2? wmfzehniahriaer meldete sich beim Ueberbringcn

mr^ Rapportes.Warum bist Du fortgegangeir von zu Hause?" Ich muh das Vaterland verteidigen!"Was sagten denn die Eltern? . "Bltter sagte : Gut, Junge!"Mutter?"Mutter

hat gewnnt ^as sind die Antworten ohne Zutat, und es ist nicht ^ur ore Geste; die Legion hat in manchen Kämpfen trotz starker Verluste weitergestürmt. Ich verrate kein Geheimnis nnt der Feststellung, daß die deutschen Arineeführer, denen die Legion un­terstellt war, ihre, besondere Zufriedenheit mit den soldatischen Leistungen der Legion bekundet haben.

Diese gemeinsamen Errirnerungen schwangen an jenenl Abend wit ^ann langen die Polen Lieder, die während dieses Krieges entstanden smd. Jedermann in der Legion singt sie, diese Lieder, die irgeiideuier ihrer Offiziere, der Dichter ist, zuerst an cinenr dieser Lageravende nt Legioiwwo singt. Sie sind ja alle jung, .alle schwärmerisch. '

Die erste Batterie steht am Styr Und schreibt dem Zaren, f Daß sie ihn nicht fürchtet.

Und schreibt mit eisenschwarzer Tinte

Daß sie ihn nicht fürchtet

Mit seinem ganzen Regimente nicht."

Ziemlich spät fährt man durch die Nacht nach Legionowo. Ein alter Kirchhof hebt seine schwere Silhouette vom golddurchwirkten dunkelblauen Nacht-Himmel. Das ist der Legionsfriedhof. Der pol­nische Generalstabsoffizier zeigt aut die Hügelkuppe, die einen d.Mer Torfkirchhöfe darstelU, wie, sie oft hier aus dem Sumpf sich heben. Verwachsene hohe Fichten unter denen Kränze schim­mern.Auch Deutsche liegen dort weben uns!" sagt der Offizier.

Am anderen Viorgen reiten wir in die Stellungen. Ehrenbe­zeugung, Haltung der Mannschaften sind, soweit Beurteilung durch lirchtmilitärisches Auge zulässig ist, stramm und gut. Viele sehr ilmge Leute, die Ordonnanz, die die Pferde hält, ist Student iu Krakau. Der Oberst eines Regimerrtes ist 27 Jahre. Als ihn die Russen in der Schlacht von Czarawyck fingen im Quartier, lag er schon am Boden faßte den Revolver, schoß vier Manu nieder, befreite seine paar Leute, schlug sich durch zu seinem Regiment und machte 150 Gefangene. Er bekam das österreichische Kreuz. Uebri- gens erzählt er nicht davon, man muß es zu erfahren suchen. Sein Bruder schlug sich aus Suwalki durch ganz Rußland durch und meldete sich bei der Legion. Er hat die österreichische goldene Tap- ferkeitsmedaille, weil er sein Maschinengewehr vor dem Hindernis ausbaute, als seine zwei Leute verwundet waren, allein weitcrschoß, so wirkungsvoll, daß die Russell an dieser Stelle ein paar Stunden sestgehalten wurden. Das ist Oberst I., Botaniker von Beruf, Fähn­rich I., Klaviervirtuose. womit es freilich vorbei ist; Finger

zerschossen uiid der jüngste Bruder, Legionär, hat eben das österreichische Signum Laudis bekommen, weil er bei einer feuern­den russischen Batterie, während ein Geschütz abschoß, dem andern das Verschluß stück fortnahm.

.Man hat einen starren Eindruck von der Art, wie man diese Geschichten erfährt; anders sieht man viele polnische Dinge in Legionowo, dem Waldlagerdvrf der Legion, anders in Warschau. Bei den jungen Polenlegionen gab es überhaupt keine Vermißte. Aber das starke uird eigentümliche Leben dort, die Tapferkeit und die Kameradschaftlichkeit, wollte ich nicht vergessen zu schildern. Alle deutsck^eu Truppen, mit denen ich darüber sprach, meinten auch, daß man sie nicht vergessen solle, oie Kameraden von der Polen­legion.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Bericht über die Laqe des Arbeitsmarttes

im Oktober J9J6

(Erstattet vom Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband.)

