Nr. 157
Zweiter
Erschemi toyltch mtt Ausnahme tas sonntags.
Die „Hlrhener Z«mM«chlatter" werden dem .Anzewer^ viermal wöchentlich beiqelegt. das ..Ureisdiatt fir den Ureis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „kandwictjchaftlichen Zeit- ftagcn" erscheinen monatltch zweimal.
Jahrgang
General-
ZreiLag. 7. Zuft Wtz
nzeiger
für Gberhejjen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Univerfttäts -- Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Anzeiger Gießen,
Der Krieg Zu Lande in den Monaten Mai und Juni.
III.
Während so unser westlicher Gegner sich tut Laufe der letzten zwei Monate eines ztvar schon seit langem tvirksamen, aber im) rwit Tag zu Tag noch verstärkenden Druckes zu erwehren hatte, holte unser ältester Verbündeter, Oesterreich-Ungarn, zu eurem machtvollen Schlage gegen Italien aus. Genau Mille --lat gesittete das Wetter endlich den sorgfältig vorbereiteten uno vom Feinde längst crlannten Dorswß. Es gelang den k. und k. -gruppen, tst Italiener nicht nur aus dem größten Teil der von ihnen bet KrregÄeginn genommenen Bezirke Südtivols wieder htnauszu- !u-rfen, sondern auch die italienisch Grenze in bretter Front zu überschreiten imd den Angriff bis fast zum Südrande der Gebirgs- umlle vorzuttagen, welche Veit Ebenen Nocdstaliens vorgelagert )\.w.
Bis zum 25. Juni machte der österreichtsck>amgartlche Angrtn zwischen Lisch und Brenta stetige Fortschritte, btt* * Iahten an Getangenen und erbeuteten Gejchiitzen, MaMntengewehrelt und auderett Beutestücken mehrten fid? in gleichem Maße.
An diesen Erfolgen konnte auch die Tatsache ntchts andern, oatz am 26. Juni mit Rücksicht auf die nrilitärifd>e Gesamtlage ^zur Wahrung der vollet: Freiheit des stratcgitchn Handelns cm Deil bes eroberten Gebiets wieder aufgegeben und, unbentcrkt vom Gegner, die Angriffsfront verkürzt wurde.
IV.
Die verzweifelten Hilferufe des schwer bedrängten Frankreich) uvd Italiens hatten inzwischen wenigstens bei dem einen der l eiden abioartetrtai mächtigen Verbündetet: Gehör gefunden. Es rwr das durch ztvei Monate anscheinend in Erstarrung vermnrene Rußland, welck'.'s sich von den furchtbaren Verlusten an Länder- giftet, Mannselwsten und Kriegsmaterial, die das ^ahr lölo urb zuletzt noch die Offeusive im Marz 1916 gebrach l>atte, mtt Unterstützung der Halden Welt inzwischen bis zu einem gewissen Grade ergoll hatte und ein kräftiges Zeichen ucuerwachten Lebens ^ab. Schon in der zweiten Hälfte des Mai waren an der ganzen Ostfront unserer Verbündeten bedeutsame Veränderungen ertaunt worden, die aus Angrisssabsichten schließen ließen. Ant 1. ^ituti l^ga'.nt nach einer den bisherigen Einsatz weit über,teiqenden Ar- tillerievorbereitzmtg an sieben Stellen gleichzeitig aus einer Front- breite von mehr als 500 Kilometern die russische Offensive.
Die Niesenschlacht, die nur: entbramste, ist zurzeit iwch nicht völlig abgeschiossen, aber ihre bisherigen Ergebnisse können doch lnneit- abgcschätzt werden. Sie lat der Sache der Mittelmächte • ;neiT Rückschlag gebracht und hat den Italienern die dringend tachigte, heiß erflehte Entlastung für den Augenblick zuteil lver- * r ,> : lassen. Sie hat den Russen am rechten Flügel threr Offensive bet Luck eckten mäßigen (und schwerlich dauernd tastbaren) Rück- oewckrn an früher verlorenem russischen Boden eingetragen, am linken russischen Flügel unseren Verbüitdeten den größten Teil der Bukowina mick'amt der vielumstüttenen Haupt,tadt zu entretMn vermocht. ^
hiermit ist die Bedeuckmg und der Erfolg des rm suchen Vor- doßes de« Monats Juni erfchövft. Das in der Presse offen verkündete Ziel der gewaltigen russischen 'Anstrengungen, der Durchstoß hi« Lemberg, die Rückgewinnung Galiziens oder gar das Ein- dringen, in Ungarn, hat nicht erreicht werden können. Dte Dar sckllnng dieser Kämpfe im einzelnen würde wesentlich über Zweck n"d Raum dieser Betrachtung länauswochsen, deren Aufgabe nur G' Schilderung der großen Grundzüge der Entwicklung sein kann, w weit sie sich dem Auge einer im Flusse der Geschehnisse befangenen Betrachckmg überhaupt schon erkemtbar machen.
