Die „Timetz" über die Steigerung der Leben-mittel.
' L o n d o n , 8. Mai (WTB.) Die „T inte s" schreibt in einem Mtttartrrcl: Das Publikum hat unklare und optimistische Ideen Liber die Steig e r 1111 a der Preise. Das ist ein gefährlicher fJ-rrtnm C > liündelt sich nicht um eine vorübergehende Unbeauem jlichkeit, sondern die Teuerung hat eine sehr ernste Bedeutung. Die Meinhandelspreise für Lebensmittel sind sejit Juli 1914 um 50% lyefbiegen. Die allgemeine Tendenz ist steifend und wird es blei- .sb e n. Dieser Enttvicklung läßt sich nicht Einhalt tun, noch viel weriger läßt sie sich ins Oiegenteil verwandeln. Das Blatt glaubt, daß der Notlage dadurch abgehiolfen werden könne, lvenn alles Land, daÄ jetzt zum Golfspiel benutzt wird, für landwirtschaftliche 'Zwecke verwendet werden würde.
London, 10. SOtai. (WTB.) Die Preise für einge- /führtet Fleisch sind jetzt 12 bis 16 Pfennig für das Pfund Höber al-A die für englisches oder schottisches 'Fleisch, während das Verhältnis früher umgekehrt war. Die „Times'" weinen, daß, die allgemeine Einführung eines fleischlosen Tages in der Woche die Preise um 14o/o herabsetzen würde.
Eine schöne englische Selbstkritik.
London, 8. Mai. (WTB.) In der „Da i lyMail" schreibt Dovat Fraser: Die englische Regierung ist der größte Fabrikant van Siegen, den man je in der Geschichte gekannt hat. Wenn sie im Kriege selbst ebenso kühn wäre, wie in ihren „Erklärungen", so wäre der Kampf längst vorbei. Sie hat es so^ar verstairden, Gallipoli auszunutzen. Wir haben, sagte sie, die Achibaba-Höhen von Anaforta allerdings nicht genommen, »aber seht doch, wie w n nd er vol l w ir u n s aus de m S ta u b e gemacht haben. Die Regierung hat sich der irischen Dinge ,beinahe gerühmt. Sie gab zu, daß gegenüber den Sinn-<Feinern JvM ein kleiner Fehler gemacht worden sei, aber sie verlangte Bewunderung für die Energie ihrer Mion, nachdem die besten ^Stadtteile von Dublin in Trümmer geschossen worden waren. -Jetzt, versucht sie. die Nation zu überreden, daß sie einen crstaun- .lich gesckpckten und N'eitschauenden Zug getan habe, als sie General Dowushend i'n Kut-el-Amara einschließen ließ. Aber tatsächlich war es die Uebergabe der größten britischen Streitmacht, /die die Geschichte kennt. Man muß dazu die Verluste, in der Schlacht -von Ktesiphon rechnen. Kein einziger Llbgeordueter hat bischer im Parlament gefragt, wie groß die Ge samt Verluste in Mesopotamien gewesen sind. Mit leichtfertigen Erklärungen können die »Tatsachen nicht aus gelöscht werdm, daß wir zweimal die größten -Niederlagen von den Türken erlitten haben, aus Gallipoli und am Tigris, unb nicht durch Mangel an Mut unserer Truppen, sondern jdurch den Wechsel zwischen zögernder Schwäche und iinpulsiver AeicAfertigkeit unserer Regierung in der Leitung des Krieges.
Irländische Sorgen im englischen Nnterhaus.
