Viehbestände stärker <iclid)te waren, als ein kluges Haushalten mit den Borräten erlaubte, {yuttcnnittelmangel utib gleichzeitig sehr lohnende Preise sind die allgemein bekannten Gründe dieser Sachlage. Was unsere Fleischversorgung nicht hat im Winter entbehren wollen, das mufe sie jetzt im Frühjahr entbehren, soll anders rationelle Wirtschaft mit unseren Viehherden getrieben iverden. Weide und Futterpflanzen bieten gegenwärtig und für die kommenden Monate die Möglichkeit, unsere Bestände an Zahl zu ergänzen, an Güte zu steigern. Es liegt in unser aller Interesse, diese Gelegen- T>eit auszunutzen, denn sie bietet die einzige Gewähr, auf die Dauer mit Fleisch, wenn auch nicht unbegrenzt reichlich, aber genügend versorgt zu werden. Würde heute am Biehmarkt der freie Verkehr noch herrschen, so wäre unser Fleischverbrauch bald gezwungen, auf mageres, scklachtunreifes Vieh zurückzugreifen, oder was noch schlimmer wäre, unsere Zuchtbestände in Angriff zu nehmen. Das kann im Ernst niemand wünschen. Die Viehzählung vom 15. April ist insofern günstig, als sie uns die Beruhigung gibt, daß eine mastige Fleischversorg »mg auf die Dauer sichergestellt ist. Aber es wäre unklug, nun schon voll die Verbrauchsquote auszunutzen, die auf Grund dieser Bestände verfügbar ist. Zweckmäßig werden die Tiere zunächst auf gutes Gewicht mrd gute Mastreife gebracht. Einschränkung des Fleischverbrauchs in der Gegemvart ist die einzige Möglichkeit, in der Zukunft auf Fleischverbrauch nicht ganz oder unerträglich weitgehend verzichten zu müssen.
** Statt Fleisch andere Nahrungsmittel auf die Fleisch karte. Der Stadtmagistrat Augsburg hat folgende Einrichtung getroffen: Wer für seine Fleischkarte keine Verwendung hat, iveil er kein Fleischeffer ist, oder weil ihm das Fleisch zu teuer ist. hat Gelegenheit, die ganze Fleischkarte oder einen Teil der Diarken an den Stadtmagistrat zurückzugeben und erhält hierfür Anweisung zunr billigen Bezug von Maisgrieß, Maismehl, Teigwaren usw.
*• Der Jungdeutschland-Bund (Bezirk Gießen-^tadl) hält morgen abend 6% Uhr im Kaiserhof seine diesjährige Bezirksausschuß-Sitzung ab.
** Seife n bezug der Wäschereien und technischen Betriebe. Bekanntlich erhalten Wäschereien und sonstige technische Betriebe auf Antrag Ausweise, welche sie zum Befuge von Seife berechtigen. Diese Ausweise tverden auf Antrag solchen Wäschereibetrieben, welche weniger als 10 Arbeiter beschäftigen, von der zuständigen Ortsbehörde erteilt Wäscherei- betrieben 7nit 10 Arbeitern und darüber, famric allen sonstigen technischer Betrieben dagegen vom Kriegs au sschust, Seifenkantrolle, Berlin, Unter den Sinbttt 68 a. Das Bezugsrecht für Seife lmtb mir von Mvnat zu Monat erteilt. Damit Verzögerungen nicht eintreten. fst es besonders für die vom Krieg saus schuß aus mit Bezugsscheinen zu ^versehenden größeren Betriebe erforderlich, ihren Antrag rechtzeitig zu stellen. Es kann keine Gewähr dafür übernommen werden, hast die Firmeil ihren Bezugsscl>ein bis Lum 1. des mäclLten Monats in Händen haben, wenn die Anträge nicht bis zmn 15. bei dem Kriegsausschuß vorliegen. Da der Antrag auf den vvrgeschriebenen Formularen unter Beantwortung des obligatorischen Fragebogens erfolgen muß, haben die Betriebe sich möglichst bis zum 10. dieses Monats cm den Kriegsausschuß mit dem Ersuchen um Zusendung eines Antra gsormulars zu tvenden. — Es sei nachdrücklich darauf hingewiesen, daß technische Betriebe das Bezugsrecht für Seifen lediglich für die technischen Zwecke des Betriebes selbst, d. h. für die Fabrikation selbst erhalten. Unzulässig ist der Bezug von Seife für Reinigungszwecke des Personals, für Scheuerzwecke usw. Das Personal hat den für seine Reinigung während der Betriebs stunden erforderlichen Seifenbedarf aus dem Quantum, welches ihm auf Grarnd der Brotkarte zusteht, zu entnehmen. Anträge aus Erteilung von Bezugsscheinen zur ^Belieferung des Personals mit Seife und ftir Reinigungs- und Scheuerzwecke in den Bettreben sind daher zwecklos. Tie zuständige Orts- behördc für die Erteilung von Ausweisen zunr Seifenbezuge für Kleinbetriebe ist in Berlin der Magistrat.