V.
In einer Gelassenheit, tvelche der Welt immer neues Er staunen abnötigt, hat England bis gegen Ende Juni den über menschlichen Opsen: und Anstrenguugen seiner Verbündeten mit gekreuzten Armen zuschen. Es hat die Hilferufe Frankreichs imd Italiens lediglich mit herablassenden Beisallsbezeugungen rar die heroischen Anstrengungen dieser schwergeprüften Nationen beanwortet. ... . , .
Erst seit' dem 20 Juni steigerte stch dte Gefechtstaltgkeit aus der gesamten englischen und auf dem südlich anschließendert Teil der französischen Front. - • ■
Der Satiriker des englischen „Lanl".
(Zu Sheridans 100. Todestag, 7. Juli.)
Tie Engländer, die den 100. Todestag ihres großen Lustspieldichters Rich. Britisch Sheridan mit großen Feierlich ketten begehen, sollten aufmerksam in den genialen Zerrspiegel seiner lxutai Meister- werke blicken, um darin die schohnungslose Schilderung ihres Natto- nallasters. der gesellschaftlichen Lüge rmd 5teuchelei, des berüchtigtcti. „Cant"" zu erkennen. Dieser abenteuerliche Verichwender Mit dem sprühenden Geist, der über seinen Erfolget: als Redner und Staatsmann die dichterischen Triumphe seiner Jugend vergaß, hat in seinen beiden berühmtesten Lustspielen, in der „Lasterer- schlle" und der „Theaterprobe" satirische Bilder des eng lischt: Volrschorakters geschaffen, die heute noch so tvahr smd wie vor 150 Jahren. Der Held der „Theaterprobe", der Neoolmrwuriiaüst 1 Puts, dessen Name tu der englffchn Sprack>e ach Bezctchnung für alle Reklamcschriftstcllcrei erhalten geblieben ist, ist der würdige Ahnherr jener englischen Reporter, die seit Ichren kettte Lüge und Verleumdung gescheut haben, um die Welt zu verhetzet:. Die „Lasterschlle" aber steigt volt der Schildermtg ctues einzelnen umoahrcn Charakters, der freilich in seinem vergiftenden Wirken aus die ganze Welt des Theaters und der Presse gezeichnet ward, zu der Darstellung der englischen Gesellschaft aus, in der als einziger Gott der „Cant" verehrt >vird. Nirgends wohl ist der Sinn dieses misterblichen Werkes klarer wiedergegeben worden, als in den Worten des Franzosen Philarete Chasles, der tu seinem feinsinnigen Buch über England 1846 von dieser Komödie sagt: „Sheridan deckt in der auf die Macht der Sitte gestellten Gesellschaft die Heuchelei aus. jene Entartung, dte dte Sittlichkeit vernichtet, indem sie allzu beflissentlich ihr Banner emporhebt. In diesem Werk liegt ein grundsätzlicher Kmnpf gegen die herrschende Gesinnungswetse. Joseph Surfaee, die Haupt gestalt der „Lästererschule" ist die Verkörperung der gesellschaftltchn Luge und .Heuchelei. „Alles für die Form und für tat Anstaitü; Tugend, Größe, Heldetmtut sind nichtige Träume: gerade genug Reltgron, um den Menschen zu genügen, genug Gewissenhaftigkeit und Rechtschaffenheit, tmt in der Welt vorwärts zrf kommen: tmGrunde des Herzens aber kalte und tartnäckige Selbstzucht." Dte Menschen Sheridans sind nicht schlechthin Lügrrer und Schusste wie Mlstteres „Tartuffc". sondern sie tragen jene typische ertglische ResyektamlstäiS zur Schau, kämpfen scheinbar für Tugend und Anstand, während sie nur die Befriedigung ihrer Wünsche und Lüste suchen. Byron, der ein besonderer Verehrer Sheridans war, sagt von ihm, er habe immer das Beste seiner Art gegeben: das beste Lchtsptel "Di: Lästererschule), die beste Oper (Die Duenna), die beste Pofte Die Thcaterprobe), die beste Gedächtnisrede (seinen Monolog auf Garrick), und um allem die Krone auszusetzen, hielt er seine berühmte Rede über Warren .Hastings, die beste, die in diesem Lande erdacht und gehört worben ist. Diese Parlameittsrede tit_ bcm großen Prozeß gegen Hastings, die Sheridan aus der Höhe seiner
Seit dem 24. begann eine sich oft bis zum Trommelseucr fteigentbe Artilleriebejchteßung unserer Frorst und des rückwärts gelegenert Geländes.