! Londo n, 10. Mai. (WTB.) Unterhaus. Im Laufe der ' Beratung über die Bestimmungen des D ic n st p fl i ch t g e s e tz c s stellte Lonsdale, der Vertreter von Ulster, den Antrag, Irland !in das Gesetz einzubeziehen. A sch n i t h führte demgegenüber aus, ;daß der Mangel au Einmütigkeit unter den Vertretern von Irland 'über diese Frage eine erregte Erörterung veranlassen würde, die jdas Gesetz, das so dringend notwendig sei, mir verzögern müsse. .Bei der Besprechung der Ereignisse in Irland sagte er, er glaube, bis schreckliche Prüfung werde hinauslaufen auf die Befestigung des I Zusammenhanges unter den loyalen Irländern aut einem breiteren >Maße von Uebereinstimmung, als er jemals in der Vergangenheit j vorhanden war. Die Regierung fee gezwungen, die ganze Frage der iMilitär ischc VerhältnisseinJrl andnnddes Tragens, Besitzes und Gebrauches von Waffen nachzuprüfen. Er hoffe, daß eine allgemeine Uebereinstimmung -über diese Frage erreicht werden würde. Redmond erklärte, eA jwürde unsinnig sein, im gegenwärtigen Augenblick Irland einen ^Zwang auferlegen m wollen. Er hoffe, daß die beiden irischen Parateren sich bald zus-mwnenfindnr 'und daß durch eine großzügige, staatsmännische und weitteichende Rücksicht auf die höchsten Interessen des Reiches alle Schwierigkeiten überwunden werden, pund daß es ein vereinigtes Irland geben möge, ausgestattet mit SRegierungsverantworttichLeit und Macht. Churchill, der, wie chekannt wird, zur Polittk zurückgekehrt ist. da sein Bataillon an D-er Front mit einer anderen Einheit verschmolzen worben ist, be Imte die Wichtigkeit des Problemrs. Der Anttag L o n s d a l e wurde vbgelehnt.
Ein englisch-russisches Abkommen.
London, 10. Mai. (WTB.) Meldung des Reuterschen s Bureaus. A s a u i th hielt bei einem zu Ehren der russischen jTumaabgevrdneten veranstalteten Bankett eine Rede, in ldec er sagte, daß die beiden Regierungen über die türkische und l-perfrsche Frage und alle anderen Punkte, wo sich russische und -englische Interessen berühren, geeinigt haben, um eine Politt? sesnulegen, die sie!in Zukunft in gegenseitigem (Änvernehmen loyal befolgen werden.
Zu den Angriffen auf die englische Ostküste.
London, 10. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. In einem Briese an Bürgermeister Jarmonth von Lowestoft anläßlich der deutschen An- 'griffe auf die Ost- und Südostküste schrieb der Erste Lord der Admiralität Balfour u. a.:
Es ist den Deutschen nicht sehr zu raten, das Experiment zu wiederholen, selbst, wenn rmsere Seestrettkräfte an der Ostküste nicht anders verteilt wären als früher. In den früheren Phasen ,des Krieges mußten wir aus sttategischen Gründen unsere Schlachtsflotte in mehr nördlichen Gewässern bereithalten für den Fall
Jahres torpedierte vermeintliche Kriegsschiff in der Tal mit dem Dampfer „Su s s e x" identisch isk. Die deutsche Regierung hat die Regierung der Vereinigten Staaten hiervon benachrichtigt 'und ihr mitgeteilt, daß sie hieraus die Folgerungen im Sinne der Note vom 4. d. M. zieht.
Die „Tubarrtia".
Berlin, 10. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt: Niederländische Zeitungen bringen die Nachricht, daß^ die „Tnbanti a" durch die Abgabe eines deutschen Schiffes ungefähr des gleichen Wertes ersetzt werden würde. Diese Nachricht ist anscheinend dazu bestimmt, in den Niederlanden den Verdacht zu erwecken, daß deutsche Soestveitkräfte trotz der gegenteiligen Feststellungen der deutschen Regierung die „Dnbantia" vernichtet hätten. Da die „Tnbantia" nicht durch einen deutschen Angriff verloren gegangen ist, kann auch tin Ersatz durch ein deutsches Schiff nicht in Frage kommen.
Berlin, 10. Mai. (Priv.-Tel.) Die Z. a. M." meldet aus Amsterdam vom 9. Mai: Der Withe Star Dampfer „C y m r i f" war nach' dem „Journal of Commerce" von der englischen Regierung für den Transport von Munition und anderein Kriegsmaterial gemietet worden. Vor einiger Zeit wurde angeordnet, daß bit „Cynrrik" und fünf andere Dampfer der Gesellschaft keine Passagiere und Fracht mehr an Boro nehmen dürfen und lediglich Heeresausttäge für Rechnung der englischen Regierung zN übernehmen haben
de^
Aur dem Reiche.
