die SsldankmMe
ikt bis anf weiteres aeSftnet: 7S72V
Diemtag nachmittags von 2-4 Uhr 5amstag vormittags von \ 0 -\ 2'/ 2 Uhr
Der Ehrenausfchutz der Goldankaufstette:
vr. Usinaer.
Aur Stadt And Land.
Gießen, 4. November 1916.
Tonnlagsgedankerr.
Das evangelische Deutschland feiert sein Refonnatwns- sest. Nah beieinander liegen die beiden Gedenktage: der 31. Oktober und der 10. November, der Tag des Thesen- anschlags an der Schloßkirche in Wittenberg und der Geburtstag Martin Luthers. Zweimal, in kurzer Zeit, werden wir mit unfern Gedanken in jene große Vergangenheit deutscher Geschichte zurückgerusen. Sie sieht so ganz anders aus ftf'3 die Zeit, die nur erleben. Nur in Einem gewiß reicht das 16. dem 20. Jahrhundert über die Zeitenspanne hinweg die frarÄ: damals wie heute stand Deutschland im Mittelpunkt der Weltgeschichte, alle Volker Europas von dem deutschen Gedanken erreicht und erregt, alle in ihrem politischen Handeln durch das bestimmt, was in deutschem Ge- ü.iit erlebt und erstrebt wurde, durch deutsche, friedliche ^^edanbentat einem wilden Kriegssturrn bloßgestellt. Aber anders allerdings sehen die Kräfte und die Ziele aus, die daurals und heute von Deutschland aus die Welt erregen, freute steht pnser Vaterland im Kampf ums Dasein und Eigenleben. Es führt den Kampf mit dem Schwergewicht seines Reichs, das ganze Volk einig mit seinem'Kaiser. Damals war es ein einzelner deutscher Mann, der sich um seinen Glauben wehrte, der schüchtern erst, ein Mönch aus >sirrer Zelle trat, und daun zum Riesen wuchs, der alle Teufel herauszufordern sich vermaß, und nach dem alte T-irsten der Erde fragten. Heute geht es, wie wir alle an '.urseoem Leibe spüren, um wirtschaftliche Weltfraaen, das nt. das deutschen Kindern der Zukunft in aller Welt wachsen und sie ernähren soll. Damals waren es ganz neuerliche 'Kragen des Glaubens und Gewissens', die die Se-ele des tv-eltunkundigen Wittenbergers erregten und die er wie T- erblichen Zündstoff in das Gemüt seines Volkes zu schleudern wußte. Und, um auch das Letzte noch Au sagen: abwärts führten damals die Wege deutscher Geschichte, und kein Zweifel, Luther war an bem schweren, politischen und unrtschaftlichen Medergang mit beteiligt; austvärts, so glauben und hoffen wir unentwegt, geht heute die Bahn; der luer Reich mit Blut und Eisen schuf, hat ihm einen Grund gelegt, der auch diesen Weltensturm überdauern wird.
Unvergleichlich scheinbar sind die Zeiten. Mögen sie es ' in Zu einander gehören sie doch. Man kann deutsche Ge- < 'd)te in der Neuzeit nicht willkürlich auseinanderreißen. Krone und Stamm lassen von ihrer Wurzel nicht: >as neue Deutsche Reich gerade durch Bismarcks trotzigen Glauben hindurch hängt unlöslich an der Seele des Mannes, der in Worms und auf der Wart- urg, in Wittenberg und auf der Coburg .seine deistesschlachten schlug, er allein wider eine Welt. „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts in der Welt." Man weiß, daß dies geflügelte Bismarckwort sich schon bei Ernst Moritz rndt ausgesprochen findet. Sein großer und tiefer Sinn ist aber ganz eigentlich Luthers Glaube, Ziel und Inhalt eines Lebens. „So soll ein Kriegsmann tun: vor Gott soll er verzagt, furchtsam und demütig sein . . . wider die Menschen soll man keck, frei und trotzig sein, als die doch Unrecht haben, und also mit trotzigem getrostem Mut sie schlagen." Denn „das gefällt Gott wohl, dast man sich vor Menschen und Teufel nicht fürchte, keck und trotzig, mutig und steif wider sie sti". Wie wir das brauchen, in unseren Tagen! Aber wer beides vereint gewiß, Gottesfurcht und Welttrotz, kann uns bindurchsühren durch die Schrecken draußen und die Nöte daheim. Denn das ist das Wundervolle an diesem deutschen ('ilcmbenshelden, Laß, während sein Haupt, grübelnd in Gortesgedanken, in den Himmel ragt, sein Sinn dennoch, in starker Liebe zu seinem Volk und Land, fest auf diese Erde gerichtet scheint, all ihrer Not sich bewußt, zu allem Kampf, den sie fordert, immer bereit. Aber nicht zwei Seelen wohnen so, in ewigem Widerstreit, in seiner Brust. Sein Glaube ist Seete und Kraft seiner Liebe, seiner Erden kämpfe. Wer chn so versteht, den kann es nicht wund-ernehmen, daß sein
kräftiger Kampfgesang über alle fern
hinweg uns fast zum deutschen Bolksli feste Burg ist unser Gott,
iorrellen Schranken
^ .. . „ geworden ist:
Ern
Ein' gute Wehr und Waffen Und wenn die Welt voll Teufel war . -. .
