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22.5.1916 Erstes Blatt
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Erstes Mit , 166 . Zahrgang

Montag, 22. Mar M6

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindrnckerei R. Lange. LchrtftleiLung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstr.7.

BezngSvre'. ,. monaÜ. SV P(., viertel- jäürl. Mk. 2.65-. durch Aohole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch die Post Mk. 2.45 Viertel­jahr!. aitsschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokallSPf., ausw. 20 Pf. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge­richtssaal: Fr.R.Zenz-, für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen

leie Erfolge amToten ftotf. Oesterreichische Stege und wachsende Gefahren für die ILüliener.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 20. Mai. (Amtlich.)

W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

In den Argonnen drangen deutsche Patrouillen nach eigenen Sprengungen bis in die zweite feindliche Linie vor. Sie stellten beim Feinde starke Verluste an Toten fest und lehrten mit einigen Gefangenen zurück.

Gegen unsere neugewonnenen Stellungen beiderseits der Straße HmrrourtEsnes wiederholt gerichtete Angriffe wur­den wiederum glatt abgewiesen.

Fünf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen und zwar eines durch Jnfanteriefeuer südlich von Vailly, die anderen vier im Luftkampf bei Aubreville, am Südrand des Hessen­waldes, bei Avocourt und dicht östlich von Verdun.

Unsere Flieger griffen feindliche Schiffe an der flan­drischen Küste. Nnterknnftsorte. Flughäfen und Bahnhöfe bei Dünkirchen, St. Pol, Dirmude, Poperinghe, Amiens, CHL- lons und Suippes mit Erfolg an.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

In der Gegend von S m o r g o n brachte ein deutscher Flieger nach Luftkampf ein russisches Flugzeug zum Absturz.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Keine beso,Heren Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 21. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf den Süd- und Südweschängcn desToten Mannes" wurden nach geschickterArtillerievorbereitung un­sere Linien vorgeschoben. Einunddreißig Offiziere, e i n 1 a u s e n d d r e i h u n d e c t s ü n f z e h n M a n n wurden als Gefangene cingebracht, sechzehn Maschinen­gewehre und achtGeschütze find außer anderem Mate­rial erbeutet. Schwächere feindliche Gegenstöße blieben er­gebnislos.

Rechts der Ntaas ist, wie nachträglich gemeldet wird, in der Nacht zum 20. Mai im Caillettewald ein französischer Handgranatenangriff abgeiviesen worden. Gestern gab es hier keine Jnfantcrietätigkeit, das beiderseitige Artillerieseuer er­reichte aber zeitweise sehr große Heftigkeit.

Kleinere Unternehmungen südwestlich von B e a n m o n t und südlich von Gondrexon waren erfolgreich.

*

Bei Ostende stürzte ein feindliches Flugzeug im Feuer unserer Abwehrgeschütze ins Meer. Vier weitere wurden im Luftkampf abgeschosscn; zwei von ihnen in unseren Linien bei Lorgies (nördlich von La Vassee und südlich von Cha- teau Satin, die beiden anderen jenseits der feindlichen Front im Bourrus-Walde, westlich der Maas) und über der Cöte östlich von Verdun.

Unsere Fliegergeschwader haben nachts Dünkirchen erneut ausgiebig mit Bomben angegriffen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Behinderun­gen, die durch erhebliche Uebcrschwemmungen im Wardar- tale eingetreten waren, find beseitigt.

Oberste Heeresleitung.

*

Berlin, 20. Mai. (WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 19. zum 20. Mai hat ein Marineflugzeuggeschwader von der flandrischen Küste aus die Hafen- und Befestigungs-An­lagen von Dover, Deal, Ramsgate, V r o a d st a i r s und Marga te ausgiebig mit Bomben belegt und dabei an zahlreichen Stellen gute Brand- und Sprengwirkung be­obachtet. Die Flugzeuge wurden von feindlichen Landbattcrien und Bewachungsfahrzeugen heftig beschossen. Sie sind sämt­lich unversehrt zurückgekehrt.

Der Chef des Admiralstabcs der Marine.