Der Fall Liebknecht.
Berlin, 10. Mai. (WTB.) In der heutigen Sitzung Geschäftsordnungsauss ch u sses des Reichs
einer langdauernden militärischen Aktion des Feindes,
wie zum
Beispiel für euren Lmrdungs versuch. Sie konnte aber nicht gegen kurze Angriffe unter dem Schutze der Nacht verfügbar sein. Im Laufe des Krieges hat sich unsere maritime Lage gebessert. U-Boote und Monitore, die einen Bestandteil der großen Flotte bilden sind jetzt in wachsender Zahl für Zwecke der Küstenverteidigung verfügbar, und das Anwachsen der Stärke unserer großen Flotte selbst ermöglicht es uns, wichttge Seestreitkräfte nach dem Süden zu bringen, ohne unsere Ueberlegenheit an anderen Stellen im geringsten zu gefährden. Es wäre nicht zweckmäßig, weitere Einzel 'heilen anzuffihren, aber ich glaube, ich habe genug Gründe für merne Uebeczeugung angegeben, daß weitere Angriffe aus die Küste von Norfolk in Zukunft für die Angreifer sehr viel gefährlicher sein würden als bisher. Uird wenn der Feind weise ist, vermindert sich die Wahrscheinlichkeit solcher Angriffe.
Es scheint bei diesen Aeußerungen des Lords doch auch etwas A-engstlichkeit mitzuspielen^ da es höchst verdächtig ist, daß er an die Interessen der deutschen Mcrrine zu denken vorgibt.
* * *
Die amerikanische Armee.
Paris, 10. Mai. (Zf.) Den Blättern wird aus Washington yeim'ttet: Das Repräsentantenhaus hat die Bill betr. Verstärkung d e r A r m e e, bie gegenwärtig mehr als eine Million Mann umfaßt, abgelehnt.
Der §eektteg.
Der „Snssex"-Falt.
Berlin, 10. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Mg. Ztg" schreibt : Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, sind die bisher noch ausstehenden Feststellungen zum ,,S u s s e x" - F a l l in der Zwischenzeit erfolgt. Nach tem Ergebnis der damit abgeschlossenen Untersuchung ließ pch d:e aus dem hier damals bekannten Tatsachenmaterial gM»«7nene Ansicht, daß die Beschädigung der „Sussex" auf eine andere Ursache, als ans den Angriff eines deutschen Unterseebootes zurückzusühren sei, nicht aufrecht erhalten. Cs tarnt nicht mehr bezweifelt werden, daß das von einem deutschen Unterseeboot am 24. März dieses.
tages schilderte der Berichterstatter Abg. v. Payer (Fortschr. Volksp.) an Hand von Akten die Vorgänge, die zu der Verhaftung des Wgeordneten Dv. Liebknecht geführt haben. Danach ist dieser geständig, am 1. Mai 1916 an der „F r i e d e n s k u n d g e b u ng" auf dem Potsdarner Platz teilgenonnnen und dabei durch Rufe wie „Nieder mit cm Krieg! Nieder mit der Regierung!" die Anwesenden anfgereizt zu haberr. Der Berichterstatter verlas ein von Liebknecht verfaßtes und verteiltes Flugblatt mit der Ueberschrift: „Aus zur Maifeier" und den Handzettel, der zu der Versammlung auf den: Potsdamer Platz einlud. Liebknecht gibt zu, solche Handzettel, von denen er noch 120 Llbdrucke bei sich trug und die Flugblätter, von >enen 1340 bei ihm vorgefunden wurden, verteilt zu haben, oweit es ihm möglich war. Er habe mit der Kundgebung eine Meinung zum Ausdruck gebracht. Er sei der Ueber- zeugung, die Ordnung nicht gestört und Landesverrat nicht verübt zu haben. Liebknecht hat ferner zugegeben, daß ihm bekannt war, daß er als Armievungssoldat Uniform zu ttagen hat, während er am 1. Mai auf dem Potsdamer Platz in Zivil erschien. Zur Verlesung gelangten ferner die Zeugenaussagen der beteiligten Polizeioffiziere, Schutzleute und anderer Zeugen. Aus dieseir geht hervor, daß Liebknecht sich gegen seine Gefangennahme durch körperliche Kraftansttengung gesträubt hat, so daß seine Fortführung mit Gewalt erfolgen mußte. Der Berichterstatter erklärte, es sei jeder Zweifel ausgeschlossen, daß Liebknecht zur Bekämpfung der eigenen Regierung ausgefordert und den feindlichen Mächten Vorschub geleistet habe. Ferner sei er auf ftischer Tat ertappt worden. Es handele sich hier um ein Verbrechen, das den Reichstag nötige, von der bisherigen Praxis, ähnlichen Einträgen auf Aussetzung des gerichtlichen Verfahrens znznsttmrnen, a b zu we i ch e n.
