Von den wirthſchaftlichen. Wahrheiten, welche ſowohl 16, 537
6. 808. Daß' die Lrlaubniß des Streurechens in den herrſchaftlichen Wäldern auch dew Bauern ſelber höchſt nachtbeilig ſep.
In der That gereichet auch eine ſolche uneingeſchränfte Erlaubniß des Streure- <ens in den herrſchaftlichen Wäldern gemeiniglich den Baueru ſelber zu ihrem eigenen Berderben und Nachtheil.
Daß ein von einer ſolchen elenden Einſtreue gemachter Miſt nur wenig tauglich ſey, ſondern ſie dadurch die Fruchtbarkeit ihrer Aec>er mehr verhindern, als befördern, ſehen nur die wenigſten von ihnen ein. Und auch diejenigen, die ſolches einzuſehen im Stande ſind, hält der Eigennuß davon ab; indem ſie dadurch veranlaſſet werden, ihr zur Einſtreue in den Miſt übrig habendes Stroh zu verkaufen, und dagegen ihren Acker mit lauter unfräſtigen Streudünger abzuſpeiſen.
- Hievon ſind die von Jahr zu Jahr ſchlechter ausfallende Ernten eine ganz natür liche Folge. Denn daß ein Fuder guter Strohmiſt dem Lande mehrere Kräfte gebe,:als vier Fuder Streudünger, iſt eine einleuchtende Wahrheit, welche von keinem Wirth, der von beyden Miſtarten Verſache gemacht hat, in Abrede geſtellet werden wird,
- Fällt gleich in dem erſten Jahre dieſer Unterſchied zwiſchen dem Stroh- und Streudünger nicht ſo klar in die Augen, ſo wird er doch gewiß in den folgenden Jahren oöffenbar werden. IE 7
Wenn auch der beſte Streumniſt höchſtens 3 Jahre einige Wirkung thut, ſo kann man ſolche von einem guten Strohmiſt auf 6, und nach Beſchaffenheit des Ackers auch wohl auf 9 Jahr, ganz ſicher erwarten, und noch in dem 9ten Jahre wird der lektere weit mehrere Kräfte, als der erſtere in dem 3ten Jahre, von ſich verſpüren laſſen.
Was kann hieraus anders entſtehen,'als daß die Bauern, welche auf ihr Land nur bloßen Streudünger bringen, und dagegen das dazu übrig geweſene Stroh verfau- fen, von Zeit zu Zeit in ihren Nahrungen zurück gehen, und wohl gar verarmen müſſen!
Sie richten überdem durch das viele und unabläſſige Streufahren ihr Geſpann zuleßt ganz und gar zu Grunde, welches ihnen, wie einem jeden vernünftigen und ein» ſichtsvollen Wirch genugſam bekannt iſi, in ihrem ganzen Nahrungsſtande höchſt ſchädlich iſt. > Eine tüchtige Anſpannung iſt die Seele eines jeden dienſtbaren Bauern, und es wird, wenn es daran fehlet, den Grund ſeines ganzen Wohlſtandes untergraben.
6.7 809 Warum inzwiſchen die Bauern von dem Streurechen in den herrſchaftlichen Wäldern, wo ſie einmahl ein gegründetes Recht dazu haben, abzubringen nur wenige Zoſſnung ſey.
I< ſehe inzwiſchen wohl ein, daß an den Orten, wo das Streurechen einmahl zur allgemeinen Gewohnheit geworden, dieſes überhand genommene Vorurcheil durch ineinen dagegen geäuſſerten Eifer nicht entwurzelt werden, ſondern man dem ohnerachtet immerhin dabey beharren wird.
Qecon. Forens. VII Theil. Yyy Am