Bis zum Monatsertde Karn es in den Feuerpausen der Artillerie nrrr zu Patrouillenkämpfen. Erst am 1. Juli bat der große Angriff, aus den wir und die Eutertte lange gewartet haben, nördlich der Somme begonnen.^
Art verschiedenen anderen Schllen der englischen Front sind vorher im Mai und Juni rpir die Angreifer geweseri.^
Im Mai gelarrg es uns im Artois, kleinere Mschnstte der englischen Stellungen in unsere Hand zu bekommen. Im Dpern- bogert ivurde am 2. Juni die Doppelhöhe 60 südöstlich Dstern mit anschließenden Gräben und am 6. Juni die StellungenJki Hooge, zusammen drei Kilometer Frontbreite, erstürmtz Ein Teil der neuerkäntyfterl Stellungen ging allerdings am 13. Juiti rvieder verloren, wahrend alle sväteren, teilweise durch Gasverwcnduug u.iterstützten Angriffe abgewiesen werden konnten.
VI.
Versuchen wir tat rückschauenden UebeMick über das Fort- schreiten des Landkrieges in den Aäonaten Mai und Juni zusammenzufassen, so ergibt sich:. ^
Vier große Hattdlunaeit irnd tm Gange. Der deustche Vorstoß bei Verdun schreitet langsam, dockt unerbittlich, FranEretchs Heere z-erntürberrd, mit steigendenr Erfolg vorwärts. Oelterreichs Angrtst in Südtirol hat nach stürmischem Anfangs gelingen eine .Hemmung erfahren durch die GesamtkrieAage. Tie russische Offensive l>at ztvar ebenfalls mit namhaften Siegen eingesetzt, ist aber tarnt zum Stehen und hier und dort bereits zu rückläusiger Enwickelung gebracht wvrden.
Tie vierte große Angriffswelle, deren Mfbranden )rch jett einiger Zeit imnier deutlicher angekündigt hatte, braust nun heran und wieder ecktmäl erhoffen mtsere Feinde tat etttschettatden Umfch'wtmg des Kriegsglücks. Englands lmtge gesparte Heeresmacht tritt auf den Plan.
Englands neueste BisäadepoliM.
Die geheinien Informationen.
Man schreibt uns aus Berlin:
Int englischen Unterhaus befragte der Mgeordnete Hunt die Regierung, was nur?, nach^ dem „Begräbnis" der Londoner Deklaration geschehe, wie man die neueste Verschärfung der Blockade gegen Deutschland und die Mittelmächte durch- zusühren gedenke. Es anwortete Englands Blockademinister, Lord Robert Cectl. Ecki/: merkwürdige Arttwort, aus der^ die gcutze Verlegenheit hervorgeht, in der sich derzeit die Ränkeschmiede von Downing Street besindert. Cecil tavtderte nämlich, es rväre nickt vernünftig, alle Schifte mit ihrer Ladung vor ent Prisengericht zu bringen. Allst hoher See allerdings könne man die Schiffe nicht unter suchen wegen der verflixten deuftchen U-Boate. Deshalb müßlcit alle Schiffe, die nach „an Deutschland grenzendett neutralen Ländern"" unterwegs scktd, nach einem engltschen .Hafen gebracht werden, falls sie nicht gutwillig aus freien Stücken einen solchen cuckaufeu. Dort erst werde ent schiedctt. ob das Schiff vor ein Prisengericht zu stellen sei. Das hänge u. a. von getvissen „ge h ei men I n s ortna tione it" ab, die die englische Regierung empfange. Hinter diesem Begriff der geheimen Jtisormationett steckt natürlich viel. Gemeiist sind nicht etwa tmt Jnsormätionen, die sich aus das einzelne Schiff beziehen, fonbent auch solche, die sich aus den derzeitigen Verhandlungen mit tat Neutralen allgenteitt ergeben. Damit aber ist man noch nicht fertig. Man hat mit der Aushebung der Loitdoner Deklaration ein Verzweislungsspiel begonnen, mait bat einen ungeherrren Verlust an moralischem Ansehen bei der gaitzen neutraleti Welt in Kauf genommen. Man wollte die Neutralen durch eine neue, unerhörte Ueberraschung niederzwiugeu. Aber es^ stellt sich heraus, daß man das alte Mittel des Bluffs tvieder einmal überschätzt hat Die Neutralen mehren sich in diesem Kampfe, der sich natüritch voll^ ständig hinter den.Kulissen absprelt, mit ihrer äußersten verfügbaren Kraft gegen die niederträchtige Bergewalstgung. Holland, dessen Rotterdam als „deutscher" Hafen verriegelt iverden soll, crllad gegenüber den Abrüstungsgerüchten, daß es nicht eineu Mann nach Hause schicke. Schwetat, dessen Hafen Malmö eilt ähnltches
