Nr. 29
Der Sletzener Anzeiger
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Erster Blatt
(66. Jahrgang
Zreitag, 4 . Februar (9(6
General-Anzeiger Kr Gderheßen
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Gefterreichische Flieger über vurazzo mh Valona.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 3. Februar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
In Flandern antwortete die gegnerische Artillerie lebhaft auf unsere in breiterer Front durchgesührte starke Beschießung der feindlichen Stellungen.
Nordwestlich von Hulluch besetzten wir zwei vor unserer Front von den Engländern gesprengte Trichter.
In der Gegend von Neuville steigerte der Feind in den Nachmittagsstunden sein Artilleriefeuer zu großer .Heftigkeit.
Auch an anderen Stellen der Front entwickelten sich lebhafte Artillerie-, in den Argonnen Handgranatenkämpfe.
Unsere Flieger schossen ein englisches und ein französisches Kampfflugzeug in der Gegend von P e r 0 n n c ab. Drei Insassen sind tot, der französische Beobachter ist schwer verwundet.
OestlicherundBalkankriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Im Ringen der Millionenheere wird für den zurückgebliebenen Leser der amtlichen Berichte meist der beklemmende Eindruck von der Gewalt unfaßbarer Massenanstrengungen Zurückbleiben, und die Berichterstatter der Zeitungen vermögen uns nur Einzelsituationen menschlich mäher zu bringen. Zuweilen ist es aber doch schon vorgekom- men, daß gerade der d e u tsch e amtliche Bericht der Heldentaten einzelner Männer gedenken konnte, die der Nachwelt als besonders wertvoll und charakteristisch überliefert iverden können. Ganz besonders unsere Flieger und Luft- Schisser, sodann aber auch unsere Helden der Marine erhellen die Zeit der Ausnutzung unserer technischen Mittel und Erfindungen mit ihrem Ruhme. Unsere Feinde haben viel weniger als wir solche Zeugnisse von Helden- und Wagesinn aufzuweisen. Die Auslandspresse ergeht sich zurzeit in Ausdrücken der Bewunderung über die Leistungen unserer Seeleute auf der „Appam", im Londoner Kriegsamt selbst spricht man davon, wie es heißt, als von einem „verteufelt geschickten Streich". Und heute überraschen uns zu unserer Freude unsere österreichisch-ungarischen Bundesgenossen mit einem Glanzstück, das sich über Valona abgespielt hat. In dem amtlichen Wiener Bericht wird die Rettungstat eines Fliegeroffiziers gefeiert, die wir, da sie mit voller Anschaulichkeit vor uns erscheint, geradezu als „schön" bezeichnen können. Nach tapferen Leistungen und Erfolgen senkte sich der künstliche Vogel auf das Wasser nieder zu einem getroffenen Kameraden und flog nach Mitnahme zweier unversehrt gebliebener Offiziere unter dem Feuer der feindlichen Batterien und Schiffe davon, in die Sicherheit des heimischen Hafens. Es ist mehr als die sportliche Freude, die wir dabei dmpsinden; es verstärkt sich immer mehr in uns das Gefühl, daß in dieser großen Zeit blutiger Abrechnung unsere Völker ihre leuchtende Ueb erlegen heit beweisen. Mögen unsere Feinde dagegen durch Wortgefechte prahlen! Nach Sasonow hat auch Herr Poincare wieder einmal den Mnnd öffnen §u rnnssen geglaubt und die nachstehenden Phrasen über französische Gednld und deutsche Barbarei ausgesprochen. In welchem Verhältnis die maßlosen Ansprüche in der Rede Poincares zu dem Stand der .Kriegsereignisse und -Aussichten stehen, darüber könnte sich auch der einfältigste Franzose klar werden. Da war der italienische Ministerpräsident Salandra schon etwas bescheidener, als er dieser Tage in Turin die Möglichkeit andeutete, daß er und sein Kollegium erschöpft „hinter die Front Kurückgehen" müßten. Es ist sehr bezeichnend für die Lage in Italien, daß Salandra in Aussicht stellt, das jetzige Ministerium, das den Krieg angezettelt hat, könnte „nötigenfalls" durch eine andere Regierung ersetzt werden. Er hat recht; darauf wollen wir noch eine Weile geduldig warten!
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 3. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. Februar 1916.
R u s s i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Nordöstlich von Bojan scheiterte ein gegen unsere Dorpositionen gerichteter russischer Handstreich. Zn Ost- galizien und an der wolhynischen Front wurde beiderseits rege Fliegertätigkeit entfaltet. Eins der russischen Geschwader warf sechs Bomben auf Buczacz ab, wobei zwei Einwohner getötet und mehrere verletzt wurden. Ein anderes verwundete durch eine Bombe nordöstlich von Luck drei eben cingebrachte russische Kriegsgefangene.
Unsere Flugzeuggeschwader belegten mit Erfolg die Räume westlich.von Czortkow und nördlich von Zba- raz mit Bomben. Sonst stellenweise Geschützkämpfe.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der küstenlündischen Front wurden die Geschütz- kälnpfc wieder an mehreren Punkten recht lebhaft. Am To l- meiner Brückenkopf erweiterten unsere Truppen durch
Sappenangriffe ihre Stellungen westlich von Santa Lucia. In den vom Feinde verlassenen Gräben wurden zahlreiche Leichen und viel Kriegsmaterial vorgefunden.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die in Albanien vordringenden österreichisch-ungarischen Streitträfte haben mit ihren Vortruppen die Gegend westlich von Kruja gewonnen.
In Montenegro nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höf.er, Feldmarschalleutnant.
E r e i g n i s s e z u r S e e.
