Nr. 262
Der Siehener Anzeiger erscheint täglich, außer SorrtttagS. - Beilagen:
Hießener KamtlienblSIter; KteisDlatl
für den Ureis Gießen, vezugzpreis:
monatl. 90 Bf.. Vierteljahr!. Mk. 2.65: durch Abhole- u. Zweigstellen nwnatl. 80 Pf.: durch die Post Mk. 2.45 viertel- lährl. ausschl. Bestellg. ^erusprech - dlnschliisse: furdieSchru'tleitung112 Verlag,^eschäitsstelleol Anschriit fl'irDrabtnach- richten: Anzeiger Hlehen.
Erstes Blatt
{66. Jahrgang
vtenstag. 7. November (W
Postscheckkonto: Zranfturt a.M. U68H
Bütlkverkehr: Gewerbebank Gießen
Swillingsrund-ruck ».Verlag: Brühl',che Umo.-Buch- u.5temdr»ckerei R.La»ge. Schriftleitung. Geschäftsstelle u.Druckerei. Schulftr.7.
/.nnalMe von Anz..^.
die Tagesnnnnuer l-iä zunrNochmiltag vorher. Zeilenpreis, f. Anzeigen: örtlich 20 Pf.. Vermietungen u. Stellengesuche 15Pf., auswärts 25 Pf., b. Plahvorschrist 30 Pf., Reklamen 75 Pi-, bei Plahvorschrift 90 Pf. Hauptschristleiter: Aug. Goeh. Verantwortlich für Politik u.Feuilleton: Aug. Goetz, Stadt und- Land. Vermischtes u.Ge- richtssaal: Fr. R. Zen,:. Anzeigenteil: H. Beck,
sämtlich in Gießen.
schwere
an kt Sone.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 6.November. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
In der Dauerschlacht an der Somme war der 5. November wieder ein Großkampftag er st er Ordnung! Engländer und Franzosen haben mit sehr be deuterchen Kräften und unter Einsatz der ganzen Feuerkraft ihrer Artillerie einen gewaltigen Stoß gegen die Front der Armee des Generals von Below geführt. Die unter dem Befehl der Generale Frev- h?rrn Marschall, von Deimling und von Garnier stehenden Truppen verschiedener deutscher Stämme halben uner- sch ü t t e r l i ch sta nd geh a l t e n u nd d e m F e i n d e i n e s ch wer e Ni ederlageve reitet. Teile des Straßburger Korps, des sächsischen und badischen Kontingents, Berliner und Hanseaten, sowie das Meininger Infanterie-Regiment haben sich besonders ausgezeichnet. Auf der ganzen, ^zwanzig Kilometer breiten Angriffsfront von Le Sars bis Bouchaves- n es haben die verbündeten Gegner größteblu- tige Verluste erlitten und, abgesehen von einem örtlichen Gewinn am Nordteile des St. Pierre Vaast-Waldes, nichts erreicht. Wo sonst der Feind bis in unsere Linien Vordringen konnte, wurde er sofort wieder hinausgeworfen und ließ 10 Offiziere. 310 Mann und Beute in unserer Hand. Nordöstlich von Le Sars wurden allein über 70 Gefangene und 11 Maschinengewehre eingebracht.
Bei Soissons wurde der Angriff einer schwachen französischen Abteilung abgeschlagen.
Heeresgruppe des Deutschen Kronprinzen.
Rechts der Maas und im Abschnitt von Hardau- mont heftige Artillerie- und Handgranatenkämpft.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Keine wesentlichen Ereignisse.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Die Kämpfe am Toelgyes-Abschnitt sowie zwischen der Altschanz- und Bodza-Paß-Straße dauerten ohne wesentliche Aeiwerung der Lage an. Südwestlich von Predeal nahmen wir die Höhe La Omu und machten südöstlich des Roten -Turm-Passes weitere Fortschritte. Beiderseits der Szurduk-Paß-Straße wurden rumänische Angriffe abgeschlagen. Wir nahmen an der Südfront über 450 Mann gefangen.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Erste Generalguartienneister / Ludendorff.