Schicksal erletden soll, ist bereit, eine noch viel schärfere sprmhr. als beim letzten „Postkrieg"" mit England zn sichren. Und dte Regierung in 'Washington scheint ihren Freimtai in London etnen Wink gegeben zu haben, daß der Ausbruch emer antibrtttscheu Stimmung im Kongresse zu befürchten sei. Die englische Prei,e haste nämlich, um den Amerikanern die Sache mundgerecht zu machen, erklärt, die Berctuigten Staaten hätten ja in t^cm Bürgerkrieg einen Präzedenzfall lür die Anwendung der Blonde aus die Neutraleit geschaffen. Aber der Vergleickt )stmmt nrchc. England traute Onkel Sun offenbar doch allzngeringe Geschichts- keitnkniffe zu. Gettug, die „Erinnerung"" imvonierde nickst. Man verlangt in Amerika mehr Marheit und Freiheit. Das Merkwürdrgite aber an der verzwickten Sachlage ist, daß auch zwei Verbündete Ettglands Miene machen, zu ptwtestieren, nämlich Frankretch und Italien. Wird die englische Blockade auf die Neutralen ausgedehnt, so mag Frankreich befürchten, vort tat Veremigtett Staaten au' dem Wege über seine Nachbarländer Belgien, Spanien oder Jtalrev abgeschnstten zu werden. Da aber der Bierverband ohnehin schon in allen Fugen ächzt, )väre eine neuerliche außerordentlickte.Verstimmung Frankreichs imd Italiens für England sehr peinlich. Es schweben also Verhandlungen. Und es fbeigen allerhand Ver- 'uchsraketeti aus, tastende Jnsorntationen ^aus Washington und London, in einem furchtbar verschrobenen Stil gehalten, aus dem deutlich die Verlegenheit und Atrgst hervorgeht, der seingetbann«te Plan könne zerreißen, ehe die britischen Kreuzerlords auch nur bte Weisung des Marineamls erhalten, vor den holländttchett und schwedischen Häsen auszufahren, itm die Blockade gegen Deulkch- land „effektiv" zu machen. Letztett Eitdes wird die Rechnung ja ohne die deutschen Unterseeboote gemacht, die auch noch etn Wörtchett mitzureden haben lüib wahrscheinlrch ausschlta- gebend sein werden. Aber England unterschätzt doch auch den iteutralen Geist der Staaten, die es jetzt nach gruchtlchem Muster vcrgewalstgen ntöchte. Holland und Schweden haben m diesem Kriege sck>on zu häutig und energffch dte Zahne ge&ast, um jetzt zu versagen. Diese beiden Netuvalen lvertan ttch asto sicherlich gegen das britische Planchen wehrew Auch Tanentark und Norwegen werden sich voraussichtlich dem Proteftton crmchltetzeu. und wo alles haßt, kann Wilson-Karl allein nicht lieben. ErJmrt — wahrscheinlich unter dem Truck der Stimmultg tm Kottgresfe sich nickt auf 'angebliche Präzedenzfälle besinnen imb dem unglaublichsten Attentat aus die Freiheit der Neustaten fernen Vorschub leisten. Aus den neuen englischen Blockadeplänen durste jedenfalls inchts rechtes werdett. Und damst auch wteder ntchts mit der „Auskmngerurtg Deutschlands.""
Unegsbriese aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Oscheer entsandten KrtegsbericksterstatterS.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die rmftfchen Angriffe gegen die Hindenburg-Front.
Armee Eichhorn, am 5. Juli 1616.
