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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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Eben ſo wenig kann man angeben: wohin der durch VAUCQUELIX unterſuchte Braunſtein von Wiſenbach an den Vogeſen(Journ. d. mines LVII. p. 12.) zu rechnen ſei?

(101) In Schweden komint mit dem Maſſerblei ſtets eine zitronengelbe Okker vor, von welcher ich vermuthe, daſs ſie aus einer Verbindung von Molybdänkalk und Sauerſtoff beſteht. Diefe nenne ich Waſſerbleiokker.

(1⁰2) Das auf dem Harz ſogenannte Arſcnihſilber rechne ich hieher, weil, nächſt dem Eiſen, der Arſenik den Hauptbe- ſlandtheil, und das Silber nur den achten oder neunten Theil des Ganzen ausmacht. Bei dieſer veränderten Klafſifikazion

bedurfte es nur einer Verſezzung der Sylben zur Berichtigung

der Nomenklatur; daher das Gattungswort: Silber-Aſenik.

(103) Den Natürlichen-Arſenikkal(ein zu weit umfaſſendes Gattungswort) nenne ich Arſenikblüthe nach Analogie der Ko- baltblüthe. 3

(104) Statt Weiſs-Scheelerz ſchreibe ich ſchlechthin Scheelerz, weil es auch rothe, gelbe, und braune Varietäten dieſes Erzes gibt.

(105) Der Gemeine Titanſchörl iſt das ehedem unter dem Namen Rother Schörl aufgeführt geweſene Foſfil von Boinik in Ungarn, von Gotthardt etc.

Zum Blattrigen Titanſchörl gehört hingegen das zu Cajuelo in der Proviuz Burgos, und zu Limoges in Frankreich brechende Foflil.

Vielleicht vereinige ich dieſe Titanſchörle künftig zu einer einzigen Art. Für jezt hielt ich es aber noch beſſer, beide für fich aufzuführen, da ich erſt mehrere Varietäten des Franzöfiſchen erwarte, um eine genauere Vergleichung derfelben mit den Ungriſchen anſtellen zu können, als mir bisher möglich war.

(106) Den Gemeinen Titanit(von Paſſau) kennt man ſchon aus Hrp. KLAPROTR'S Schrilten. Neuerlich habe ich fehr ſchöne Kryſlalle davon von Barboe in Norwegen erhalten.

Eben daſelbſt bricht eiit iſabellgelbes Fofſil, deſfen Kryſtalle dem Pafſauer ziemlich ähnlich ſind, welches deutlich blättrigen Bruch und wenigſtens zwiefachen Durchgang der Blätter hat. Dieſs foll nach Hr. AEIILGOARD

74,00 Titankalk 8,00 Kiefelerde 18,00 Kalkerde enthalten; weicht alſo durch einen weit gröſseren metalliſchen Gehalt, von dem Paſſauer braunen Titanit ab. Bis auf weitere Unterfuchung führe ich daher das iſabellgelbe Norwegiſchie Foffil unter dem Namen Späthiger- Titanit, als eine zweite Art

diefer Gattung, auf. (107) Der Nigrin wird zu Ohlapian in Siebenbirgen Schwar-

zer- Granat genannt.(M. f. LaMrAprus a. a. O. S. 119. 120.

i. d. Anmerk.) Es iſt daſſelbe Foffil, welches Hr. KrAPROTH

unter dem Namen Eiſenhalriges- Titanerz von Ohlapian(in deſſen

Beitr. II. S. 235.) unterfucht hat. Hier findet eine ſchöne

Uebereinſtimmungin den Hauptrefultaten beider Chemiſten ſtatt.

KrLAPROTH fand 84,00 Titankalk; 14, 00 Eiſenkalk; 2,00 Braunſtein.

LAMPADrUS fand 87,00 Titankalk; 9,00 Eiſenkalk; 3,00 eines unbeſtimmten Stoffs und Verluſt.(alſo ver-

muthlich Braunſtein?)

Anmerkungen. ₰½

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Die durch Hrn. LAMPADTUsS verſprochene äufsere Karak. teriſtik dieſes Foſſils von Hrn. WERNER, ift noch nicht erfolgt. Ich will daher hier die Hauptmerkmale nach den vor mir lie- genden Variâteten angeben.

Der Nigrin iſt äuſserlich graulichſchwarz, imwendig bräunlich- ſchwarz und zeigt Spuren von morgenrothen Flekken;

Er kommt in ziemlich platten abgefülirt ekkigen Stükken vor;

Iſt äuſgerlich ſtarkſchimmernd von Fettglanz;

Inwendig glänzend, halbmetalliſch;(nähert fich dem Dia- mantglanz)

Sein Bruch iſt nach einer Richtung blättrig; übrigens klein- fach- und unvollkommen muſchlich;

Er giebt einen okkergelben, in das oraniengelbe fallenden Strich;

Iſt halbhart(in hohem Grade);

Sehr ſprode;

Ziemlich leicht zerſprengbar;

Schwer 4,445 4,543-

(108) Gediegen- Tellur nenne ich das fonſt unter dem Nabi- men aurum problematicum bekannt geweſene Siebenbirgiſche Foffil.

Da durch Hrn. KEAPRORRHR'S Analyfe erwiefen iſt, daſs dieſes Foffil nichts enthält, als das von ihm neu entdeckte Tellur Metall, mit etwas Eiſen und einer Spur von Gold; (alles im reguliniſchen Zuſtande) fo findet hier ganz die Ana- logie wie bei den übrigen metalliſchen Foſſilien ſtatt, welche durch das Beiwort Gediegen von den übrigen natürlichen Mi- ſchungen unterſchieden werden.

(1⁰9) Das aurum graphicum führt ſchon unlängſt den kur- zen deutſchen Namen Schrifterz. Ich behalte ihn deshalb bei.

(110) Da das Gelberz felbſt in Siebenbirgen ſehr felten, und von Hrn. Es MaRK nicht wie jene beiden Gattungen im neuen Bergmänniſchen Journale karakteriſirt iſt; fo will ich ſeine we- ſentlichſten Merckmale hier beifügen..

In der Farbe ſteht es zwiſchen meſſinggelb und zinmveiſs inne;

Es ſcheint nur grob oder klein eingeſprengt vorzukommen;

Iſt wenig glänzend, metalliſch;

Hat unebenen Bruch von feinem Korne, verläuft ſich aber in das Flachmuſchliche;

Es gibt einen grauen Strich, und verliert dadurch an Glanz;

Iſt weich

und Milde.

Dies Foffll iſt oft mit Blätterera, zuweilen mit Schrifterz, Rothen-Braunſteinerz, und Quarz gemengt. In letztgedach- ter Steinart liegt es auch mit unter ganz rein. Die deutlichften Varietäten des Gelb-Erzes habe ich von Nagyag gefehn.

(111) Der in Wien übliche Gattungs-Name Blättererz iſt in mancher Hinficht vorzüglicher als das geographiſche Wort: Nagyakkererz. Ich habe deshalb jezt jenes gewählt.

(112) Das von Herrn MEDER in v. CRELE'S Annalen beſchriebene Eiſenhaltige Chromium, vom Ufer des Wiasga im Ural, hat eigentlich noch keinen oryktognoſtiſchen Gat- tungs-Namen erhalten. Ob der hier einſtweilen angenom- mene Eiſen-Chrom wird beibehalten werden können? muſs die Zeit und Ausmittelung des Verhältniſſes in den Beſtandtheilen erſt lehren. Er fezt voraus, daſs das Chromium darinn vor- waltet, und auffer dem Eiſen wenig oder nichts von anderen Stoffen darinn vorkommt.

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