** Besetzung der Gewässer mit Fischbrut. Mau schoekbt uns: Die Ansmrtzrmg der Gewässer zur Nahrungsmittel- erzeugung ist auch in diesem Jahre allgemeine Pflicht. In nicht allzu stark verunreinigten Gewässern, besonders in stehenden und ruhig fließenden, in Deichen, Dorftümpeln, vor allem solchen, die dunghälttge Zuflüsse empfangen, befindet sich eine Menge niederer Lebewesen, die Fischen zur Nahrung dienen können. Vielfach fehlt es aber an mrtzbaren Fischen, weil sie keine günstigen Vermehrungsbedingungen in dem Wasser vorftnden. Solche Gewässer sollten durch Besetzung mit Setzlingen oder Brut aus Teichwirtschaften nutzbar gemacht werden. Jedoch heißt es, mit der knapp vorhandenen „Saat" des Fischereiwirts sparsani umgehen, keine ungeeigneten Gewässer besetzen. Daher müssen alle, die nicht über genügende Erfahrun^n verfügen, Fischereisachverständige befragen. Die Beratung erfolgt kostenlos durch Fischereibvamte und Fischerei- Vereine. Wo die zuständige Stelle unbekannt ist, wird sie gerne nachgewiesen vom Deutschen Fischerei-Verein, Berlin W 10, Kö- nigm-Augustastraße 21. Man hat wiederholt die Beobachtung gemacht, daß leider die zur Verfügung stehenden Tümpel, Teiche usw. genaue wie unsere Oedländereien behandelt iverden. In der Lüneburger Heide haben wir einige Bezirke, wo jedes Wasserloch für Fischereiziveckc ausgenutzt wird. In zahlreichen Teilen des Reiches, besonders im Westen, werden die Dorfteiche, Mühlteiche, tiefe Gräben usw. überhaupt nicht nutzbar gemacht. Meist liegt es daran, daß man die wirtschaftliche Bedeutung dm Wässer nicht genügend kennt, bezw. die Erträgnisse, die man daraus erzielen rann, nicht genug schätzt. Wir möchten deshalb bitten, auch die Frage etwas näher zu Prüfen. Vielleicht ist auch hier ein öffentlicher Hinweis am Platze.
** Giestener Freilichtbühne. Wie wir hören, sind die Vorbereitungen zur diesjährigen Sommerspielzeit schon im Gange Zu Wallen st eins Lager, womit die Spielzeit voraussichtlich schon Ende dieses Monats eröfsuet lvird, sind schon Stellproben gehalten worden.
** W e i tere 800 Franzosen aus den Kämpfen- mn Verdun sind gestern morgen gegen 9 Uhr im hiesigen Gefangenenlager eingeliefert morden.
** Zum Verzeichnis der P o st s ch e ck k u n d e n bei den Postscheckämtern im Reichspostgebiet wird in den nächsten Tagen der 1. Nachtrag (Stand vom 1. Mai) erscheinen; er wird den Beziehern des Hauvlverzeicbnisses kostenfrei geliefert.