Erschütternd wirkt in dem gestrigen deutschen Tagesbericht Ludendorffs Mitteilung von dein neuen „Großkampftag erster -Ordnung" an der Somme! Der Krieg hat eine große Skala von Empfindungen des Schreckens und Grauens vor uns anfgetan, oft wurde gesagt, daß diese und jene Furchtbarkeit eines Schlachttages gar nicht mehr überboten werden könne, und dann würden wir doch! inne, daß die Härten des Krieges miteinander wetteifern und im Karpathenwinter so furchtbar waren wie in heißen Sturm- tagen an der Schützengrabenfront. Jetzt aber haben wir alle den Eindruck, daß blutiges Granen, wie es sich an einzelnen Tagen im Gebiet der Somme abgespielt hat, nicht mehr gesteigert werden kann. Zurückgekehrte Kämpfer und Verwundete erzählen es, -nicht in redseliger, prahlender Weise, sondern karg und grübelnd; man kann darüber nicht viele Worte machen. Und Ludendorff, der alle Berichte ans den Kämpfen mit den Russen kennt, läßt uns durch den Ausdruck lebhaftester Gemütsbelvegung erbeben: Großkampftag erster Ordnung? Da erstehen die Bilder tieftrauriger Vorgänge und Schicksale, die Fluten von Blut und Tränen. Und doch, unsere Oberste Heeresleitung frohlockt! Wir haben gesiegt, dem Feinde eine neue, schwere Niederlage auf einer Front von 20 Kilometern beigebracht! Ruhmgekrönte Truppenteile und ihre Führer werden genannt, und in die düsteren Vorstellungen von Schmerz und Trauer mischen sich die Gefühle von Füeude, Befreiung und Dankbarkeit. Auss neue wird das^ alte Wort bestätigt, das im Munde aller Feldgrauen ist: der Feind kommt nicht durch, nie. Und so steht .es im Osten auch. Bei der Verkündung der Entstehung des neuen .Königreichs Polen wird es uns mitgeteilt: die Berliner und die Wiener Regierung haben die feste Gewißheit, im -Osten den Sieg zu behalten; Brussilow, der einige Tage unser Schrecken war, hat mit seinen großen Offensivplanen ausgespielt.
Sind wir dem Frieden näher? Viele glauben es, flüstern es sich zw. Wir find ihm näher. Ob er aber in greifbarer Nähe, etwa an der Pforte des Jahres 1917, steht?' pßyrr wrssen es nicht. Vor einigen Tagen hatten wir auf Stimmen verwiesen, bic meinten, dir Feinde träten mit Frie- densgchanken darum nicht an uns heran, weil sie uns miß-
I trauten. Wir haben diese Ansichten abgelehnt, denn es ist der I Wille unserer Feinde, uns doch noch zu zerschmettern, der den Krieg weitpr hinausschleppt, nichts anderes. Die Glut dieses Willens wird freilich auch von Besorgnissen genährt, die man aber mit dem sanften Wort Mißtrauen schlecht charakterisiert. Mit Gedanken über deutsche Gefahren nach dem Frieden geben sich unsere Feinde nicht viel ab; sie trachten vielmehr danach, uns den Frieden zu diktieren, uns zur weiteren Erstarkung für die Zukunft nichts übrig zu lassen. In der mehrfach erwähnten deutsch-ungarischen Zeitschrift „Das junge Europa" beschäftigt sich Dr. Elenier Halmay mit der Frage, was wohl den Friedensschluß verzögere. Er antwortet ganz richtig: Die Furcht vor dem Frieden. Bei unseren Feinden nämlich. An die Spitze seiner Betrachtungen stellt Halmay die Feststellung, daß die Großmächte Deutschland, England und Rußland den Zeitpunkt des Friedensschlusses bestimmen würden:
„Hinter den durch wirtschaftliche Interessen gt tragenen weltpolitischen Zielen Deutschlands, Englands !und Rußlands verblassen die nationalen Motive, während sie bei Franzosen und Bulgaren im Revanchegedanken, bei den Italienern, Serben und Rumänen in der Jrredeuta, bei der Monarchie und der Türkei aber im Selbsterhaltungstrieb und im Willen zur Wa!>- rung der territorialen Jntegrüät gipfelnd, stets im Vordergrund waren und blieben. Ist diese Unterscheidung der Kriegsziele eins stichhaltige, entspricht es der Wahrheit, daß die nationalen Motive in diesem Kriege naturgemäß hinter die weltpolitischen gedrängt erscheinen, — ergibt sich logischerweise, daß die politisch richtige MertUng der militärischen Lage seitens Deutschlands, Englands und Rußlands, schließlich zu einer Lösung des schwierigsten aller Probleme, zum Kriegsende führen muß, denn die Interessen und Bestrebungen alter anderen Kriegführenden werden, genötigt durch den historischen Werdegang der Dinge und enthoben jedweder Gefühlspolitik, sich in erster Reihe den Erfolgen und Errungenschaften dieser drei Mächte anzupassen haben."