Es soll uns doch gelingen.
L. U. Kun stgeschi chtliche Vorlesung en in der Universität. Um ein Zusammenfällen mit anderen wichtigen Vorlesungen zu vermeiden, wird .Herr Prof. Hamann anr Dienstag von 6—7 Uhr über Italienische F rühre na iss an ce lesen (statt Donnerstags), am Donnerstag von 6—7 Uhr über hessische Kunststätten, am Donnerstag von 7—8 Uhr über Einführung in die griechische Vasen- und Wandmalerei. Die Hebungen über Renaissance finden Dienstag von 7—8 Uhr statt. Die Vorlesungen beginnen Dienstag, der: 7. Novenrber. .. ber Üctnb es uniö erfttöt. Der Universitäts-
bleuer Schadet begeht heute sein 40jähriges Dienstjubiläum.
* - o) 1 § ^ n 1111 ß- Tein Oberleutnant und Batterieiührer
mt Fug-Art.-Regt. 9, Hugo Prätorius ans Gießen wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. — Dem ■btomer Friedrich Jung, Sohn des Ludwig Jung XU., Wagner, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde die Hess. Tapfer- keitsmedaile verliehen, er steht seit Itz, Jahren im Felde.
** I ungweh r. Sonntag, 5. November: Hebung gegen Jungwehr Lich. Antreten: 2 Uhr, Bahnhof.
, t ?berh essischer Kunstverein. Tie neue Ausstellung hat schon tu den ersten Tagen, durch den sehr guten Besuch bewiesen, daß das Interesse für bildende Kunst trotz des .Krieges' noch vorhanden ist. Zeigt doch auch die diesmalige Ausstellung erne Fülle von Kunstwerken, welche den Besuch der Ausstellung wrrklrch lohnen. Da nun in nächster Zeit namhafte Künstler und Künstlervereinigungen die Beschickung unserer Ausstellungen z-u- gesagt haben, so wäre es wünscl-enswett, daß auch das Berkauf sresultat nach jeder^ Ajusstellung ein günstiges wäre. Da leider noch viele die Kunst lediglich für einen entbehrlichen. Schmuck des Lebens ansehen, gehören die Künstler in erster Linie zu denen, die unter dem Druck der heutigen Zeit besonders zu leiden haben. Daher ist es die Pflicht alle,- wirklich (gebildeten,> Hüter dessen zu sein, ums in Zeiten des Friedens dem Leben Wert verleiht. Möge hei vielen Besuchern der dkusstellung der Gedanke auftauchcn, haß die ausgestellten Bilder nicht allein zu besehen, sondern auch zu kaufen sind, dann helfen sie mit von den Türen der Künstler die Sorge fern halten, denn zum freien Schassen gehört klarer Blick intb Ruhe. Die Ausstellung des Kunftvereins ist täglich mit Ausnahme Samstags geöffnet.
** Ein Fuchs in der Westanlage. Ganz überrascht war das kaufmännische Personal vor einigen Tagen, als man am Morgen beim Oeffnen des Speichers einer Firma an der West- anlage auf den Tonnen munter und vergnügt einen 'Fuchs herumspringen fand. Schnell wurde die Türe des Raumes wieder geschlossen und ein in Dingen der Jagd erfahrener Mann vom Seltersweg zur Stelle gerufen. Auf Befragen, wer eigentlich im vorliegenden Fall der su^'-berechtigte Eigentümer des Tieres sein würde, erklärte der Nimrod, daß nach seiner Ansicht der Eigentümer des Speichers mich über den Reinecke verfügen könne, wenn er erlegt sein würde. Eilt wach dieser Versicherung gab der Prokurist der Firma die Erlaubnis — Jagd auf das Raubzeug zu Urachen. Ohne einen Schuß abzugebcn, wurde der Fuchs von dem herbeigeholten Terrier des Jägers abgcwürgt und kunstgerecht zur Strecke gebracht. Halali!
Landkreis Gießen.
**Großen-Linden, 4. Nov Dem Unteroffizier Ludwia Lu h von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Er war seit Ausbruch des Krieaes beim aktiven Jnfanierie-Regiment 116 und spater beim Ins-Ngt. 186. Luh rückte mit seinem Bruder, der im September 1914 an der Marne fiel, ins Feld und wurde selb'! am 4. Okt. d. I. schwer verwundet. Die Hessische TapserkeUsmedaille wurde ihm schon früher verliehen.
** H o l z h e i m . 4. Nov. Ter Kriegsfreiwillige Unteroffizier und Offistersaspirant Albert Weinberg, Sohn des Kaufmanns Di. Weinberg aiis Holzbeim, der seit dem 16 Sept. vermißt war. hat heilte seinen Angehörigen mitgeleilt, daß es ihm in russischer Gefangenschaft sehr gut ginge.