** Der nächste städtische Seefischmarkt beginnt Dienstag, den 16. Mai 1916, vormittags 8 Uhr, in den Marktlauben. Zum Verkauf kommt u. a. Rauchfisch als Ersatz für Rauchfleisch.
** Der städtische Kolonialwaren-Verkaus in der Neustadt wird einstweilen Dienstags, Donnerstags und Samstags eingestellt werden, da an diesen Tagen die bestellten Spargeln ausgegeben werden.
** Stenographie. Am Sonntag, den 31. Mai, vorm.
Uhr, findet in der Stadtmädchenschule seitens des Bezirks Gießen Gcrbelsberger'scher Stenographen das Frühjahrs-- Wettschreiben in den Abteilungen von 60 Silben in der Minute auswärts (je 20 Silben fteigenb) statt. Verbunden ist hiermit eine Geschäftsstenographen- und Praktikerprüfnng (Abteilung voir 150 Silben in der Minute auswärts, 10 Minuten-Tiktat).
** Hassia. Der diesjährige Bezirkstag des Hassia-Bezirks Gießen findet nächsten Sonntag, den 21. Mai. statt.
"Sein 4 0 j ä h r i g e s D i e n st j u b i l ä u m begeht morgen Philipp Zink, Ober-Postschaffner.
** Seifenverbrauch in Krankenanstalten. Der Bezug von Seife durch Krankenanstalten ist nach folgenden Grundsätzen geregelt: a) Wäschereibetriebe der Krankenanstalten: Der Wäschebetrieb der Krankenanstalten ist als technischer Betrieb zu betrachten und wird durch Erteilung von Ausweisen in die Lage .versetzt. Seife einzukaufen. Sofern im Wäschereibeirieb weniger als 10 Personen beschäftigt sind, ist der Ausweis von der zuständigen Ortsbehörde zu beschaffen. Sind im Wäschereibetrieb mehr als 10 Personell beschäftigt, so ist ein Monatlich zu stellender Antrag an den Kriegsausschust für pflanzliche und tierische Oelc und Fette, Abteilung Seifenkontvolle, Berlin NW 7, Unter den Linden 68a, zu richten, welcher für das monatlich zu beziehende Sei seng uan tum einen Seifenbezugsschein ausstellt. Zu Scheuerzweckerl ist der Verbrauch voil Seife und seifehaltigen Waschmitteln ausgeschlossen, b- Seifenverbrauch der Aerztc, Hebammen und Pfleg'epersoneu: Dec Seifeichezug für den, persönlichen Verbrauch, der ybxn ge-
lraniitm Personen aus B^u^schein ist nicht zulässig. Die genannten Personen haben ihren Seisenbedarf selbst zu beschaffen, und zwar gegen Vorlegung der Brotkarte. Gegen entsprechenden Ausweis der zuständigen Behörde wird denselben auf Brotkarte das gesetzlich vorgeschriebene Zusatzquantum an Feinseife verabfolgt, c) Seisenbezug der Patienten: Diese sind mit Seife ebenfalls nur auf Grund der Brotkarte zu versorgeil. Falls die Betreffenden nicht über Brotkarten verfügen, ist der Bezug auf Gruud des nach § 2 der Bundesvatsvevordirung von der zuständigen Ortsbehörde zu erteilenden Ausweises zu bewirken. Es wird erforderlich sein, daß auch diejenigen Seifen mengen, welche zu therapeutischer Verwendung dienen, von dem lauf Brotkarten &u «erhaltenden Quantum entnommen werden, d) Seifenverbrauch für spezielle Zwecke : Sofern ein Seifen verbrauch für spezielle Zwecke stattfindet, z. B. zur Reinigung enrpfindlicher Gegenstände, welche dem ärztlichen (öc- brauch dienen, kann auf besonders begründeten Antrag au den Kriegsausschuß, Abteilung Seifenkontrolle, der Bezug der hierfür erforderlichen Seifenmenge auf Bezugsschein vom Kriegsausschuß gestattet werden. — Es sei darauf hingewiesen, daß die äußerste Sparsamkeit im Gebrauche von Seife beobachtet wird, und daß in jedem Fall, in welchem Seife durch ein fettfreies Ersatzmittel ersetzt werden kann, ein solches zur Anwendung kommt.