Die Wahrung der Alleinherrschaft zur See durch Nie derringung Deutschlands wäre also das weltpolitische Ziel Englands, der Besitz der Dardanellen das Rußlands, freie Entwicklung seines Welthandels durch eine ungestört unabhängige Seepolitik das Ziel Deutschlands. Und die Frage: Inwiefern erscheinen diese weltpolitischen Kriegsziele zur derzeitigen militärischen Lage gemessen erreicht? beantwortet Halmay mit folgenden Sätzen:
„England schuf sich sein Skagerrak; Hunderttansende von Quadratkilometern russischen Besitzes sind in Feindeshand, die Dardanellen hingegen in gesichertem türkischen Besitz; das in seine weltpolitischen Aufgaben hinein gewachsene D e u t s ch l a n d aber schlägt sich Dank seiner wunderbaren Ocko- nomie seiner Kräfte und dem Genie seiner Führer ans Kriegsschauplätzen über der Grde und unter dem Wasser, an der französisch- englischen Front, aus der russischen Front in Kurland, LithaueN und Wolhynien, ferner in Galizien und der Bukowina, weiter am Suezkanal, in Meinasien, Mesopotamien, Armenien, Persien, Griechisch-Mazedonien, in Siebenbürgen und der Dobrudscha. Das räumlich durch Tausende der Meilen Getrennte, vereint sich strategisch zu einer Alles umfassenden Geschlossenheit der Konzeption, — von Hindenburg zu Hindenburg."
Die Furcht der Feinde vor dem Frieden ist also erklärlich. Die Hoffnungen, daß sie ihre Ziele erreichen würden, sind geschwunden. Halmay schließt seinen Aufsatz wie folgt:
„So rnanche Zeichen machen sich bemerkbar, die auf ein Dämmern in den Hainen der Entente Hinweisen; einer Necwrientierung' feer Politik scheint man nunmehr nicht in Allem nicht überall absolut ablehnend gegenüberzustehen. Erkennen und Gestehen find -jedoch zweierlei Dinge, — des Kriegsendes größtes Hindernis ist in der Furcht unserer Feinde vor dem Frieden zu suchen'. Das Kriegsende kann nur durch eine Revision der Ententekriegs- ziele erfolgen, daher die Furcht der Führer vor dem Frieden; aber <ni : (Ö diese Furcht der Einzelnen tvird wohl der Erkenntnis der Massen weichen müssen; das Vorgaukeln von Kriegszielen, die' unerreichbar, der Gedanke an die whisch getränkte Politik des sehr ehrwürdigen Herrn Asquith, die im köstlichen Gedanken eine? Gefangennahme imd proz-esftiellen Aburteilung des deutschen Kaisers als Kriegsziel Und Kriegsende gipfelt, — dürfte im dritten Jahre des Weltkrieges denn doch nicht verfangen."
Sir Edward Grey hat aus Furcht vor dem Frieden die große Weltvölkerfamilie angerufen. Er wirbt offenbar um Mitglieder einer großen Konferenz, die dem zu schließenden Frieden den Schrecken und die Enttäuschung nehmen soll. Nun, auch die Neutralen werden mehr und mehr belehrt, und bei Frieüensschluß wird man die vorstehend skizzierten Ergebnisse des Weltkrieges doch wohl in erster Linie zugrunde legen müssen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. November 1916.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. HeeresfrontdcsGenerals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Die rumänischen Angriffe in der nördlichen Walachei stieben auch gestern völlig erfolglos. Mir gewannen südöstlich des Büros—Torony (Roten Turm)-Paffes Raum und nah men den Berg La Omu. Im Bodzür-Gvenzgebiet und bei Bokas und Toelgyes wird gekämpft. Oestllch von Kirlibabo bemächtigten sich Abteilungen des tapferen Theresienstädter Infanterie-Regiments Nr. 42 und andere Truppenteile in überraschendem Vorstoß der Höhe Sedul. wobei 100 gefangene Russen und ein Mlnenwerfer eingebrachl wurden.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nichts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Küstenlande hat die Angriffstätigkeit der Italiener bedeutend nachgelassen. Dem Masseneinsatz der Infanterie entsprechend waren ihre Verluste in den letzten Tagen außerordentlich schwer. Gestern war das Artilleriefeuer nur bei Blglm, Hudi Log und westlich Jamniano lebhafter. Bei Drglm wurde vorgehende feindliche Infanterie durch Feuer abgewresen. -
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
Die fünfte österreichische Kriegsanleihe.