Frankfurt a. M., im November 1916.

Tie Lage des Arbeitsmarktes hat sich im allgemeinen im Vergleiche nrit dem Vormonat nicht wesentlich geändert. Das Angebot der männlich.en Berufsarbeiter war sehr gering. In Frage kommen fast nur junge Leute oder cklte, wenig ausge­bildete Arbeiter. Tie Nachifrage nach Taglöhnern und Schweizern in der Landwirtschaft war stark, die Aufträge komrten auch großen­teils erledigt werden. In der. Metallbranche wird der Mangel an geeigneten Arbeitskräften immer größer. Schmiede, Bau- schlosser, Spengler, Installateure, Elektro Monteure Waran überhaupt nicht zu beschaffen. .Cassel meldet, daß die Maschinenindustrie im Berichtsmonat iwch vollauf beschäftigt ivar, doch mangelt es auch hier wie überall an Schllossern, Drehern und Schmieden. Jur §>olz- und Baugewerbe wurden tüchtige Arbeitskräfte, wie Schreiner, Zimmerlelute, Maurer bei sehr hohen Löhnen gesucht. Die wenigen zu Gebote stehenden Arbeitskräfte konnten leicht in Stel­lung gebracht werden. Tie Nachfrage nach Arbeitskräften im Satt­ler- innd Tapezierer-iGewerbe war wieder lebhafter. Hauptsächlich wurden Sattler für Militär arbeiten verlangt. Auch hier wurde der Bedarf nur teilweise, nach Heranziehung der Kriegsbeschädigten und Lazarettinsassen, gedeckt. Für das Maler- und Weißbindergewerbe war etwas mehr Arbeitsgelegenheit vorhanden. Ter Bedarf konnte gedeckt werden. Dasselbe trifft auch im Küfer-, Glaser-, Rahmen­macher-, Wagner- und Tachdeckevgttverbe zu. Im Bikleidungs- und Reiniguugsgewerbe herrschte trotz, der einschränkenden Bundesrats­verordnungen Arbeitsmailgel. Ter regen Nachfrage nach Schneidern und Schuhmachern konnte kaum zu einem Drittel entsprochen wer­den. In der Zwil- und Uniformschneiderei war noch immer genü- gend Arbeit vorhanden, ebenso für Reparaturarbeiten für Unifor­men. In der Damenkonfektion war die Arbeit befriedigend. Mich im Friiseurgewerbe konnten keine Arbeitskräfte beschafft werden. Im Nahrungsmittelgewerbc wurde mangels an Facharbeitern viel nach ungelernten Hilfsarbeitern verlangt. Im Bäckergewerbe fehlte es l-auptsächlich an selbständigen Gehilfen. Im Üftaphrschen Ge­werbe war die Nachfrage nach Arbeitskräften ziemlich rege, aber auch hier konnte der Bedarf nur einigermaßen mit Kriegsmvaliden und.Lazarettinsassen mangels anderer Arbeitskräfte gedeckt werden. Im Gastwirtschaftsgewerbe wurde insbesondere besseres Personal, Oberkellner und Restaurantkellner, verlangt. Tie Arbeitsgelegen­heit für Aushilfskellner ist wesentlich zurückgegangen, da viele mitt­lere imb kleinere Geschäfte irur noch an Sonntagen Kellner beschäf­tigen. An Hilfspersonal, ivie Hausburschen, Silberpntzer usw. be­stand immer noch großer Mangel. Ter Internationale Verband der Köcbe teilt mit, daß die Nachfrage nach Köchen sehr gering war, während weiter ein Ueberangebot an ausgelernten Köchen Und älteren Küchenchefs vorlag. Erdarbeiter und Ungelernte bezw. Gelegenheitsarbeiter wurden stark äuge fordert. Besonders stark war die Vermittlungstätigkeit am Arbeitsamt Fraiikfnrt a. M. Bei den Jugendlichen ließ sich eine erfreuliche Steigerung der

