Ausgabe 
25.10.1916 Erstes Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Kr. 251

Ter Siebener »nzeißer

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen:

SietzenerZamiliendlätler;

Kreisbloit

Wt tzen Kreir Sieben. Vezugrpreis:

monatl. 90 Pf.. Viertel­jahr!. Mk. 2.65: durch Abhole« u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch diePost Mk. 2.45 viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Fernsprech - Anschlüße: fürdieSchriitleiti»ng112 Verlag,Gcschäitsstelleol Anschriit für Drahtnach­richten: Anzeiger Sieben.

Erster via«

166. Jahrgang

Postscheckkonto: Frankfurt a.M. N686

General-Anzeiger

Zwillingsrunddruck u. Verlag: vrühl'sche Unio.-Buch- u. Steindruckerei 8. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei- Schulstr. 7

Mittwoch. 25 . ©Höbet 191«

. ul.abme von Anzr,^. '.die Tagesnummer bis ?.imc Nachmittag vorher. Äeilcnpreis, i. Anzeigen: örtlich 20 M., Ver­mietungen u. Stellenge­suche 15 Pf., auswärts 25 Pf., b. Platzvorschrift 30 Ps., Reklamen 75 Pf., bei Platzvorschrift 90 Pf. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Ang. Goetz, Stadt und Land, Vermischt es u.Ge- richtsjaal: Fr. R. Zenz. Ailzeigenteil: H. Beck,

vankverkehr: Gewerbebank Gietzen

( 'A f r i

predeal, Medgidin und Ra Sir Edward Grey über

TOJ Großes Hanptyuartier, 24.Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Wie der 22. Oktober war auch der 23. ein Schlachttag von höchster Krastentfaltung. .

Um den Durchbruch um jeden Preis zu erringen. setzten Engländer und Franzosen ihre mit starken Kräften geführten Angriffe fort-, sie holten sich trotz ihres Masseneinsatzes nörd­lich der S o m me eine schwere b l u t i g e N i ed e r l a g e. Nach Meldung von der Front liegen vornehmlich westlich

von Le Transloy ganze Reihen von Toten über­einander. Die Haltung unserer Truppen war über alles Lob erhaben. w . rjr ^ .

Besonders zeichneten sich das brandenburgffche Infan­terie-Regiment Nr. 64. das braunschweigische Rcscrve-Jnfan- terie-Regiment Nr. 92. das rheinische Infanterie-Regiment 9tr. 29 und die bayerischen Infanterie-Regimenter Nr. 1 und

^ der Somme kam ein sich vorbereitender Vor­

stoß im Abschnitt AblaincourtChaulnes in unserem Ver­nichtungsfeuer nicht zur Entwickelung.

Heeresgruppe des Deutschen Kronprinzen.

Seine Angriffe an der Somme wollte der Gegner durch Angriffe bei Verdun unterstützen. Unsere Stellungen aus dem Ostufer der Maas lagen unter kräftigem Artillerre- fcuer. Die feindliche Infanterie ist unter unserer starken Artilleriewirknng in ihren Gräben niedcrgchalten worden; die Angriffsversuche sind damit vereitelt.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Vom Meere bis zu den Waldkarpathen keine größeren Ereignisse.

Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Südlich von Kro nstad t (Brafso) ist gestern von deut­schen und österreichisch-ungarischen Truppen in erbittertem Kampfe Predeal genommen worden; sechshundert Ge­fangene wurden eingcbracht. ^ .. Ä ... .

Am Sndausgang des Roten-Turm-Passes ist ln den letzten Tagen starker rumänischer Widerstand gebrochen worden.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Jp scharfer Verfolgung des vor dem rechten Armee­flügel in Auflösung weichenden Gegners hat Kavallerie der Verbündeten die Gegend vonCaramurat erreicht.

M e d g i d i n und Rasova sind nach heftigem Kampfe g e n o m m e n. Die Gesamtbeute, einschließlich der am 21.10. gemeldeten beträgt 7 5 Offiziere. 6 6 9 3 M ann, eine Fahne. 52 Maschinengewehre. 12 Geschütze, ein Minenwerfer.