** Städtischer S Parg e l der k au f. Die zweite Sendung Spargel wird voraussichtlich hellte eintrefsen. Die Verteilung erfolgt Dienstag, den *16. d. Ml, von 2—6 Uhr in dein .Hause ssteustadt 61, gegen Vorzeigung der grünen Ausweiskarte. Außerdem erhalten iioch Spargel die Inhaber von weißen Ausweiskarten, die aus 4 und mehr Pfund lauten. Alle Lieferungell erfolgen in diesem Falle nur im Gewicht bis zu 3 Pfund.
Landkreis Gießen.
Wa. Annerod, 15. Mai. Die am 11. Mai oberhalb der Gießener Lahnbrücke gelandete unbekannte männliche Leiche war mit dem seit dem 2. Mai vermißten Landwirt Ph. Hammel von Annerod identisch. Tie Leiche wurde vergangenen Samstag von den Angehörigen itacf) Annerod überführt.
)( Weickartshain, 13. Mai. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern auf der hiesigen Erzwäscherei der Gewerkschaft Luise. ' Der jugendliche Arbeiter Ernst Trüller von hier, der damit beauftragt ist, die mit Erz gefüllten Seilbahnwagen zu entleeren, blieb mit seinem ledernen Handschüh an einem Wagen hängen. Der sich selbsttätig einknppelnde Wagen riß Trüller bis vor den Waschball mit fort. Durch das Geivicht des freischwebenden Körpers riß nun der Handschütz, und der Bedallernswerte stürzte in die Tiefe von 12 m. Wnnderbarerweise hatte er bei seinem Falle solches Glück, daß er, ohne innere Verletzungen zl» erleiden, mit dein Bruch der beiden Unterarnle davoil kam. Trüller war sogar noch imstande, den erwa ILstündigen Weg nach Hause zll Fuß zurückzulegen. — Wehrmalln Heinrich H o s m a u n von hier, der am 17. März 1915 schwer verwulldet in französische Gefangenschaft geriet, befinde! sich, wie er mitteilt, zwecks Austausch bereits zll Brunnen in der Schweiz.
Kreis Alsfeld.
:: S t o r n d o r f, 14. Mai. Wieder siild zwei junge tapfere Leute aus unserer Gemeinde dem Kriege zum Opfer gefatleil. Nach 20monatlichen Kämpien starb im Alter von 25 Jahren der Ersatzreservist Karl Schäfer von hier den Heldentod. Wie tapfer er gekänlpft hat rnld wie beliebt er bei seinell Kaineraden lvar, beweist ein Schreibeil seines Koinpagnieft'ihrers an die Angehörigen. — Ferner fiel Kanonier Heinrich Weisel. Er hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder. Tie ganze Gemeinde nimmt an diesem schweren Verluste lebhaften Anteil.
Kreis Schotten.
'ßll L a u ba ck 14. Mai. Gestern mittag 4 Uhr fand aus hie- siogem Friedhof die feierliche Beisetzung des an schwerer Verwundung sin Lazarette in Heidelberg verstorbenen Musketiers Friedrich Kr au. bestatt. Die herzliche Teilnahme, die die Einwohnerschaft unserer ^-tadt beu Eltern, die den einzigen Sohn Ergeben mußten, entgegenbringt, bewies die überaus zahlreiche Beteiligung der sämtlichen Vereine, der verwundeten Kameraden des hiesigen Lazarettes, sowie der gefaulten Bevölkerung. Auch eine Mteilung des Gießener Regiments 116, dem der Verstorbene angehört hatte, war vertreten. Am Grabe widmete Pfarrer V o l p zu Herzen gehende Trosieswortc den Angehörigen. Die Regiments-Kameraden eriviesen durch ^Nieder legen eines ^a^e^ und die übliche Ehrensalve dem Verstorbenen die letzte Ehre. Krauß ist der dritte Krieger, der aut hiesigem Friedhof die letzte Ruhestätte fand.