Vermittlungstätigkeit feststellen. Viele Jugendliche konnten als Haus burschen in Hotels und Bäckereien sowie als Hillsarbeiter in Fabrikbet rieb eil usw. untergebracht toerden. Auf dem ,oeiblrck)cu Arbeitsmarkt machte sich besonders der starke Tieu,tbotenmangcl bemerkbar. Tie Versuche bespw. des Arbeitsamtes Frankfurt, dem Arbeitsmarkt Mädchen zuzuführen, blieben erfolglos, da bei 9br- fragen in Bauern, Kessen und Rheinland überall oer gleiche Mangel zutage trat. Für Wasch- und Putzftaueri bat ,ich die Lage etwas gebessert. In den .Hotelbetrieben war es wmter un­günstig. Ter Mangel an brauchbarem Personal mache sich iinnter mehr fühlbar. Durch den Mangel an männlichen Arbeitskräften wurde die Beschästtgimgsinöglichkeit in der gewerblichen ?ll>tciluug für Frauen imnrcc besser, ebenso bot sich für Näherinnen mehr Arbeitsgelegenheit. Dagegen war für ungeübte Heinrarbeitermnen wenig Beschäftigung da. Durch Einstellung von Frauen bei Be­hörden wie Militärdepot, Eisenbahnen usw.^ wurden weitere Be- schäfttgungsmöglichkeiten gesck-affm. Für kausniännische Angestellte war das Angebot besonders an weiblichen Arbeitskräften bei den einzelnen Arbeitsämtern groß. Trotz der ungünstigQi Verhältnisse, nameiitlich für weibliche Anfmigerinnen, ist der Aridrang zum kaufmännischen Beruf weiter sehr stark. Stellensuchcnde mit Fach- kenntnissen konnten in feste Stellungen gebracht werden, während Angestellte mit nur allgenreineii Kerrntnissen, sowie Reisende, schwer nnterzubringen roaren. Eine Entlastung bildeten die Ein­stellungen von Hilfsarbeftern bei den Städt. Aemtern.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberheffen.

Kz. Gießen, den 22. November 1916. Klagen des Ortsarmenverband-s Fr ankfurt a. M. gegen den O r t s a r me n v e r band Gießen roegcn Er­stattung von Unterstützungskosten für Beriihard Sünger, Elisabet he Weber und Otto Heinz

I ubile.

Fall Sünger. Sünger war aus seiner Dieiiststelle in Gießen ohne Urlaub verschwrurdcii, wurde 5 Tage später als geisteskrank in Frankfurt a. M. ausgegriffen und dort unter- stützungsbedürftig. Er wurde zuerst nt einer Anstalt in Frankfurt am Main und später in der Anstalt zu Köppern verpflegt. Wegei der nt letzterer Anstalt entstandenen höheren Verpflegungskosten kam es Zum Streit unter den Armenverbänden, da die Verlegung in eilte äußere Anstalt mit höher ent Pflegesatz nach! Ansicht des Orts­armenverbands Gießen nicht erforderlich gewesen wäre, und die staatliche Betriebskrankenkasse sich weigerte, den Mehrbetrag zu ersetzen. Ter Provmzialausichus: wies den KNger unter Verur­teilung in die Kosten des Verfahrens ab. Der Wert des Streit­gegenstandes tvurde auf 70 Mark festgesetzt.

Fall Weber. Die nicht infolge Ehescheidung, jedoch tat. sachlich von ihrem in Gießen beftndlichen Malm getrennt lebende E. Weber, geb. Hilberg, war von Gießen vor Jahren nach Frank­furt gezogen und dort schließlich infolge Krankheit hilfsbedürftig geworden, so daß ihr im Wege der offenen Armenpflege geholfeir werden mußte. Franffurt verlangte Ersatz von Gießen, das sich aber auf den Standpunkt stellte, das Arnrenamt Frankfurt habe infolge ungenauer Prüfling der Vermögens- und Einkomniens- verhältnisse Unterstützung gewährt, obwohl Frau Weber nicht länge vorher einige hundert Miark im Besitz gehabt habe, also nicht hilfsbedürftig im gesetzlichen Sinne gewesen sei. Tie Beweise aufnahme ergab jedoch, daß Frau Weber int Besitze vonein paar Mark" gewesen sei, als die Unterstützung einsetzte, daß jedoch, das Armenamt Frankfurt, soweit es die Verhältnisse ans- llärte Innd anflläreii konnte, die Notwendigkeit der HilfSbedürftigkei^t annehmen nrußte, auch, wenn Frau Weber, die Unterstützungs­wohnsitz in Gießen hatte, vorher noch Geld besaß, jedoch das er-, halteneAckergeld" bis auf einen geringen Rest verausgabt hatte. Der Provinzialausschuß erklärte daher die Klage für begründet unter Verurteilung des Beklagten iir die Kosten des Verfahrens. Ter Wert des Streitgegenstands betrug 79,40 Mark.