Die blutigen Verluste der Rumänen und der eiligst herangeführten russischen Verftärkiingen s i n d s ch w e r. Die Festung Bukarest ist erneut mit Bomben beworfen worden.

Mazedonische Front.

Nichts Neues. . ,

Der erste Generalguarttermeister

Ludendorff.

*

Berlin. 24. Okt. (WTB. Amtlich) Eines unserer Marineflugzeuge belegte am 23. Oktober vormittags Hafen­anlagen und Bahnhof von Margate an der Themsemündung mit Bomben. , ^ a

Am Nachmittag des gleichen Tages wurde an der flan­drischen Küste Wer See ein feindliches Flugzeuggeschwader, bestehend aus drei Flugbooten und zwei Landkampfslng- zeugen. von zwei deutschen Seeflugzeugen angegriffen und nach erbittertem Luftgefecht in die Flucht geschlagen. Im Laufe des Gefechts wurde ein feindliches Flugboot ab geschossen. Der Flugmeister Meyer (Karl) hat damit sein viertes feindliches Flugzeug vom Seeflugzeug aus im Luftkampf vernichtet.

Nach einiger Zeit kamen die feindlichen Flugzeuge ver­stärkt durch sechs weitere Flugzeuge zurück. Sie wurden von acht unserer Flugzeuge angegriffen und verjagt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Der Angriff Mackensens in der Dobrudscha schreitet mit unerlvarteter Schnelligkeit vorwärts. Unsere und un­serer Verbündeten .Kavallerie hat bereits Caranrnrat er­reicht, das beinahe 30 .Kilometer nordwestlich von Conftantza -liegt! Medgidin, der wichtige Eisenbahnknotenpunkt, ist in ! unseren Hunden, und an der Donau ist Rasowa erfaßt worden, so daß wir noch etwa 15 Kilometer von dem vor­läufigen Zielpunkt Cernavoda stehen. Es find nicht nur Glanzleistungen deutscher Truppen, die die Kriegslage im Osten so günstig ändern. Mackensen hat, nach dem neuesten türkischen Bericht, dem Sultan zur Tapferkeit seiner in der Dobrudsck>a kämpfenden Truppen gratuliert, mrd encktißüe Meldungen lvisfeu ebenfalls die Tatsache, daß

auch türkische Verstärkungen zu Mackensens Heer ge­stoßen find. Der rumänische Bericht gibt mit unverhüllter Angst den Rückzug in der Dobrudscha $u, während die amt­liche Petersburger Veröffentlichung die schlimme Tatsache verzuckert mit dem Bemerken, daß die rumänisch^russischen Truppen sichetwas" zurückgezogen hätten.

