I.
Verſuch einer Begruͤndung und Feſtſtellung der Grund⸗ ſaͤtze der Statik des Landbaues.
Von einem praktiſchen Landwirthe.
De Vegetation aller Gewächſe geſchiehet im Allgemeinen nach unabänderlichen, von der Natur genau vorgeſchriebenen Ge⸗ ſetzen, welche aber in jedem einzelnen Falle nach der Eigen⸗ thümlichkeit der verſchiedenen Pflanzen, durch locale und klima⸗ tiſche Verhältniſſe, und durch ſtärkere oder ſchwächere Einwir⸗ kung dieſes oder jenes Stoffes unzählige Abweichungen erleiden. Nach dieſen allgemeinen Geſetzen ſind zur Vegetation vier Stoffe, theils unmittelbar theils mittelbar einwirkend, durchaus erfor⸗ derlich, nämlich 1) die Mineralien oder die Erde, 2) die Alka⸗ lien und die Salze, 3) das Waſſer und 4) die Atmosphärilien. Nur Gewächſe einer niederen Bildungsſtufe können einen oder den anderen dieſer Stoffe entbehren, aber die einer höheren Bildungsſtufe vermögen dieſes nicht, ohne an ihrer Geſundheit Beeinträchtigung zu erleiden, und an der Erfüllung ihres Le⸗ benszweckes verhindert zu werden.
1) Die Mineralien, als Kalk⸗, Talk⸗, Alaun⸗ und Kie⸗ ſelerde, auch Eiſen und Mangan wirken hauptſächlich mechaniſch, und nur im geringeren Grade nährend. Mechaniſch wirken ſie, indem ſie den Standort der Pflanzen, die Gelegenheit zur Bil⸗ dung und Ausbreitung der Wurzeln abgeben, und den Humus, die Alkalien und Salze vertheilt bei ſich aufbewahren, ſo wie durch ihre Fähigkeit, das Waſſer in ſich aufzunehmen und nur langſam wieder zurückzugeben, und vermöge ihrer Poroſität den
Mögl. Jahrb. III. 1