Skr hiram Maxim, der Erfinder des Maschinengewehres f-

Ter soeben verstorbene Sir Hiram Ma^im, als Erfinder des Maschinengewehrs und der Maxnn-^Schnellfeuer-Kanone ein Mann von Weltruf, war ein echter Amerikaner: aus lleinenl Anfängen hat er durch unermüdlich stvebende Wlllenskraft sich eine große Stellung errmigen; hatte er Erfolg, so wußte er ihn anfs äußerste auszunutzeii, und trat ein Fehl schlag ein, so ivandte er sich, sogleich einer neuen Erfindung zu. Tie bekannteste mtd gleichzeitig bedeutendste seiner Erfindungen, das Maschineug.Loehr, mag mit wenigen Worten abgetan werden: vor Maxim 'hatte man Gewehre und Geschütze gebaut, die die Aufgabe des Massenfeuers durch eine grüße Anzahl unbewegter oder drehbarer Läufe zu lösen trachteten aber keine erheblichen Erfolge erziehlten. Maxim trat 1881 nlit einer einläufigen Waffe hervor, bei der durch, dert Rück­stoß der Pütvergase, im Verein mit Federkraft, die Arbeit des Oesfnens, Ladens, Schitießens und Abfeuerns beimrkt wird. Das Maximsche Maschinengewehr, dessen gewaltige Bedeutung für deii Krieg heute über jedeil Zweifel erhaben ist, hat sich seltsameriveife erst allmählich durchgesetzt. Tie .Arbeitsweise dieses Maschinenge­lvehrs hat Maxim dann auf seine Schnellfeuerkanonen übertragen, die gegenwärtig bei verschiedeiten Flotten im Gebrauch sind. Wenig bekannt sind die Anfänge Maxims. Semen ersten Erfolg hatte er er im Jahre 1864 zu verzeichnen: damals ging er, beinahe ohne jegliche Geldmittel, durch die Straßen der Stadt Bosto.n,- zufällig kam er an den Laden einerautomatischen Gasgesellschaft," er ging hinein, bat um Arbeit und wurde als Zeichner angestellt. Bald war er mit dem Gebiete der Gasbeveitungsmaschline'i für Orte, die kein Gasleitungsnetz haben, vertraut und entwarf eine ganze Menge solcher Anlagen, namentlich für A. T. Stewart, einen der reichsten Amerikaner jener Zeit, der allenthalben große Luxus­hotels besaß. Damals aber kam gerade die Elektrizität auf; sie machte der Herrlichkeit des Leuchtgases ein Ende, und so wandte Maxim sich, ihr zu, bis er schließlich auf das Gebiet der Feuerwaffen kam, aus deni er seine größten Erfolge, nanrentlich hinsichtlich des Gewinnes, erzielen sollte. Es aibt noch eine ganze Reihe anderer Gebiete, ans denen der vielseitige Erfinder mit größerem oder geringerem Erfolg gearbeitet hat. Einer seiner Lieblingsge- danken ivar die Erfindung einer Flugntaschine, mit der er sich bereits in den achtziger Jahren beschäftigt hat. Ta man damals noch keine Motoren geringen Gewichtes kannte, konnte Maxim keine großen Erfolge erziehlen und sein Flugzeug, das er 1910 nach den alten Plänen, nur ßtatt der Dampfmaschine mit einem Motor ausgestattet, baute, kounte sich neben erfolgreicheren Erfindungen des Flugwesens nicht behaawten. Vmc einer anderen Erfindung Maxims, einer Maschine, die demsechsten Sinn" entsprechen sollte, war viel die Rede, aber mau 'hat bislang nichts davon gehört, daß mit ihrer Hilfe Schiffe mif See die Nähe von Eisbergen oder anderer Fahrhindernisse nxchrgeiwmmen hätten. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß Maxim gus einer gewissen Liebhaberei heraus für die Volksauflläruilg tätig war. So hat er vor nicht ganz zehn Jahren mit Lord Rvßlhn viele Tage hindurch ein öffent­liches Rvulettespiel duvchgeführt, um darzutuu, daß kein Spiel festem zum Erfolge führen könnte, und ebenfalls Zu Aufklärungszwecken hat er ein amerikanisches Medium entlarvt, indem er die Dame,