* i

Am gestrigen Sonntag schrieb der Berner;öuub", daß die Ereignisse ins Rollen kämen", denn die keine Opfer scheuenden Gegenangriffe der Franzosen bei Verdun vermöchten nicht, ihnen eine Erleichterung ihrer strategischen Stellung zu verschaffen. Da war dem Schweizer Blatte der neueste deutsche Tagesbericht noch nicht bekannt. Das zer­malmende deutsche Rad ist inzwischen wieder ein Stück weitergedrückt worden, und zwar ein beträchtliches. Am Toten Mann", bei den Höhen 265 und 295 westlich von Cumiöres ist die deutsche Linie erbeut vorgeschoben worden, und unsere Truppen, die in die feindliche Artilleriestellung am Süd- und Südwestabhang desToten Mannes" ein­gedrungen sind, haben nicht weniger als acht Geschütze er­beutet, 31 Offiziere und 1315 Mann gefangen genommen. Dais oeutsche Heer ist damit der Straße EsnesCumiöres näher gerückt. Im übrigen sind im Westen, an den Ab­schnitten südlich der Somme, der Aisno, der Champagne, der

Argonnen und der Vogesen zwar örtliche Kämpfe im Gange; aber sie lassen, wie der BernerBund" sich ausdrückt,nur erkennen, daß bis jetzt ans französischer Seite noch keine große Offensive zur Entlastung der Verduner Armee und auf deutscher Seite noch keine sekundierende Offensive zur Unterstützung der Ver­duner Operation gereift ist". An der englischen Front sind Minenkämpfe im Gange, die von den Eng­ländern mit viel Geschick und Ausdauer, man möchte sagen, gewissermaßen als Sport betrieben werden, auf die Entwick­lung der strategischen Lage aber keinen Einfluß haben. Die Deutschen erwidern mit derselben Waffe und haben auch hier die strategische Verteidigung beibehalten.

Es zeigt sich mit jedem Tage deutlicher, daß die Offen­sive imferer Verbündeten in Südtirol nicht nur Augenblicks­erfolge erzielt hat, sondern aus ein großes Ziel drängt. Fassen wir an der .Hand einer Darstellung im Berner Bund" noch einmal zusammen, was bis zum Siamstag, also vor den Ereignissen, die in dem neuesten österreichi­schen Bericht dar gestellt werden, erreicht worden ist. Den Hauptstoß haben nufere Waffenbrüder zwischen Brenta und Etsch gegen den Raum Schio gerichtet. Alls einer Front von vierzig Kilometer sind die Italiener ins Wanten gebracht, im Zentrum sogax in zehn Kilometer Tiefe auf eigenes Gebiet znrückgeworfen worden. Der Feind mußte das Etsch­tal bis etwa Chizzola räumen. Ferner sind die österreichisch­ungarischen Truppen bis südlich von Piazza vorgerückt: sie haben durch Besetzung des ColsantoMassivs die Schlüssel­stellung des dortigen Raumes an sich gebracht. Noch wei­ter nach Osten hat eine andere Abteilung unserer Freunde den Feind üb>er Monte Maronika imt> Coston d'Ärsiero nach Süden zurückgedrängt und die höchsten Erhebungen (1900 Meter) der nach vorn gelegenen italienischen .Haupt­verteidigungslinien an sich gerissen. Bereits stehen, so erklärt derBund", die Oesterreicher vom Toraro bis Soglio auf den 'A n m a r s ch l i n i e n v o n A r s i e r o und nicht mehr weit von den Zugängen zur Talsenke von Sch io. Auf dem linken Flügel haben sie den Angriff über den Ar meu­tere a vorgetragen und die Italiener dadurch über Borgo hinaus zum Wanken gebracht. Nun muß sich zeigen, wo Ca- dorna den Angriff stoppt. Weiter darf er diesen Flankenstoß unter keinen Umständen kommen lassen, sonst greift er ihm in der Richtung S ch i o und A s i a g o ins Leben. Die Frage ist, ob er rasch genug gewaltige Verstärkungen herbcischaffen und Artilleriesperren anlegen kann und wie die Moral der italienischen Infanterie die Prüfung übersteht.