Ein sozialdemokratischer Abgeordneter gab die Berechtigung der Verhaftung des Abgeordneten' Liebknecht zu, erklärte aber, daß die Iminunitätder Abgeordneten auch für die Zeit der Vertagung gelte. Nicht Sympathien für Liebknecht hätten ihn ttnd seine Freunde bei ihren: Anträge geleitet, sondern die rein sachliche ENvägnng, daß es sich hrer uni ein Recht des Reichstages handele. Die Redner der Nationalliberalen, des Zentrums, der Konservativen und der Deutschen Fraktion stimmten dem Berichterstatter zu. Der Vertreter der polnischen Fraktion erklärte, man solle dem Mgeordneten Liebknecht den Schutz der Jnrmnnität nicht vensaaen. Der Ausschuß hat die schleuuigen Anträge der sozialdemokratischen Fraktion und der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft ans Aussetzung des Verfahrens gegen den Abgeordneten Liebknecht nnd Aufhebung der über ihn verhängten Haft gegen die beiden sozialdemokratischen und die eine polnische Stimme ab gelehnt.
B e r l: n, 10. Mai. (WTB. Amtlich.) Der Reichskanzler empfing den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Hertling zu einer Aussprache über all- g e m e: n e F r a g e n, wie sie von Zeit zu Zeit zwischen dem Kanzler und den leitenden Ministern der größeren Bundesstaaten stattzufinden pflegt. Es ist falsch, den Besuch des Grafen Hertling in Berlin mit Personalveränderungen innerhalb der Reichsregierung oder speziellen Organisationsfragen auf dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung in Verbindung zu bringen. Dabei wird bemerkt, daß in der Tat eine Verbesserung und Vereinheitlichung des Verwalttmgs- apparates im Werke ist, dem die Ausführung der Bundesratsverordnungen obliegt. Die Errichtung einer den Bundesrat ausschaltenden Lebensmitteldiktatur, wie sie ein Abendblatt ankündigt, ist selbstverständlich nicht geplant.
Berlin, 10. Mai. (WTB.) Im Ab georbneten- hause traten heute die Führer der Fraktionen mit dem Präsidenten zu einer Besprechung zusammen. Man einigte )ich dahin, daß das Plenum des Wgeordnetenhauses am 30. Mai seine Arbeiten wieder anfnehmen solle und zlvar soll an erster Stelle die Steuervorlage beraten werden, die vom Haushaltsausschluß des Wgeordnetenhauses bereits erledigt ist. Zweifelhaft ist noch, ob die Gesetzentwürfe betreffend die Schätzungsämter und betreffend die Förderung der Stadtschaften in diesem Sessionsabschnitt erledigt werden. Beide Gesetzentwürfe sind noch in der Beratung des Ausschusses.
Berlin, 10. Mai. Mit der Ueberschrift „Die Gewerkschaften und die Politik des 4. August 1914" hat die Ge n e- ralkommission der Gewerkschaften Deutschlands an die Gewerkschaftsmitglieder an und hinter der Front in den letzten Tagen ein Flugblatt verteilen lassen, in dem ein unumwurrdenes Bekemttnis zu der praktischen und vaterländischen Politik des Reichstages vom 4. August, an welchem einmütig die ersten Kriegskredite bewilligt wurden, abgelegt wird. An diesem Standpunkte trollen die Gewerkschaften auch durch die Spalttlng innerhalb der Sozialdemokratie nicht rütteln lassen. Mr die Gewerkschaften könne es nur eitle sozialdemokratische Reichstagsfraktion geben und das sei die Reichstagsfraktion der Partei, mit der die Gewerkschaften durch das Mannheimer Abkommen im Jahre 1906 im engeren Znsammeutvirken stehen.