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die Blumen und sogar eine lebende Schlange duvchMateriali­sation" aus dem Nichts schuf, vor und imch der merkwürdigen Erscheiitung genau wog, wobei sich herausstellte, daß der Gewichts­unterschied genau der von Schlange und Blume zusammen war.

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Kaiser Franz Joseph und die Kunst. Haus 5tabsburg und die Kunst: seit den Tagen Dürers und Tizians gehören die beiden eng zusammen. Seit Mehr als vier Jahr­hunderten ist es die rühinliche Ueberlieferung dieses Geschlechtes, die Kunst zu lieben und zu fördern; und diese Ueberlieferimg hat Kaiser Franz Joseph tticht nur erhalten, sondern^ selbst glänzend erneuert. Er gehörte nicht zu jenen Fürsten, die so nebenbei und pflichtmäßigauch Kuustförderer" siuv die Kunst war ihm echte Herzenssache, Bedürfnis, Lebenselement. Und er durste von sich sagen:Auch ich bin Maler." Er besaß künstlerische Begabung. Sein Lehrer war der Historienmaler Johann Nepomuk Geiger, Und als der Erzherzog Franz Josef erst elf Jahre war, da hat er Zeichnungen über Tirol im Jahre 1809 angefertigt, die ein ge- ftindes Auge und eine begabte Hand unzweifelhaft verraten.. Später, damals war er bereits 16 Jahre alt, hat er Reiseer­innerungen aus Talmatren gezeichnet und selbst tithograplfiert: das sind Arbeiten jenes Uebergangsstadiums, wo die natürliche Be­gabung durch die Eilrflüsse von außen eher gehemntt, als ge­fördert wird und wo man fremde, zmveÄen schablonenhafte Züge entdeckt. Sozusagen als Künstler stand Frcmz Joseph damals an jenem Scheidewege, wo über Selbständigkeit und 9tachahmung die Entscheidung fällt. Nun, diese Entscheidung ist ihm ja erspart geblieben, denn er war zum Herrscher und nicht zum Künstler be­stimmt. Aber ein Stück Künstlertum 'hat Franz Joseph immer be- ixtUen. Es ist die übereinstimmende Meinung aller Künstler, die mit ihm gesprochien und verkehrt haben, daß der Kaiser ein echtes Kunstverständnis besaß. Wenn er wird das tat er pegel- mäßig die neueröffneten Kunstaustellungen besichtigte, dann pflegte er sehr genau zuzusehen und sein Urteil über die Kunst­werke in knappen Worten zusammenzrrf-crssen, die allemgl Hand und Fuß hatten. Er spürt's: so hat einmal ein Künstler das Verhältnis des Kaisers zu den Knnstwerkeii gekennzeichnet. Auch bariit bekundete sich eilte wahrhaft künstlerische und vornehme Aus- fassung, daß er, obgleich in seinen Kun stau sichten wohl gefestigt, dochl der Entwiktung uiid den einzelnen Individualität eil die größte Liberalität entgEnbrachte. Ja, ihir frerite es, wenn einer die Schablone Schablone fein li»ß und herzhaft grab auf die Dinge losging. Darum mochte er den kecken Viktor Tllgner leLen und übertrug ihm, als er noch! als ganz unaÄrdemisch in Verruf war, sein Bildnis; und als Tilgiter das Ohr des Kaisers, wie es, eben lvar, wiedergab, mtd Gvaf Julius Andrassb, der bei der Sitzung zugegen war, ein wenig Verschönerung des Gliedes an­empfahl, da erhob Franz Joseph Einspruch, und meinte:Nein, nein, lieber Tilgner, lassen Sie nur. das Ohr ist mir ganz recht, das ist endliche einmal mein Ohr." Derlei Zeugnisse liegen in Fülle vor. Als der Biüchauer Wxnard von Dofmairn sich cmtsckloß, den Kaiser weder barhäuptig nvch in dem bis znm lle&evbruffe Gieder- holteii Federhirte, sondern schlecht und recht in der Felduniform zu nwdellieren: da ivar das ganz nach! Franz Josephs Herzen, und ebenso stimmte er kräftig bei, als Angeli feinem Kollegen L'Allemand empfahl, den Kaiser auf einem seiner Baradediwer