Kreis Friedberg.
0- Bad-Narlheim, 15. Mai. Freifrau voll Wrede, die Tochter des ehemaligen Salineninspettors Weiß, auf dessen Veranlassung im Jahre 1833 die ,S o o l b a d - A n st a l t Rauhe i in" gegründet wurde, feiert heute ihren neunzig steil Geburtstag. Denr Wunsche der alteil Dame entsprechend wurde der Tag ganz in der Stille begangen. — In einer gestern llnter Vorsitz von Bürgermeister Dr. K a y s e r abgehaltenen gut besuchten Versammlung der Vereinigung für Gold- m ü n z e n n m t a u s ch ivnrde die Errichtung einer Goldankalls- st e l l e beschlosseil. Die Verwaltlrng überniinmt der Spar - und Vorfchußverein ohne jede Vergütllng, da der Verein die ihm von der Reichsbank zugebilllgten Prozente der hiesigen Kriegsfür- sorge vom Roten Kreuz überweisen wird. Wöchentlich findet ein Ankanfstag statt. Gold jeder Art lvird an Ort und Stelle ab- geschätzt ilnd der sich ergebende Betrag sofort ansbezahlt.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 15. Mai. Wie das Landratsanlt bekannt inacht, wird der Kreis zur Einmachezeit genügende Zrecker- in e n g e n zur Verfügung stellen, ^lnßerdem lvird den Viehzüchtern bekannt gegeben, daß der Kreis verschiedene Fntternlittel, zum Beispiel Trockenschnitzel, Eilveißkraftsutter und Eiweißstrohkraftfntter abgibt.
--Fulda, 15. Mai. Der Mörder des am 15. Febrrrar 1912 bei Niesig erschossenen Försters Nomanus, der Zigeuner Hermann Ebender, ivurdc am Freitag abend nach Beendignng der Auslieferungsvcl Handlungen mit Holland von der Grenzstation Sit- tard hier eingeliefert. Eine große Menge dllugiettger hatte sich am Bahnhoß eingefunden. Der Mörder ivnrde noch am 'Abend einerni läirgeren Verhör unterzogen. — Von der Mordgesellschaft Ebender find nunmehr alle Mitglieder bis ans Wilhelm Ebender, der noch nicht gefiinden ivurde, verhaftet bezw. abgeurteilt worden.
--- Frankfurt a. M., 14. Mai. Die Polizei verhaftete in der H apmann scheu Mvrdsache als vierten Mitlielfer beit 19jährigen Steftldrucker Heinrich Llldwig. Ludwig hat in Ge- nleinschaft mit Münder bereits acht Tage vor der Mordtat bel Hapmann einen Einbruch versucht, der aber fehlschlug. Er führte dann bei der Firma Hartmann und Braun in Bockenheim mit Atülrzer einen Einbruch aus, bei dem ihnen eine Geldkassette mit Inhalt in die Hände fiel. Das ^ld haben die Burschen dann unter sich geteilt und die Kassette vergrabeil.
-- Frankfurt a. M., 14. Mai. Zur Begründung einer „Deutschen Gesellschaft für soziale Hygiene" hat Sanitätsrat Tr. Hanauer einen Ausschuß gebildet. Die Gesellschaft soll u. a. besonders betreibeil: Jugendfürsorge, Frauen- und Mutterschutz, Bolksseuchenbekämpfuug und volksttimliche Aufklärung über Gesundheitslehre.
Die Unsitte der Uriegsabzeichen in Frankreich.