Das beigegebene Kärtchen veranschcnllicht die Lage gut. Nach dem neuesten Wiener Bericht sind die Kämpfe nun auch auf die Hochfläche von Las rann ausgedehnt wor­den. Dieses Gelände liegt südöstlich von Trient und nord­östlich von Rovreit, bildet also das bisher noch fehlende Zwischenglied in der Angriffslinie zwischen Etsch und Brenta. Die erste feindliche Stellung wurde auch hier ge­nommen. Die Erfolge auf dem rechten Mi-gel der Oester­reicher nnrrden wesier ausgedehnt. Von Col Santo (südöstlich von Rovreit) drangen unsere Bundesgenossen gegen beit weiter südöstlichgielegenen Pasnbto Lwr, der mit 3236 Metern die höchste Erhebung des Grenzgebietes bildet. Gs erfüllt sich also immer mehr, was der BernerBund" andentete. Den Italienern droht der Einfall in die Dalfenke von Schio. Der letzte Karnpstag, über den amtlich berichtet lwuxbe, hat den österreichischen Truppen über .AM) Gefangene mrd 25 Geschütze eirrgebracht. Ob Cadorna ein Besseres weiß als derEorrieve detla Sieva", der die Situnde ^e nr-ei n-'

samen Handelns" für gekonunen erklärt und, wie wir es näher imNachrichtenteil verzeichnen,- einen höchst jämmer­lichen Hilferuf an die Verbündeten ansstößt? Wenn der italienische Generalstab kein anderesGegengift", um mit dem genannten Blatte zu sprechen, bereithält, wird es ans den nationalen Traum der Italiener ein rauhes Erwachen geben.

* - *

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 20. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wiiH verlautbart: 20. Mai 1916.

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Lage unverändert.

I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

An derSüdtirolerFront warfen unsere Angriffe den Feind weiter zurück.

Jm Suganatal drangen unsere Truppen in Mnd- schein (Ronscgno) ein. Auf dem Armenterra-Rncken bemäch­tigten sie sich des Sasso Alto. Oeftlich des eroberten Werkes Campomolon sind die TonezzaSpitzen der Passo della Verna und der Melignone in unserer Hand.

Hier versuchten die Italiener mit eilends zusammen­gerafften Kräften einen Gegenangriff, der sofort abgeschlagen war. Auch vom C o l S a n t o ist der Feind bereits vertrieben.

Seit Angriffsbeginn nahmen unsere Truppen 257 Offi­ziere, über 12 900 Mann gefangen und erbeu­teten 10 7 Geschütze, darunter zwölf 28-Zcntimeter- Haubitzen, und 68 Maschinengewehre.

Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe von Peri, Vi­cenza. Cittadella, Castelfranre, Treviso, Cassara und Civi- dale sowie die feindlichen Seeflirgstationen mit Bomben.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 21. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wirH verlautbart: 21. Mai 1916.

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts von Belang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Kämpfe an der Südtiroler Front nahmen an Ausdehnung zu, da unsere Truppen auch ans der Hochflüche von Lafraun zum Angriff schritten. Der Gipfel des Armenterra-Rückens ist in unserem Besitz. Auf der Hochfläche von Lafraun drangen unsere Truppen in die erste hartnäckig verteidigte feindliche Stellung ein. Die aus Tiroler Kaiser­jägern und der Linzer Jnfanterie-Truppeudiviiion bestehende Kampftruppe Seiner K. und K. Hoheit des Feldmarschall­leutnants Erzherzog Karl Franz Josef erweiterte ihren Er­folg. Die Cima Vei Laghi und nordöstlich dieses Gipfels di Cima di Mesole fittfi genommen. Aach vom Borcola-Paß ist der Fenrd verjagt. Südlich des Passes fielen drei weitere 28-Zentimeter-Haubitzen in unsere Hände. Vom Co! Santo her dringen unsere Truppen gegen den P a s u l i o vor. Im Brand-Tal ist Langeben (Anghebeni) von u-»s besetzt.

Gestern wurden über 300 0 Italiener, darunter 8 4 Offiziere, gefangen genommen, 25 Geschütze und a ch t AI a s ch i n e n g e w e h re erbeutet.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencratztabs v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.