B e r l i n , 10..Mai. <WTB. Amtlich.) Gegenüber mehrfach hervorgecretenen Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß Kandiszucker unter die Verordnung vom 10. April 1916 über den Verkehr mit Verbrauchszucker fällt. Insbesondere unterliegt daher der Verbrauch von Kandiszucker der Regelung durch die Kommuualverbände. Soweit diese vorgeschrie- ben haben, daß Zucker an Verbraucher nur gegen Zuckerkarte abgegeben werden darf, gilt diese Vorschrift auch für Kandiszucker. Ferner findet die Bestimmung, nach welcher die Kom- munalverbände Höchstpreise für den Verkauf von Zucker an ^^^öraucher sestzusetzen haben, auch auf Kandiszucker An-
München, 9.Mai. (WTB.) In der Kammer der Abgeordneten wurde die Interpellation der Sozialdemokraten behandelt, in der die Regierung gefragt wird, in welcher Weise sie die Wahrung des Brief geh e i m n i s s e s für Zuschriften, die an Abgeordnete gerichtet seien, sicherzustellen gedenke. Anlaß zu der Interpellation bot der Umstand, daß ein aus dem Felde ^bkommener Brief an den Abgeordneten Süßheim von militärischer Sette geöffnet worden war. In der Beantwortung der Interpellation erklärte der Kriegsminister, den Aus- bilde ein Einzelfall, über dessen nähere Umstande Süßheim bereits schriftliche Mitteilung erhielt. Die Kontrolle der Feldpostbriefe ergebe sich aus der Notwendig- keit, die feindliche Spionage und den feindlichen Nachrichten- dienst zu bekämpfen und ihm nicht Nachrichten in die Hand zu spielen, die für ihn von Bedeutung sein könnten. Mit dem Verkehr zwischen Angehörigen des Soldatenstandes und Abgeordneten stehe die Maßnahme in keinerlei Zusammen- b^ug. Der bayerischen Heeresvertbaltimg stehe ein Einfluß aus diese von der Obersten Heeresleitung als notwendig an- ertannten Maßnahmen nicht zu und sie sei daher nicht in Durchführung der Briefkontrolle im Felde durch die Anordnungen des Krixgsminlsteriums zu beein- flussen. Sie sei auch nicht: in der Lage, Ansprüche auf eine Sonderbehandluug der an Abgeordnete gerichteten Briese gegenüber der Obersten Heeresleitung rechtlich zu begründen. — ^n eine Besprechung der Interpellation wurde nicht eingetreten.
Ans Stadt ttnd Land.
Gießen, 11 . Mai 1916 .
Genau nach dem Kalender haben wir augenblicklich die sogenannte M a i k ü h le. Wir stehen nämlich im Zeichen der Eisheiligen. Mit Bezug auf diese sagt der schlesische
Der Bauer nach der alten Art Trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt,
Und tut ihm dann der Bauch noch weh,
_ öo trägt er ihn bis Barthelme. (24. August.)
.A'chst der Spanier und der Venezianer wissen von der Markalte ein Lied zu singen, denn jener sagt:
Leg den Pelz nicht ab
^ die Galiläer (Himmelfahrt) kommen,
und letzterer läßt den Winter sprechen:
Fin al giorno dei Galilei No’te spagdar dei pani miei, o-b- "bis zum Galiläertag (Himmelfahrt) zieh ich meine Kleider nicht aus". Besonders gefürchtet sind die drei gestrengen Herren, die sogenannten Eisheiligen, Mamertus, ^ukratms und Servatius. An ihren Tagen (11., 12. und 13. Mai) foll der Winter, den man schon überwunden glaubte, befonders häufig den Versuch machen, sein Reich zurückzuerobern, und die meisten Gartenbesitzer säen oder pflanzen empfindliche Geniüse, wie Bohnen oder Gurken, erst kurz vorher, damit fie an diesen gefürchteten Tagen noch nicht aus der Erde heraus sind. In Norddeutschland gilt Servaz als der Scheidetag zwischen Winter und Sommer, gerade so, wie es schon in Ovids „Festkalender" vom 13. Mai heißt: „Heute nach sicherer Gewähr ist des Sommers Beginn, und des Frühlings kühlere Jahreszeit schließt ab mit dem heutigen Tage". Eine andere Baueruiregel lautet:
Vor Servaz kein Sommer,
Nach Servaz kein Frost!
