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und konnten das auch nicht ſeyn. Viehzucht und Ackerbau lagen zu ihrer Zeit noch in der Wiege; ſie ſind der Wiege entlaufen, haben auch hin und her laͤngſt die Kinderſchuhe ausge⸗ treten und die Kappen verwachſen, ſtehen im Juͤnglingsalter. Waͤre das nicht, ſo erndtetet ihr liebe Leute noch immer Brand ſtatt Waizens; ſo haͤttet ihr nicht noͤthig gehabt, eure Scheuern groͤßer zu bauen, und Stallraͤume auf euren Hoͤfen anzulegen; ihr haͤttet noch keine große anſehnliche Pferde; noch keine ſchwerere Kuͤhe, als ſonſt hier im Fruͤhjahre bey den Schwaͤnzen aufgehoben werden mußten; ihr koͤnntet jetzt noch keinen eintraͤglichen Handel mit Milch, Butter, Kaͤſen, treiben, euern Kindern keine Tauſende zur Mitgift und zum Anfange geben; ihr Maͤnner wuͤrdet froh ſeyn, wenn ihr einen elenden Kittel zum Feſtputze, und ihr Weiber zufrieden, wenn ihr einen Frießrock bezahlen konntet; ihr wuͤrdet keinem Gaſte einen gepol⸗ ſterten Stuhl und gutes Stuͤck Fleiſch zu bieten vermoͤgen; ihr wuͤrdet im Herbſte nicht fuͤr 50, fuͤr 100 Thaler Ruͤbſen, nicht fuͤr noch viel mehr Geld Rocken, Waizen oder Gerſte, kein theures Vieh verkaufen; und was dergleichen mehr iſt;— wenn alles bey dem Alten in der
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