178
Die Beſtimmung der Beſchau⸗ Kommiſſaire,
ſowohl für die vorgeführten Thiere als eingeſchickten Wollmuſterkarten war nach dieſen nothwendigen Vorbereitun⸗ gen das nächſte Geſchäft. Zu aktiven Kommiſſairen wur⸗ den ernannt: Obe ramtmann Bunk, Direktor Conrad von Hözenvorf und Verwalter A ndré als Schafzüchtler, ſo wie die Herren Bräunlich und Seitter als Fabrikanten, welche auch ſogleich noch denſelben Nachmittag, nachdem Zeit, Ort und Folge⸗ Ordnung der Beſchau nach den Anmeldungen ebenfalls beſtimmt worden, dann den ganzen folgenden und einen Theil des dritten Tages⸗ begleitet von einer ziemlichen Anzahl paſſiver Beſchauer ſich alles Ernſtes dieſem Geſchäft widmeten, und einſtimmig die Reſultate zu Stande brach⸗ ten, welche theils den Beſitzern privatim, theils, nach deren Zuſtimmung hier öffentlich bekannt gemacht worden.
2. Präſidium und Referat des Schafzüchtler⸗ vereins.
Herr Graf Salm erſuchte hierauf Herrn Baron Bar⸗ tenſtein insbeſondere, die uUnterſuchung der Reſultate leiten zu wollen, welche aus den weitern komparativen Verſuchen mit Haus⸗ und Weide⸗ Futter ſich dieſesmal ergeben würden; ſo⸗ vann von nun an mit dem Herrn Grafen im Präſidio des Schafzüchtlervereins zu alterniren, ſo daß für das laufende Jahr berr Baron Vartenſtein wieder die Geſchäfte leite. Der Herr Baron ſagte das erſte unbedingt zu, und das zweite in der Vorausſetzung, daß ich, bei ſeinen überhäuften Geſchäf⸗ ten und damit verbundenen faſt ſteten Abweſenheiten von Brünn, ferner ſo wie dieſesmal das Referat fuhre.
z. Wagnerſche Sortirung der Schafe.
Das korreſpondirende Mitglied, geheimer Ober⸗ Finanz⸗
ath von Prittwitz zu Groebnig bei Leobſchütz in Oberſchleſien überſchickte unterm 5ten April 1819 fol⸗ gende Zuſchrift:
„Die Ausſichten zum diesjährigen Wollverkauf ſind ſo un⸗ günſtig, daß ich leider die Hoffnung aufgeben muß, in Folge der geneigten Aufforderung Einer Hochlöblichen Geſellſchaft zur Beförderung des Ackerbaues, der nächſten Verſammlung des Schafzüchter⸗Vereins vem Zten bis 5ten Mai beizuwohnen, da grade in dieſem Zeitpunkte die vorzüglichſten Wollkäufer die hieſige Gegend zu bereiſen pflegen. 3
Es ſey mir daher erlaubt einen Gegenſtand ſchriftlich zu erörtern, uüber den ich mir mündliche Berichtserſtattung vorgeſetzt hatte, da derſelbe für diejenigen, die einer höhern Veredlung ihrer Schafheerden wahrhaft vorurtheitsfrey entge⸗ gen ſtreben, vielleicht einiges Intereſſe haben dürfte!
Ad 1. Schon längſt nährte ich die Ueberzeugung,
daß das größte Gebrechen unſrer Veredlung
die ungleichheit unſerer Woll⸗Produktion— ſelbſt in den vorzüglichſten Schäfereyen ſey, indem höchſt ſelten die einzelnen Individuen einer Heerde von glei⸗ cher Feinheit ſind, ſich auch nur zu oft mehrerxe Stü⸗
4
cke durch ein ungleiches Fließ an den Hoſen oder im Genick
auszeichnen, da nur wenige Schäfereybeſitzer den unvermeidli⸗ chen Rückſchlog einzelner Individuen in der Zuzucht ſo ſtreng beachten, als es wohl ſeyn ſollte.
Die Natur hat mir die Schärfe des Auges verſagt, um hochfeine Wolle in ihren feinſten Abſtufungen mit Zuverſicht würdigen zu können, außerdem läugne ich es nicht, daß ich Selbſtſchätzungen, die in ſo naher Berührung mit unſern Lieb⸗ lingswünſchen und Hoffnungen und ſelbſt mit unſerer Eigen⸗ liebe ſtehen, in der Regel für äußerſt unzuverläſſig halte. Es gehörte daher ſchon immer zu meinen ſehnlichſten Wün⸗ ſchen, einen Mann zu finden, der ſich dieſes Richteramts über die Vorſchritte der Veredelung meiner Heerden im größten De⸗ tail, mit eben ſo viel Sachkenntniß als Unpartheilichkeit un⸗ terzöge! Herrn Staatsraths Thaer lichtvoller Aufſatz in des uten Bandes 1tem Hefte der Möglinſchen Annalen über die Verſchiedenheit der Merinos⸗ Wolle und ihrer Sortirung, verbunden mit der Nachricht, daß der Graf von Lariſch auf Freyſtadt ſeine ſo zahlreichen Heerden habe ſortiren laſſen, gaben dieſem Wunſche neues Leben, und da ich kurz darauf erfuhr, daß der Kaufmann Johann Philipp Wagner, Landsberger Straße Nr. 11 zu Berlin (der ſchon früher bedeutende Wollſortirungsgeſchäfte betrieben) die Königliche Stammſchäferey zu Frankenfelde und die des Herrn Staatsraths Thaer zu Möglin, ſeit 2 Jahren unter ſeiner Leitung habe ſortiren laſſen, auch 2 der Wolle, von der erſten, auf dem letzten Berliner Markt, den Ber⸗ liner Stein a 22 Pf. zu 44 Rthlr. und von der letztern mit 46 Rthlr, verkauft habe, ſo wendete ich mich in Verbin⸗ dung mehrerer Freunde, die auch bedeutende Schäfereyen be⸗ ſitzen, an ihn, um ihn dahin zu beſtimmen, daß er mit erſtem Frühjahre anhero käme, unſre ſämmtlichen Schafheerden Stück vor Stück ſortire, und dieſes Geſchäft auch für die Zukunft bei der Zuzucht fortſetze. Er hat gegenwärtig unſerm Verlan⸗ gen genügt, und es ſey mir daher erlaubt, über die Art wie ſolches geſchehen iſt, einige Erlauterungen beizufügen.
Die Anſichten, die Herrn Wagner bei Sortirung der veredelten Schafheerden leiten, ſind flüchtig ſkizzirt ohuge⸗ fähr folgende:
1 Im Allgemeinen nimmt er als Grundlage zur Wür⸗ digung der Fein heir des Fließes jedes Schafes, die Stufenlei⸗ ter der Bezeichnungen ſo an, wie ſie gegenwärtig allgemein im Wollhandel nach den Haupt⸗Fabrik⸗Oertern angenommen ſind und gelten.
Hiernach ſortirt er die einzelnen Stücke der Heerde in tte, 2te, 3te und Ate Klaſſe, bekannt unter den Namen Electoral, Prima, Secunda und Tertia⸗Sorten und zeichnet ſie als Electora!=Schafe bei mir mit 1 Etnſchnitt ins rechte Ohr
— Prima—— 2— rechte Ohr — Secunda—— 1— linke Ohr — Tertia—— 2— linke Ohr
Geringere Qualitäten werden weiter nicht eingetheilt und gezeichnet, wenn ſie nicht den Hauptbeſtandtheil einer Heer⸗ de ausmachen.
(Der Beſchluß folst),
—