,** 50? litt ft er, 3. Nov. Wegen seiner Verdienste auf dem Gelnet der Kriegsfürsorge wurde Pfarrer A h l h e i m das Ktckegs- ehrenzeichen am rot-weißen Bande verliehen. Dieselbe Auszeich- tmng erhielt der Großh. Bürgermeister G o n t r u m, der mit großer Treue seine oft schweren Pflichten erfüllt. Seine beiden Söhne stehen im Westen. Der Aelteste ha tsich die Hessische Tapferkeitsmedaille erworben.
Wa. Ovenhausen, Rabenau, 3. Nov. Heute morgen erhielt die Frau Heinrich Körb äche r die traurige Nachricht, daß ihr Nbann durch Kopfschuß den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Körbächer zog bei Ausbruch des Krieges als Landivehrmann hinaus und stand 'ununterbrock,len in der 5. Konrp. Inf.-Regt. 116 (Kaiser Wilhelm). Er war als strebsamer pflichttreuer Mann, wie im bürgerlichen Leber: so auch! als Soldat bekannt und wurde auch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er hrnterläßt die alten Eltern, Frau und drei Kinder. Unser kleines Dörfchen hat bis jetzt 10 Tote, 2 Bernrißbe und 2 in russische Gefangenschaft zu beklagen.
•• Staufenberg, 4. Nov. Zum OlstzierSaspiranten befördert wurde der Unteroffizier Heinr. Stephan von hier.
** Utphe, 4. Nov, Dem Musketier Gustav Weber hier wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Er dient im Jns.-Regt. Nr. 224.
Kreis Büdingen.
§ Blofeld, 3. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Hermann S ch w a r z h a u p t bei einer Maschinengewehr-Abteilung, das Kriegsehrenzeichen Bürgermeister Reinhold Schäfer.
# Dauernhelm, 3 Nov. Das Kriegsehrenzeichen erhielt der Bürgermeisterstellvertreter Gemeinderat Schmidt und Pfarrer K o r e l l.
4k Kefenrod, 3. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Heinrich F a u st.
4ß Ortenberg, 3. Nov. Das Krieqsehrenzeichen erhielt der Gerichtsdiener Bremmer, Wachtmeister m einer Ersatzbatterie, das Eiserne Kreuz der Batnillonsschreiber Unteroffizier Wendel.
X Ortenberg, 4. Nov. Bürgermeister Hebbel wurde, wie alle Bürgermeister des Kreises Büdingen, mit dem Kriegs- Ehrenzeichen ausgezeichnet. Dieselbe Auszeichnung erhielten alle Vorsitzenden der Ortshilfsausschüsse der einzelnen Gemeinden des Kreises.
X Selters. 4. Nov. Pfarrer Hoch erhielt wegen seiner segensreichen Tätigkeit auf dem Gebiete des Roten Kreuzes und der Kriegsfürsorge das Hessische Kriegs-Ehrenzeichen.
4k Selters, 3. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite August Ulrich.
Kreis Alsfeld.
— Alsfeld, 3. November. Infolge der zahlreichen fahrlässigen Brandstiftungen durch Tuba krauchen usw. verbot das Kreisanrt das Tabakrauchen in jeder Form, sowie das Anzünden von Streichhölzern und sonstigen Feuerzeugen auf sämtlichen Dreschplätzen, auch, während der Dreschpause, im ganzen Kreisb eveich. Zuwiderhandlungen sollen mit empfindlichen Strafen geahndet werden.
Kreis Lauterbach.
2 . Crainfeld, 4. Nov. Dem Bäckermeister Nu hl hier starben den Heldentod fürs Vaterland zuerst der Schwiegersohn, daun der eigene Sohn und vor einiger Zeit der Bräutigam der Tochter.
Starkenburg und Nheinhessen.
= Osfenbach, 3. Nov. Der bisherige Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern, Regierungsrat Gustav S p a m e r , wurde zum Kreisrat des Kreises Offenbach ernannt. Der bis^rige Kreisamtmann, Regierungsrat Kirnberger, wurde als Hilfsarbeiter ins Ministerium des Innern berufen und Regrerungs- assessor Stimmet- Offenbach zum Kreisamtmann des hiesigen Kreises ernannt.
— Wörrstadt (Rheinhessen), 3. Nov. Auf einer zwei- tägigen Jagd in der hiesigen Gegend erbeuteten die aus Westfalen kommenden Jagdpächler 1300 Hasen, ein für dieses Jahr recht gutes Ergebnis.
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Georg Friedrich Seipp
von Dorf-Güll wegen Milchsälschung hat das Großherzogl Schöffengericht in Lich am 18. Oktober 1916 für Recht erkannt: Der Angeklagte Milchhändler Georg Friedrich Seipp in Dorf-Güll, geboren am 20 Dez. 1863 zu Ettingshausen, ist des Vergehens gegen 8 10 des Nahrungsmittelgesetzes schuldig und wird demgemäß in eine Gefängnisstrafe von einem Monat sowie in die Kosten des Verfahrens verurteilt.
Das Urteil ist rechts-
Lich, den 3. Nov. 1916. Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts.
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