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wenigſtens bis in die hundertſte Generation fortge⸗ ſetzt, und immer von den geimpften Pocken genom⸗ men iſt, dennoch bei einzelnen Thieren boͤsartige Pocken entſtehen, und daß mithin die angebliche Cultivirung und dadurch entſtandene Minderung des Pockengiftes die Pessina aus Charlatanerie behaup⸗ tet hat, und die ihm ſo manche Schriftſteller nach⸗ geſprochen, eine Thorheit ſey. Ich bin dagegen einige male genoͤthigt worden, von den allerboͤsartigſten und toͤdlichſten Pocken, wo mir die Thiere, von welchen ich die Lymphe nahm, ſchon waͤhrend der Operation ſtarben, zu impfen, und wagte dieß nach Analogie der Erfahrungen, die ich vormals bei Menſchen ge⸗ macht hakte, bekam aber darnach— freilich als bloße Zufaͤlligkeit— die allergelindeſten Schaafpok⸗ ken, die ich jemals geſehen, woraus ich den Schluß ziehe, daß es auf die Lymphe gar nicht ankomme, und daß die Gut⸗ oder Boͤsartigkeit, der Pocken lediglich von der individuellen Conſtitution der Thiere, ihrem uͤbrigen Geſundheitszuſtand und der epidemi⸗ ſchen Luft⸗Conſtitution abhaͤnge.
Die Fragen 1, 2, 3 ſind alſo hiermit erledigt. Man impft, wenn man wlll, iſt aber verpflichtet, die allgemein geſetzliche Anordnung bei anſteckenden Viehſeuchen zu befolgen, es naͤmlich ſeinen angraͤn⸗ zenden Nachbarn wiſſen zu laſſen, eigenklich auch dem Landrathe des Kreiſes, was aber ſelten geſchieht und nicht verlangt wird.