Mit sehr erheblichem Aufwand von Artillerie sind die Russen nun auch gegen die Hindenbnrgfront offensiv geworden. Schon seit Wochen herrschte hier erhöhte Unruhe und Tätigkeit, die sich in den letzten Junitagen, da auch schon russische Jnfanteriekompagnien vorgingen, steigerte und am 2. Juli zum Ansatz größerer Jnfanteriekräste führte. Be: Minki, einem zerstörten Dorf vor unserer Front dicht nördlich bei Smorgon, stießen die Russen im Anschluß an eine Minensprengung vor und suchten die von uns besetzten Anhöhen zu gewinnen. Unter dem sofort zusammengetaßten Feuer von Artillerie und Minenwersern wurden sie nach dreistündigem Kamps unter starken blutigen Verlusten zu- rückgeworsen. Im Umkreis einen Minenkessels wurden 1000 russische Tote gezählt. 243 Gefangene blieben in unserer
^^Jn der Nacht zutn 3. Juli steigerte sich die russische Artillerie auf der Front vom Naroez-See bis östlich Wisch- netv zum heftigen Trommelfeuer. Ans etwa 3 Kilometer Front wurden allein 3000 leichte und 1000 schwere Schuß abgegeben, auf den Frontteil einer Divffion nordöstlich
äußeren Erfolge zeigt, dauerte vier Tage, wirkte aut dte Zuhörer so s^ark, daß Damen ohnmächtig hiuausgetragen wurden, und der Redner endete selbst mit einer künstlichen Ohnmacht: ste ist euH blendendes rhetorisches Schausttick ohne inneres Gefühl und offenbart die un ividerstehliche Geistreich tgkeit, die hinreißende lleutzer- lichkeit und das Komödiantum Sheridatts, der nur desvalb den „Gant"" seiner Landsleute so wahrhaft schildern konnte, weil er ihm selbst mit Haut und Haar verfallen war.
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— Eine unbekannte Schilderung des jungen Napoleon durch Will), v. Hu mb o l d t. -i-ie erste Veröffentlichung der Pariser Tagebücher Wilhelm v. Humboldts un* den Jahren 1797 und 1798, die im Julihest der bei ^. Fischer tn Berlin er schein endet: „Ne nett Rundschau"' erfolgt, bietet etnen neuen unschätzbaren Bestrag zum lieferen Verständnis^ dieses genialen llniversalmenscheit, dessen Bedeutung für die Geisteskliltur^unserer klassischen Zeit immer klarer hcrvortritt. Ter Fretmd c^chlller.' und Erklärer Goethes brsttgt hier zum erstenmal die durcp die Revolution verwirrte und aus ihreit Bahnen geworfene sranzo- sische Geistesbewegung in Berührung mit der deutschen Kultur, lapt die Pariser Ausklärungsphilosovhett z. B. die Größe und Bedeutung Kants ahnen. Er schildert uns die ,Führer und Leucbteti der damaligen Pariser Gesellschaft, hält in seinen Anszetchuungen^ Gespräche und cl>araktcristtsche Züge fest, und in der Wtrrnts der Regierung durch das Tirertorium ahnt er bereits das .yerauMetgen einer neuen stärkeren Macht. Der Schöpfer dieser neuen Epoche stand in der Gestalt Bonapartes im vollen Lichte der ^efteutltch- keit, und ihm, dem Sieger von Lvdi und Rivoli, von taten ägyptischen Eroberungsplänen er schon allerlei Tun kleb horte, gilt die besondere Auftnerksamkeit Humboldts. Unter dem Dezember 1917 erzählt er, wie Bonaparte zun: erstenmal tn der Sitzung des National-Jnßitutes erschien. Die Augen aller warwi aitt ihn gerichtet. „Er ist klein und mager," sv zeichnet Humvoldt dm, Porträt des künftigen Welteroberers, „hat einen Renten Kops und, wie ich zu bemerken glaube, selbst siir seine Figur kleine und tetne Hände. Sein Gesicht ist mehr länglich als rund und sehr mager. Das Haar braun rmd dünn: die Stirn, soviel sich vor den Vaarett, die daraus hinunterhingen, sehen ließ, ntehr gerade, als vorwartv gebogen; die Augenkttochen stark und refft 'und schon getvolbt, also die Stirn über der Nase hervvrstehend; die Augen grotz, ttesttegxnd und gut geschitstten: die Nase ettvas gebvgeti, tack) nicht crn dev Spitze umgebogen, sehr scharf und sein geschnitten: ta: Mmtd imb das Kinn sehr männlich, bestffwntt, und das Kmn besonders selw stark und rundlich geschnitten: die Oberlippe über der unteren vorstehend, und die Linie von: Mundwinkel bis Mn: Nasenubergang etwas aufrecht gezogen, dock ohne daß dies zur Härte oder zum Stolz wird." Das Gesicht dieses einfach geflettaeit Mannes tm blauen Rock, mit Sporenstiesel imb Zopf, das mehr sranzosffck als italienisch esichefftt, gibt dem Beobachter viel zu denken: ,,^as Ganze seiner Physiognomie hat nichts Großes, noch Heftiges, noch