Am meisten und wirkungsvollsten hat der Hieb gegen Rumänien abgesehen von diesem Lande selbstin E n g- land eingeschlagen. Dort erwachen wieder alle trüben Geister von Antwerpen, Gallipoli und Knt el Amara. Konrmen wir denn wieder, wie immer, zu spät, so fragte ein Offizier und Wgeordneter im Unterhause, und die Re­gierung wandte sich schädigend ab. Fast aber scheint es, als habe Sir Edward Grey, der ränkereiche Schöpfer dieses Krieges, in seiner nachstehend nritgeteilten Rede bei einem Bankett der fremdländischen Presse in Loirdon schon neue Saiten auf die nicht mehr ganz klangvolle britische Geige aufgezogen. Auch über ihn ist offenbar die Depression von Conftantza hergesallen, wie über dieTimes", die der: Fall dieser Stadt als ein großes Unglück bezeichnet. Grey liebt in der Tat die zarteren Geigentöne, während seine Kollegen Asquith, Lloyd George und andere die kriegs gewöhnteren Instrumente, Trommel und Pauke, vorziehen. Er konnte natürlich den Lärm dieser Ministermnsikanten nicht über­tönen, das wollte er auch nicht, aber er versuchte, die Ohren der fremdländischen Presse, die auf die Prahlereien der englischen Minister mir den Schwerterklang im Osten gehört hatten, wieder sanft in das Konzert der Entente zurückzuführen. So sehr er sich aber auch anstrengte, in die Wirbelschläge seiner Kollegen und in seine eigne Auffassung einige Harnwnie zu bringen, so wuchtig fällt es ins Auge, daß seine Rede, ganz im Gegensatz zu denen der Herren Asquith und Lloyd George, von einer gewissen Kriegsmüdigkeit getragen war. Er er­ging sich nicht in großen Ankündigungen, malte uns nicht das künftige Siegesweltbild Englands aus. Im Gegenteil, er ließ in der Frage der künftigen Weltgestaltung ganz be­scheiden den Neutralen den Vortritt! Es ist die alte; gute englische Tradition, andere Völker für sich arbeiten zu lassen, besonders dann, wenn die Kräfte des eigenen Armes nicht ausreichen, oder geschont werden müssen. Was war uns von unseren Feinden alles angekündigt und angedroht wor­den! Allen denen, die Deutschlandzerschmettern",strafen" und zerstückeln wollten, muß Grey heute als ein arger Flau­macher erscheinen. Denn er gefiel sich nicht in stürmischer Umarmung dieser glorreichen Zukunft, sondern er beschränkte sich darauf, mit der 'Vergangenheit einen stillen, intimen .Händedruck zu wechseln. Wenn man den Frieden erwähnt, so sprach er, darf man niemals vergessen, wie es zum Kriege gekommen ist. Ein Vorwand, um die von seinen englischen Vorrednern krumm gezerrten Drähte wieder gerade zu biegen. So wärmte er die ollen Kamellen der Kriegsgründe wieder auf. Da ihm die militärische Ueberzengungs- kraft Englands Enttäuschungen bereitet hat und ihm davon für die Zukunft nichts Gutes schwant, versucht er den Krieg durch diplomatische Sophistik zur Entscheidung zu bringen und zugleich den guten Glauben der Völker an Englands Uneigennützigkeit und Ungesährlichkeit wieder neu zu stärken. Will aber Sir Edward Grey wirklich einen baldigen Frieden? Das geht aus seinen Aus- führungennichtmitgenügenderKlarheither- v o r. Wir können seine Erörterung der Schuld am Kriege ganz übergehen, es sind wirklick) nur sophistische Erneue­rungen der alten Behauptungen. Wesentlich scheint es uns nur, daß Sir Edward Grey nicht müde wird, auf die Neu­tralen einzuwirken, und daß er nicht mehr so sehr auf die eigenen Machtmittel Englands pocht, um den Krieg sieg­reich zu Ende zu bringen, sondern auf das große

Weltgericht derVölkerfamilie" Hatte König Eduard uns fürden Kriegsfall ei nzuk reisenversucht, so bemüht sich jetzt die englische Staatskunst, unsfürdenkommendeuFriedeneinzukreisen. Die Konferenzidee wird wieder in den Vordergrund gescho­ben. Hat der Leiter der englischen auswärtigen Politik noch volles Vertrauen in den Pariser Vertrag, nach dem die Ver­bündeten den Frieden nur gemeinsam schließet wollen? Er deutete an:Deutschland sucht eineu vom andern zu trennen, um sein Ziel zu erreichen." Ob er Rußland ein wenig miß­traut? Ob er die Folgen der Niederwerfung Rumäniens mit jedem Tage ernster fürchtet? Es berührt uns eigen­artig, einen so nüchternen Staatsmann plötzlich reden zu hören vomAndenken an den gemeinsamen >0Eut, der uns durchhalten läßt", wodurch ein dauerndes Sympathieband zwischen England und seinen Verbündeten geschaffen werden solle.