nur hben schlicht alseinfacher Offizier" zu malen. Es ist treffend gesagt worden, daß Name mrd Regierungszeit Franz Josephs zu­gleich ein ganzes eigenes Kapital österreichischer und vor allen Dingen..Wiener Kunstgeschichte untfaßt. Denn er war nicht nur persönlich ein Kunstliebhaber und Kunstförderer, sondern er war darüber hinaus ein Kunstovganisator großen Stiles. Es bleibt sein dauerndes unschätzbares Verdienst, daß er die Notwendigkeit der Wiener Stadterweiterung erkannte und aller Widerstände unerachtet diesen großen Gedanken zur Tat machte, lind da eröffnet sich denn nun ein Feld großartiger Kunstaufgaben. Mit all den Monumentalbauten, die dies neue Wien schmücken mrd ihnr^ seinen Charakter aufprägen, mit der Oper und den Neuen Museen mit dem Burgtheater und deni Ausbau der Hofburg, mit der ^ Votivkirche und dem Sühnhause mit ihnen allen ist Kaiser Franz Joseph und sein Wirken unzertrennlich verbunden. Ein ganzes neues Geschlecht von Bildhauern, Bankünstlern und Malern wuchs an diesen Aufgaben heran, und mit welcher Freude und welcher Teilnahme hat Franz Joseph dies neue Leben be­obachtet und gefördert! Er war unermüdlich in Aufträgen, er kannte seine Künstler, folgte ihrem Schaffen, behielt jeden, mit dem er einmal in Verbindung getreten war, dauernd in der Erinnerung, und er wurde so, obgleich er auch auf diesem Gebiete jene be­scheidene Zurücklmltung übte, die dieser vornehmen Persönlichkeit Natur war, zu einem Mittelpunkte, dessen Wirkmrg sich nach allen Setien hin wohltuend aeltcud machte. So ging er durch Jahr­zehnte mit der Wiener Kunst mit, und selbst die Sezession hat cr noch besucht. Sezessionist freilich ist er darunr nicht mehr geioesen oder geworden; seinen entmal erworbenen Kunstanschaunngen ist er treu geblieben, aber die Freiheit der Kunst ist ihm, der, wie Heven bemerkte, die Ktmst einst den Beamten weggenonrmen und den lKünAern Wergeben hat, ein Glau den sautikel gewesen, an dem er stets festgehalten hat.

Nächtliche Ablösung vor vouchavesnes.

Ablösung zur Stelle! Nun marsch zurück!

gibt es Ruhe, hier lauert der Tod!

Ostwärts, der Heimat zu, winkt uns das Glück,

Der Frieden des Hauses, nach Schrecken und vcot.

Aufglüht der Himmel im Süden und Nord,

Im nahen Westen mäht die ScWacht.

Wir stolpern und 'tasten, stur, ohne Wort,

In gellendem Grauen zuckt die 9ftuht.

Verendete PfetS»e starren verschlammt.

Zerschmettert Wagen und Räder dabei:

In den jagendeil Wolken es blutrot flammt.

Schrill vast und droht der Granaten Schrei.

Nur kein Besiimen! Niir fort! Nur fort!

Hart hinter uns mordet und murrt die Schlacht Gespenstisch schnell, stur, ohne Wort,

Flieh'n wir, gehetzt, vor dem Grauen der Nacht.

Paul Graeber^