Seit langeur schon ivurde iil der französischen Oeffentlichkeit immer wieder der Wnilsch ansgesprocheil, daß jene Hceresangehöri- gen, die sich zur Erholung oder, iveil sie nicht inehr felddienstfähig sind, in Paris uild in der Provmz anfhaltm, durch ein besonderes Abzeichen als Leute kenntlich genmcht würden, die dein Vaterlande ini Kampse gedient liaben. Dieser Wunsäs« war auch iusosern verständig und vernünftig, ja gewissermaßen sogar eine Pflicht, da die große Zahl der in Frautreich angeblich zur AilSübung von Bureau- diensten lebeiweil unitorniierteu Drückeberger die aus bcu obeil angeführten Gründen sich, ebenfalls int Hinterlande aufhcütenden Krie-,
ger hbchst unliebsamen Verdächli^ungen und Aurempelwigeu cmssetz- teil. Mehr als einmal mußte ein Soldat, der ivegen einer nicht mehr sichtbaren Wunde vom Frontdienst zuriiag-'uellt iirf und darum in der 5peiinat lebte, es sich gefalleil las,eil, als ein Drückeberger behandelt zu werden. Nunmehr hat tue französische Regierung endlich dein Drängen der Bevölkerung und der Presse nachgegeben und neue militärische Abzeichen eingeführt, um in Zukunft derartige Berweichslungen imrd Mißverstmloilisse unmöglich zu machen. Dock) wenn man früher in dieser Beziehung überhaupt nichts unternahm, so tat man nunmehr des Guten allzu viel, indem man eine Unmenge der verschiedensten, unter den verschiedenartigsten Besttm- mnngen und Umständen zu tragenden Abzeichen schuf, die den verwundeten oder beurlaubten Krieger geradezu zu einer Art Maskerade zwingen. So lwurde eine grün und goldene Tresse eingeführt, die jeder Mann, der einer össcutlich wegen ihrer Tapferkeit ae- lobten Armeegruppe angehört, auf der linken Schulter trägt. Dieses Abzeichen behält der Mann stets bei, welche Wandlungen intmec sein Militärleben auch mhmen mag. Doch da man itim einmal dabei war, Frankreich durch Abzeichen zil verherrlichen, führte man auch ein alleres Zeichen in '^01 eines V ein, das auf den linken Aermel aufgenäht ivird. Dieses V bedeutet ein Dienstjahr, und mit jedem neuängefangenen Dienstjahr wird auch ein neiles V hinzugesügt. Ein anderes Abzeichen wieder gibt davon Kunde, daß der Träger im Felde eine Verwunomrg erhalten hat. Ta arait von dem letztereil Abzeichen ebensoviele Exemplare ttägt, als man Verwundungen — und mögen es auch mir lleine Schrammen gewesen sein — erlitten bat, so mag man sich vorstellen, mit wieviel verschiedenartigen Abzeichen die Unifoim eines Mannes^ übersät sein mag, dessen Regiment mehrmals offiziell belobigt wurde, der mehrere Dienstjahre hinter sich hat und eine größere Anzahl leichter Verletzungen ettitt. Die Pariser Presse aber scheint nichts dagegen zu haben, daß die Uniformen von oben bis unten bemalt, bestickt und bezeichnet wer- ojjt, sie drückt im Gegenteil die Hoffirung ans, daß man auch für alle anderen Dinge, die deil Zivilisten all einem Soldaten inter- efiteren können, recht große und sichtbare Abzeichen finden möge.
Vüchertisch.
- D i e E r st ü r m u n g v 0 n F 0 r t u n d D 0 r f D 0 u a it- mont, eine der Heldentaten lmserer braven Feldgrauen, schildert in den lebhaftesten Farben ein Mitkänrpfer in den soeben erschieneneil Heften 75/77 von Bongs illustrierter Kriegsgeschichte „Der Krieg 1914/16 in Wort und Bild". (Deutsches Verlagshaus Bong L Co^ Berlin W 57, wöchentlich ein Heft zunr Prsise voll 30 Pfg.).
panvel.
