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vinz für den unterliegenden Zwe> benußt zu
werden. Lüneburg, den 29. Decbr. 1831.
Königliche Großbritanniſch- Hannoverſche Landdroſtei, Meyer." An den Herrn Paſior Pracht zu Sconingen bei Uslar.
Wäre- von der vorſtehenden Königl. Land- droſtei zur Beförderung der Obſibaumzucht in ihrem Regierungsbezirke auch weiter nichts ge- ſchehen, als daß ſie den herumziehenden Baum- händlern, namynilim den Bambergern, ihren Handel mit Obſiſtämmen zu erſchweren geſucht hat, ſo wäre dies wahrlich, wenn auch nur negativ, ein großer Schritt zum Beſſern. Daß dieſer Handel. dem Emporkommen einer ſoliden Obſtbaumzucht in Deutſchland und auc in unſerm Vaterlande ſeit vielen Jahren hindernd im Wege geſtanden und zum Theil noch ſteht, bedarf für den, welcher die Art und Weiſe dieſer Baumhändler, ihre Stämme zu erzie- hen und an den Mann zu bringen kennt, kei- nes Beweiſes- Für den Unkundigen möge Tolgendes zur Warnung dienen.
Die Einwohner der Dörfer Effeldrich, Bo>svorf, Kirſchbac) und Sendeldorf in der Gegend von Vorc<heim haben vom erſien Bauern bis zum Gänſehirten, Baumſchulen; hierzu wählen ſie das beſte Stü> ihrer Län- derei aus 3 wer ſelbſt kein Grundſijü> beſikt, pachtet eins von ſeinem begütertern Nachbar. Das zur Baumſchule beſtimmte Stüc> Land wird im Sommer tief rigolt und geebnet; im Herbſte werden die Kerne geſaet und mit gu- cer Erde 2 Zoll hoch bede>t. Im Frühjahre werden die Samenfelder, ſo lange noh Nacht- fröſie zu fürchten ſind, bei Nacht mit Stroh bede>t, welches ſelbſt bei Tage bei rauher Witterung geſchieht. Daß durc< dieſes Ver- fahren die Stämme ſchon in ihrer zarten Ju-
gend. verweichlihet werden, liegt am Tage. Den erſten Sommer ihres Lebens werden ſie auf alle nur erdenkbare Weiſe, beſonders durch Jäten,"Beha>en und Begießen. gehegt und gepflegt. Mit dem folgenden Frühjahre wer- den ſie aufgenommen und in anderes ſiark ge- düngtes Land verſeßt und den Sommer hin- durc< auf die vorige Art gepflegt. Die nun 2 Jahr alten Stämmchen werden im dritten Frühjahre 5 Fuß über der Erde abgeſchnitten, um den gail aufgewachſenen Stämmen die gehbrige Stärke zu geben, Der Boden, auf welchem ſie ſtehen, wird abermals mit kur- zem Dünger belegt und umgegraben, Im vierten Frühjahre werden ſie gepfropft; hierzu werden die"am Üppigſt gewachſenen Reiſer, ſelbſt die ſo genannten Waſſerſchoſſen, ausge- wählt. Fehlt es hieran, ſo werden alle von den benachbarten Gärtnern abgeſchnittenen Rei- ſer. zuſammengekauft. Das nächſte Frühjahr haben dieſe mit aller Kunſt getriebenen Stämme eine ſole Höhe erreicht, daß ſie zur Krone geſchnitten werden können, und im Herbſte deſſelben Jahres, und zwar um Midaelis, werden ſie aufgenommen, das noh daran be- findliche Laub abgeſtreift und in ungeheurer Anzahl in alle Welt gefahren. Gewöhnlich werden ſie aber ſchon den ecſien Herbſt nach der Veredelung aufgenommen und in Quanti- täten für wenige Groſchen verkauft.=- Was ſi< nun von ſol<en Stämmen, ſelbſt wenn man ſie ſofort wieder einpflanzen könnte, er- warten läßt, braucht wohl nicht erſt erläutert zu werden, Nimmt man aber den weiten Transport, die ſchle<te Verpa>ung no<h dazu, ſo iſt es wahrlich kein Wunder, wenn der Käufer ſolc<er Fabrikwaare um ſein Geld, Zeit Mühe und die Hoffnung der Ernte betrogen wird. Dieſe Menſc<:n haben ja aber nicht die Abſicht zur Beförderung der Obſtbaum- zucht beizutragen oder Ehre mit ihrer Waare einzulegen, nein, nur Geld wollen ſie verdie- nen, und das verdienen ſie, ungeachtet ſie den weiten Transport zu ſtehen haben 40
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