Am 25. Januar haben fünf, am 27. Januar zwei und am 1.Februar drei unserer Seeflugzeuge Durazzo und namentlich die Zeltlager nächst der Stadt mit verheerender Wirkung bombardiert und sind trotz heftiger Beschießung durch Landbatterien und Kriegsschiffe jedesmal unbeschädigt zurückgekehrt. Am 2. Februar wurde Valona von drei Seeflugzeugen bombardiert, dort Hafenanlagen, Flottanten und Zeltlager mehrfach getroffen. Im heftigen Feuer der Land- und Schiffsbatterien erhielt eines der Flugzeuge in den Motor zwei Treffer, durch die es zum Niedergehen auf das Meer gezwungen wurde. Der Führer der Gruppe, Liniens'chiffsleutnant Konjevic, ließ sich ohne Zögern neben das beschädigte Flugzeug auf die durch Bora stark bewegte See nieder und es gelang ihm trotz des Feuers der Batterien auf Safeno und zweier mit voller Kraft heranfahrenden Zerstörer, die zwei unversehrt gebliebenen Fliegeroffiziere in seinem Flugapparat zu bergen, das beschädigte Flugzeug gründlichst unbrauchbar zu machen, mit der doppelten Bemannung gUade noch zurecht wieder aufzufliegen und nach einem Flug von 220 Kilometer in den Golf von Cattaro heil zurückzukehren. Flottenkommando.
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Eine Rede Poincar^S.
Paris, 3. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Poincare hielt in Anwesenheit zahlreicher Offiziere und Parlamentarier bei einem von dem Blatt „Journal" veranstalteten Fest für die mit dem Kriegs kreuz ans gezeichneten Soldaten eine Ansprache, in der er unter Betonung per Einigkeit und Begeisterung des ganzen Volkes unter anderem uach längeren Ansführnngen über die ftanzösische Geduld und den Kriegswillen Deutschlands und dessen Brutalität saHte:
Frankreich will nicht sein Opfer werden, will nicht gezwungen werden, zu einer erniedrigenden Basallenschaft, will nicht nur seine politische Souveränität bewahren, sondern auch seine wirtschaftliche, moralische und geistige Unabhängigkeit: will feine Kultur, seinen Geist und seine Sitten unberührt erhalten
Wenn der Einsatz des Krieges für Frankreich furchtbar sei, so sei er es nicht minder für die Verbündeten Frankreichs, die ebenfalls nicht die Beute germanischer Gier werden wollten. Ja selbst die Neutralen könnten, wenn sie eine klare Vorstellung von ihren dauernden Interessen hätten, dein Konflikte nichr gänzlich gleichgültig gegenüberstehen. Auch sie hätten alles zu fürchten von den hinterhältigen Eindringlingen, die in den von ihnen Unterzeichneten Verträgen nur Papierfetzen sähen und an der Vernichtung kleiner Völker ein wildes Vergnügen fänden.
Schließlich kam Poincare auf das Kriegsziel zu sprechen und sagte:
Wir wollen alle, daß der Frieden unserem Lande Freiheit. Arbeit und Wohlfahrt sichert. Damit sich aber unsere einmiittgen Wünsche verwirklichen, ist es nötig, daß der Friede, der unseren besiegten Feinden unsere Bedingungen vorschreibt, uns die Provinzen wieder gibt, die uns rohe Gewalt raubte; daß der Friede das zerstückelte Frankreich witt>erherstcllt und er uns ernsthafte Bürgschaften bietet gegen den kriegerischen Wahnsinn des kaiserlichen Deutschland.
Paris, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Dem „Temps" zufolge fand gestern vormittag in Paris eine Sitzung des Landesverteidigungsrates unter dem Vorsitz des Präsidenten P 0 i n c a r e statt.
Paris, 3. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Ein Erlaß des K r i e g s m i n i st e r s hebt die dauernden Befreiungen vom Heeresdienst auf. Die zukünftigen Zurückstellungen werden von begrenzter Dauer sein. Mit Ende Februar laufen die Zurückstellungen für die in Frankreich wohnenden, mit Ende März die Zurückstellungen für die übrigen in Europa und Nordafrika und mit Ende Llpril für alle i'ibrigen Wehrpflichtigen ab.
Eine Acußerung Satandras»
Bern, 3. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Fm „Journal egli Artisti" in Turin wurde Salandra von dernPräsidenten der monarchischen Bereinigung, Marchese Ferrero di Cam^iano begrüßt. Er antwortete mit einer Rede, in der er u. a. sagte: Bleiben Sie stark und einig, um die Regierung zu unterstützen und sie, wenn es nötig tverden sollte, durch eine andere Regierung zu ersetzen. Wir find im Schützengraben und der Schützengräben erschöpft die Kräfte. Es kann der Augenblick kommen, wieder hinter die Front zurückzugehen. Und dann — ich sage das ausdrücklich, um keinen falschen Auslegungen Raum zu geben — werden wir alle zurückgehen, um ganz vorne wieder anzufanyen. Dieser Augenblick könnte kommen, und die monarchisch- liberale Partei, diese große Partei, die Italien gemacht hat und es vollenden soll, muß einen Vorrat von Männern haben, um sie, wenn nötig, für das Land zu opfern.
Die Politik des neuen russischen Ministerpräsidenten.
Petersburg, 3. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung, des Reuterschen Bureaus. Der neue Präsident des Ministerrats, Stürmer, hat einem Vertreter der „Nowoje Wremja" erklärt, seine Politik sei vor allem ganz von dem einzigen Gedanken beseelt, den Krieg zu einem guten Ende zu führen. Ein Sonderfrieden könne keine Lösung der großen Prvbtsve bringen, die durch den Weltkrieg entstanden seien.