Alles in allem ist Greys Rede ein Spiegelbild der wach­senden Sorge Englands vor einem ungünstigen Ausgang des Krieges. Aus diesem Grunde sollen die Neutralen mobili­siert werden. Von kurzen Auszügen, die uns telegraphisch übermittelt wurden, scheint uns eine Stelle aus dem poli­tischneugeborenen" Vorwärts das Zutreffendste zu sagen. Das Blatt urteilt:

Schon Kant hatte seine eigenen Gedanken, wenn Staatsmänner der großen Idee der inter­nationalen Gerechtigkeit ihre Ver beug ung mach­ten. Grey ist kein Kantianer, wohl aber hat er als Freund des Angelsports ein Buch über d e n Fischfang ges dyciebeti und er weiß, daß die Idee in der Politik oft dasselbe ist, wie beim Angeln der Regenwurm. Es fragt sich, ob das deutsche Volk im Friedensbund der Völker ein freies, gleichberechtigtes Mitglied sein soll, oder ob der Versuch fortgesetzt roeiden soll, alle wikdenj Drohungen zu verwirklichen, die gegen dieses Volk geschleudertj werden. So lange das deutsche Volk mit dem zweiten Teil dieser Alternative rechnen muß, so lange auf der anderen Seite der Wille vorherrscht, es zu vernichten, muß es sich gegen ein solches Ende, toie seine Gegner es träumen, wehren."

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 24. Ott. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaulbart: 24. Oktober 1916.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

HceresfrontdesGeneralsderKavallerie Erzherzog Karl.

Ocsterreichisch-ungarische und deutsche Truppen nahmen nach erbitterten Kämpfen den Ort Predeal und machten 600 Mann zu Gefangenen. Südlich des Roten-Turm-Passcs macht unser Angriff Fortschritte.

HeeresfrontdesGeneralseldmarschalls

Prinzen Leopold von Bayern.

Die Lage ist unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der küsteuläudischen Front hält das italienische Ge­schütz- und Minenwerferfeuer an; namentlich an der Karst- Hochfläche sind zeitweise heftige Arttllerie- und Minenkämpfe im Gange.

Unsere Flieger belegten ein großes Trainlager bei Sa- vegna erfolgreich mit Bornben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der Vojusa keine Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generaistabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Der türkische Bericht.

K o n st a n t i n o P e l, 23. Oktober. (WTB.) Amtliche Mel­dung. An der Euphrat-Front griffen unsere Erkundungs­patrouillen in der feindlichen Stellung eine Batterie an und machten ein Geschütz unbrauchbar.

In Persien schlugen unsere Meilungen nordwestlich von Sewudschi Blak eine feindliche Abteilung unter großen Verlusten für diese zuriick. . ^

Kaukasusfront: int allgemeinen für uns günstige Schar­mützel, wobei wir eine Anzahl Gefangene machten. Von den übrigen Fronten ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden.

Unsere Truppen, die mit beit Verbündeten dir Linie Con­ftantza Me diidie überschritten, setzen die Verfolgung des fliehenden Feindes erfolgreich fort. Generalfeldmarschall vvn Mackensen beglückivünschte'den Sultan zu dem Erfolg, den die Tapferkeit unserer Truppen in der Dobrudscha davongetragen hat.

Unsere Unterseeboote versenkten dieser Tage ver­miedene nach Conftantza bestimmte mit Lebensmitteln beladene Segelschiffe und einen großen Transvortdampfer von 3000 Tonnen Gehalt an der rumänischen Küste. , _ r e

Ein Teil unserer nrit der Unterdrückung des Aufstandes beauf­tragten Streitkräste traf am 6. Oktober im Wfchrritt Bir Ruha Situl 6 Kilometer südwestlich von Medina auf die verschanzten Aufständigen. 9?<wf) der Ankunft unserer kürzlich von Mcdma abgezandtcn Verstärkungen uucrden sie migegrissen. Der Eingriff lvar erivlgreirl). Tie Ausständigen mutzten unter Zurücklassurtg zahl­reicher Toter nach dem Meere fliehen.

Der rumänische Bericht.

Bukarest, 23. Okt. N ord- und Nordwest front: Bet Fulges und Bicaz Artillerrekampf. .Fm Trokus-Tal zieht sich der