— Gewerkschaft Gießener Braun ft einberg» werke vormals Fernie in Gießen. Dem Vernehmen nach sind nunmehr Verhandlungen, von denen wir früher sck-oil Notiz genommen hatten, zu einem greifbaren Ergebnisse gediebeil. Ein großes rheinisches Bankhaus bietet den Gewerken mit Erklä- rungssrift bis 20. l. Mts. für die Kuxe der Gew^erksckiaft 4550 Mk. pro Stück, ein Preis, der über dem gegenwärttgen Kurse des Papiers liegt. Ansck)einend stehen hinter dem Bankhause größere Verbraucher der Manganerze, die imstande find, bedeutende Bir- mittel zu investieren, um die Leistungsfähigkeit des Werkes durch Neuvorrichtungen und Bettiebsanlagen für die nächsten Jahre sicherznstellen. Es ist bekarrnt, daß das Werk für die Bedürfnisse der kriegsstahlerzengenden Industrie stark in Anspruch genommen worden ist, namentlich auch« mit unzureichenden und teilweise nn- geschulten Arbeitskräften, und daß heute Anfichlüsse und Einlagen verschiedener Art, insbesondere auch die Verstärkung der elektrischen Zentrale. von sachkundiger Seite für dringlich! notwendig erllärt worden sind Die Gewerken nrüßten wohl ihre Ansprüche aus Ausbeute erheblich herabmindern, wenn aus Mitteln der Gewerkschaft diese Verbesserungen bestritten werden sollten.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlichcr Wetterdienst, Gießen.
Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 16. Mai 1910 Bedeckt, zeitweise Niederschläge, kühl.
Letzte Kachrichten.
Dir Offensive auf dem Balkan.
Lugano, 15. Mai. Der „Secolo" meldet aus Saloniki: Mit dem Vormarsch des E n t e n t e h e c r c s gegen F l 0 - rina und Scres hat die erste Phase der Osseitsive begonnen. An vielen Punkten sttinden sich die feindlichen Heere aus nur vier Kilometer Entfernung gegenüber. Gleichzeittg ivürden überall Wege fi'ir Artillerie und Train angelegt. Fortivährend kommen, wie das Blatt weiter rneldet, an Bord ftanzösischer und italienischer Schifte serbftche Truppen an, die im Norden der Halbinsel Chalkidike versammelt werden.
Aspuiths Reift nach Irland.
London. 15. Matz Der politische Korrespondent der „Mornin g Post" meint, A s q n i t h sei l-auptsächlich deshalb nach Dublin gefahren, damit Erörterungen der irischen Frage im Parlament vorläufig verhindert und den Nattonalisten Zeit gegeben werde, sich zu beruhigen.
Rotterdam, 15. Mai. Asquith ist am Freitag in Begleitung seines Privatsekretärs im Schlosse von Dublin ein- getrofsen, wo er nnt General Maxtvell imd den höheren Berwal- tungsbeantten Unterredungen hatte, die nach Meinung der „Times" sich besonders erstrecken werden auf Erötterungen über die Not- ivendigkeit der Vollstreckung weiterer Todesurteile, über die Dauer des Belagerungszustandes und den Sä-adenersatz für die Zerstörungen durch den Aufruhr. Eine Anzahl irisck>er Lords erließ eine Protesterklärung, daß während des Belagerungszustandes die Regierung sich in die Befugnisse des Oberbefehlshabers einmische.
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Amtlicher Teil.
Bekamrturachuug.
Tie Diensträume des Großh. Finanzamts Gießen befinden sich jetzt im Amtsgerichtsneubau Ost-Anlage 11.
Ter Eingang ist von der Wiesenseite.
Gießen, den 9. Mai 1916.
Großherzogliches Ksteisamt Gießen.
Dr. Usinge r.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Walzarbeiten lvird die Kreisstraße Wieseck— Mten-Buseck", von dem Wziveig und) Trohe an, von Äontag, den 15. Mai l. Js. bis ans weiteres für den Fnhrwerks- ünd Automobolverkehr gesperrt.
Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über ^rvhe—Rödgen— Gvoßen-Bnseck und Taubringen.
Gießen, den 13. Mai 1916.
Grobherzogliches Kreisamt Gretzen.
I. AZ.: Hemm erde.