sehr Deternftiffertes, cs drückt überhaupt mehr intellektuelle, als moralische Eigenschaften aus. Er siebt ruhig, überlegend, _ bescheiden, obgleich auch von festem tmd gevechtem Stolze, frei, scharffebend und äußerst ernst, als wäre er efftzig tmi> ohne alle andere Neigung oder Rücksicht nur an seinen Berus gebunden, aus. Manchmal bekomntt indes sein Gesicht, vorzüglich, ltatu er es in Bctveguna setzt, auch etwas Hartes und schneidendes. Es ist schwer sich ihn in Handlung, und iwch schwerer in Enthwiasnnrs zu denken."" Besonders fällt Humboldt ein Zug von Melancholie tm Aeußeven und in der Sttmme Bon apartes auf, der ihm etwas Eigenartiges verleihe. Als er vor den: Nationalinstaut spricht, drückt er sich schlecht und ungeläuffg aus : in sehr verächtlichem Ton spricht er von einent Ersinder, der „in einem Lustt'chiff 12 000 Mann nach England übersetzen tvolle."" Humboldt kam mit Bonaparte ins Gespräch und begegnete auch seiner Frau und feinem Sohn, mit denen der General im Jardin des^ Plantes spazieren ging. „Er bewunderte die Blondhest der Li (Humboldts Tochter, dressierte sie und ließ sie durch scinert Arm sehen.""
— Zur Geschichte der S ch n t f e r i e n. Bis weit in das 16. Jahrhundert hinein gab es in den Schulet: Ferien der jetzigen Art überhaupt nicht, sondern es uwirtatt nur einzelne Tage freigegeben. Tie Jesffetzung richtete sich überall nach örtlichen und kirchlichen Interessen. So hatten die Schiller gewöhnlich frei an den Tagett/ während der die Jahrmärkte abgehcllten wurtat, am Erntetanktag. zu den Kirmesfciern, die sich gewöhnlich aus bm bis vier Tage ausdehnten, und tvahrend der Fascknngsvergnügung:n. Auch die älteste Schulordnung des grauen Klosters in Berlch schrieb vor, daß die Schulseriet: in die Zeit des Jahrmarktes fallen müßten. Eine besttmmte Ferienordnnng gab es jedock nicht, son- derit die Festsetzung der freien Tage war^ganz dem Ermessen des Schulleiters überlassen. In einer alten Schillordnung des Gvm- uasiums zti Nordbausen vom Jahre 1583 hieß cs: „Ob tnan wvll den Praeceplortbus gertte gönnet, das sie bisweilet: riche l-abet: und remissiones, mus doch solches aucktl seine maße haben, damit die knaben nicht vorwenet oder zu sehr verseumet tverden. Demnach sollen alle mtdere Ferien, die inen die Collegac gemacht, gentzlichm abgesckvütten sein, on allein folgende, welche iucit sollen vorgunn^ norden, nemlich . . ."" lind mm folgen einige freie Sch ultag e. Man hielt eine Freizeit für Lehrer und Schüler für so wenig notwendig. daß sogar noch unter Friedriche dem Großen in Berlin auch an Mitvvoch- und Sonnabettd-Nacktmittagen in tat <^ch^uleit unterrichtet wurde, tvodurch die bekamtte AneD>otc vom alten )>wttz und tat Berliner Rangen, die den Kötffg auslachten, toell er nicht wnte, daß am Sonnabettd nachtnittag keim Schule set, tu das Gebiet der Fabel verwiesen wird. Eigentliche ^mmenerren. tchulireie Zellen, die nur wegen der sommerlichen Hitze und um Lehrertt ttnd Schülern eine längere Erholung zu gönnen, cmgesührt wurden, scheint es bis zum 17. Jahrhundert überhaupt nicht gegeben zu haben, und eine genauere Ordnung der Sch ulferien brachte woU allgemein erst das vergangene Jahrhundert.