Wien, o. Nov. (WTB.) Nach einer Meldung des.„Fremdenblattes" hat gestern unter dem Vorsitz des Gouverneurs des Po > t sparkassenamtes I Freiherr vou Schuster eine Gesamtsitzung des Konsortiums für staats finanzielle Transaktionen in Österreich stattgefunden, in welcher über die Emission einer fünften österreichischen Kriegsanleihe beraten wurde.
Der „größte KriegHrat" der Entente.
Rotterdam, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) „Ddaas- bod-e" veröffentlicht ein Telegramm der „Central News" aus London, wonach man vor einigen Tagen mit Verhandlungen zwischen Paris, London, Petersburg mib Rom begonnen habe, um eine große Zusammenkunft der Generalstäbe der Alliierten in Paris zu veranstalten. Es bestehe Aussicht auf Verwirklichung des Planes. Me Versammlung wird der größte Kriegs- r a t sein, den die Alliierten bisher abgehalten haben.
Ein Tagesbefehl des Königs von Rumänien.
Stockholm, 4. Nov. Der König von Rumänien richtete an das gesamte Heer folgenden Tagesbefehl:
„Nach! siebenwöchiger Kriegsdauer beginnt jetzt ein heftiger Kampf um die Verteidigung der eigenen Erde gegen die angreis enden Feinde. Ich erwarte von Euch, daß Ihr mit äußerster Pflichterfüllung mit dem lebten .Blutstropfen Euer Land verteidigt, das eine so schwere Zeit durchlebt. Ein Rückzug ist ein Ver brechen."
Aus Griechenland.
London, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Mor- ning Post" meldet aus Athen: Zehn Offiziere des Trikala-Regiments, die über Land nach Saloniki reisten, wurdet: von Truppenabteilungen, die vom griechischen Hauptquartier in Larissa aus geschickt waren, verfolgt, bei Kozani aufgegrisfen, unter starker Bedeckung nach Kalabaka zurückgebracht und ins Gefängnis gesetzt. Zwölf andere Offiziere seien, als sie sich im Piräus nach Saloniki einschifften, ins Gefängnis von Athen gebracht worden. Die Internierung im Offiziersgefängnis wurde ihnen verweigert. Auch viele Soldaten aus Athen seien in Patras und anderen Orten gefangen genommen worden, weil sie versuchten, nach Saloniki abzureisen. Das königliche Dekret vom Montags durch welches alle Offiziere der See- und Landmacht, die sich Venizelos anschlossen, vorläufig aus dem Offizierskorps entfernt würden, um später vor einem Kriegsgericht abgeurteilt zu werden, sei eine unbestreitbare Tatsache.
Bern, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Corriere della Sera weiß aus Athen zu melden, die Regierung habe nach Schluß des Kronrates erklärt, wegen Einhaltung der Neutralität nicht einwilligen zu können, die Torpedoboote dem Admiral Fournet zu überlassen. Der Admiral könne sich jedoch ihrer unter französischer Flagge und mit französischer Besatzung nach Bedarf bedienen.
B ern, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Denr „Petit Journal" zufolge erörterte die provisorische Regierung in S a lo - niki die Möglichkeit einer Bewaffnung der' griechischen Dampfer im Jnselverkehr. Ferner ist beschlossen worden, in Saloniki und Kcrnea einen Gerichtshof einzusetzen.
Paris, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. General R o g u e s ist in Saloniki eingetroffen.
*
Der türkische Bericht.
Konftantinvpel, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Generalstabs vom 6. Nvvenüber:
An der Kaukasus-Front fanden für uns giiuftigc Schar* mützel statt.
vom amerikanischen rvahlseldzug.
New Uork, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Adeldnng des Reuterschen Bureaus. Wilson sprach gestern in Long Brauch und verurteilte es, daß bei dieser Wahlkampagne die ausländische Politik durch Männer zur Sprache gebracht