In anderen europäischen Ländern verschieben sich die Tage etwas. In Süddeutschland und den slawischen Ländern wird der heilige Bonifatius als der Haupt-„Eisbringer" angesehen, und Hocker erzählt, daß man an der Mosel das Bild dieses Heiligen in die Nesseln wirft (wie die alten Griechen ihren alten Pan mit Nesseln peitschten), wenn die Bohnen nn Ma: erfroren sind. Danach lautet die Bauernregel in Süddeutschland:
Kein Reif nach Servaz,
Kein Schnee nach Bonifaz!
oder: ' ✓
Die drei Atius ohne Regen,
Dem Weine bringt es großen Segen! wobei der Reim wieder, wie so oft, als Sinnfälsche-r miü- wirkt. Manche/ von jenen alten ntemnotechnischen Kalendern, welche die Kalenderheiligen in Reime brachten, machten merkmerkwürdigerweise aus den drei Atius (Pankratius, Servatius und Bonifatius) einen, gleich dem Wintergott der alteuropäischen Völker dreiköpfigen Heiligen, der als „Panser- born" oder „Pan Serbon" auftritt.
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** Amtliche Personalnachrichten. Übertragen wurden: am 3. Mai dem Schulamtsaspiranten August Graßm rnn aus Mainz eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Mainz, dem Schulanttsaspiranten Leopold Grüne bäum aus Wenings eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz-Maindmh, der Sck>ul- amtsaspirautiu Maria Gölz aus Erbach i. O. eine Lehrerin- stelle an der Volksschule zu Mainz-Kostheim, der Schulamtsaspi- rantin Dvvothea Scheuer aus Mainz eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Mainz-Monrbach, der Schulamtsaspiranttu Margarete Schmitt aus Neumühle bei Bingen eine Lehrerinstelle an der iBolksschule zu Mainz.
Am 29. April 1916 wurde der Gefangenauffeher am Haftlokal in Gernsheim Joham: Günther auf sein Nachsuä'en, unter Anerkennung seiner treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Juni 1916 in den Ruhestand versetzt. — Ger Großherzag hat am 29. April 1916 dem Gefangenaufseher am Hafttokal in Gernsheim Johann Günther anläßlich seiner zum 1. Juni erfolgenden Versetzung^ in den Ruhestand das Ullgenreme Ehrmzeichen mit der Inschrift: „Für treue Dienste" verliehen.
** Auszeichnungen. Wehrmann Heinrich Heng st, Land- wehr-Regirnent 116, seit Kriegsbeginn im Felde, wtlrd'e mit dein Eisernen Krenz 2. Klasse ansgezeichnet nnd gleichzeitig ztmr Gefreiten befördert. - Der Landwehrmann Karl Daubertshänser (L.-R. 116) von hier, seit Augnst 1914 im Felde, erhielt daß Eiserne Krenz 2. Klasse und wtirde zum Gefreiten befördert.
** Lahn kanal verein. Man schreibt uns: Es ist von größter Wichtigkeit, daß die Versammlung des Lahnkanals-Vereins, welche in Gießen am 14. Mai im Großherzog von Hessen unt 2 3 4 Uhr ftattfinbet, möglichst zahlreich besucht luirb. Es handelt sich darnni, die hiesigen Wünsche wegen Kanalisierung der Lahn durch eine ansehnliche Versammlung zu unterstützen, da augenblicklich von allen Seiten ungezählte Kanalwiinsche der Regierung vorgetragen werden. Außerdem ist ein Wendepunkt in der Politik der Lahnkanalisierung emgetreten. Vor 6 Jahren war man auf


