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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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Anmerkungen.

(1) Oen KraAaPROTH ecntdeckt hat, daſs der Böhmiſche Edle Granat 10 pr. C. Takerde enthält, der(fogenannte) orien- täliſche hingegen keine Spur davon in ſich ſchlieſst, darf man den Letzteren nicht mehr unter der Granat-Gattung ſtehn laſſen, wenn man bei der Klaſſifikazion der Gattungen noch auf die Beſtandtheile der Foſſilien Rückſicht nimmt. Ich trenne ihn daher vom Granat und nenne ihn Ahmandin, weil der Alaban- dicus der Alten(Plin. Hiſt. Natur. Lib. XXXVII.§. 25.) wel- cher als eine Unter-Art des Karfunkels betrachtet ward, ver- muthlich daſfelbe oder weniglſtens ein ganz ähnliches Fofſil sgewefen iſt, und es mir zweckmäſsiger zu ſein ſcheint, alte Nahmen wieder aufzufuchen, und ihnen eine beſtimmte Be- deutung zu geben, als neue Nahmen zu conſtruiren. Nur im äuſserſten Nothfalle erlaube ich mir dieſs.

Vbrigens muſs ich noch bemerken, daſs es auch unter den bisher fogenannten Edlen Granaten aus Tyrol, Schweden und Norwegen viele Almandine giebt. 4 (2) Wenn der Gemeine Granat nur aus Kieſelerde, Kalk- erde und Eifenkalk beſtehen follte; wie der verſtorbene WrEGLE bei der angeführten Analyſe des grünen Granats vom Teufelsſtein in Sachſen behauptet; ſo müſgte er ebenfalls zu einer beſonderen Gattung erhoben werden. Ich laſſe dieſs für jezt dahin geſtellet ſein, bis zuverläſsigere chemiſche Zer- gliederer ſeine Beſtandtheile geprüft haben werden.

(2*) Während des Abdrucks der Tabellen erhielt ich von meinem Freunde ABILGOARD in Kopenhageu die Refultate feiner Zergliederung des Kokkoliths. Unter Vergleichung des Fofſils felbſt mit dem Granat überzeugte ich mich von der Eigenthümlichkeit deffelben, und ſchaltete es daher noch an diefer Stelle ein. Die Jehr ausgezeichneten körrug- ubgeſonderten Stücke haben zur Bildung des Gattungswortes Veranlaſſung gegeben. Mehrere ſeiner äufseren Merkmahle führt Herr v. ANDRADA ſchon auf,(in der kurzen Angabe u. f. w. eini- ger neuen Foſſilien aus Schweden und Norwegen S. 7. 8.) und erwähnt dabei, daſs es nicht allein zu Arendald in Norwegen, ſondern auch auf den Südermanländiſchen Eiſergruben in Schweden gefunden wird. Wer weiſs: ob nicht auch der Granat von Orbitz im Bannate, den Herr GERHaARD unter- fucht hat(vid. deffen Gfundr. eines neuen Mineralſyſt. S. 308.)

und der vom Ehrenberge bei IImenau(vid. Voraxs minera-

liſche Abhandl. 1 Th. S. 15.) hicher gehören d Es iſt fehr zu wünſchen, daſs, ein hewährter Chemiſt einmahl alle die Haupt- Varietten zergliedere, welche bisher zum Gemeinen Granat gerechnet worden find. Dadutch allein irird alles diefs beffer aufgeklärt werden; denn es läſst fich ſchon aus den äufseren Merkmahlen derselben ſchlieſsen Sichtung vorzunehmen iſt. 185(3) Hr. KpArRoO xR hat dieſs Fofh chem. Kenntn. der Mineralkörper, II. B. S. 239. 244.) Granat- formiges Braunſteinerz genannt; ich betrachte es als eine Mit- telgattung zwiſchen Veſucian und Almandin, und menne es mit Rückſicht auf ſeine heiden vorwaltenden Beſtandtheile, und auf die bei dem Eiſenkieſel ſtatt findende Analogie: Braunſteinkieſel. 29(4) Nachdem VaucQ uEEIN im Beryll und Schmanagd die Glycin. Erde entdeckt hatte,(vid. Annales d. Chimie, Nr. LXXVII. p. 155 470 unternahmen meine hieſigen Freunde KraFROTR und Ro SE eine fehr genaue wiederholte Zer-

dals hier noch eine groſse

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l(in den Beiträgen zur

gliederung beider Foffilien, deren Refultate man in der Ta- belle, findet..

KrEAPROTHS Angabe des Verhältniſles der Beſtandtheile im Schmaragd weicht von VAauoQuErINs Refultaten nur wenig und hauptſächlich darinn ab, daſs er nur pro Cent oxydirtes Chromium darin bemerken konnte, VAaucQuELIN hingegen 3 pro Cent ausgefchieden zu haben glaubt. Viel- leicht unterwarf VAauQUELIN einen dumkler tingirten Stein der Zergliederung als KLAFROTH.

RoszE erhielt 2 pro Cent Glycin- Erde weniger und 1 pro Cent Thon-Erde mehr aus dem Beryll als VAaucQUELIN, welches nichts fagen will. Vielmehr beweiſen folche Diffe- renzen, nach meiner Uberzeugung, am beſten die Genauig- keit der Arbeit, da' die Natur ſchwerlich in zwei Varietaten ein völlig gleiches Verhältniſs des Gewichts aller Beſtand- theile gelegt hat.

Auf jedem Fall zeigen dieſe Refultate, daſs der Schmaragd und Beryll generiſch gar nicht verſchieden find; denn das Chromium im erſteren iſt zu unbedeutend, um hier etwas Weſentliches zu beſtimmen. Dieſs bellauptet auch aus an- dern Gründen der Abbé HaAaux(Journ. d. mines XXVIII. p. 257). Ich betrachte daher beide Edelſteine nur als zwei verſchiedene Arten einer und derfelben Gattung, und benenne ſie nach ihrer äufseren Oberfläche, weil die Streifung der Sei- tenflächen dem Beryll welſentlich zu fein ſcheint. Die glatten Abänderungen find bei dem Beryll fo fſelten, daſs ſie als Ausnahmen von der Regel betrachttet werden können; bei dem wahren Schmaragd ift dagegen die äufsere Oberfläche n mer glatt.

45) Seit Entdeckung der Glycinerde habe ich Hrn. KrLaAF. ROTH zu einer neuen Zergliéederung des vor Zeiten ſoge- nannten weiſsen Stangenshörls veranlaſst. Er hat nicht eine Spur diefer neuen Erde darinn gefunden. Es bleibt alſo bei meiner im Muſeo Leskeano ſchon in Anregung gebrachten Nomenklatur diefes Foſſfils, der auch BLUMENBACH, GER- HARD und EMMERIING gefolgt find. Es kann nicht zum Beéryll gerechnet wergen, ſondern es mäacht unter dem Namen Stangenſtein, aus chemiſchen Griinden, eine eigene Gattung aus.

(6) Der Thallit der Franzofen iſt hier aufgenommen, weil er weſentlich vom kryſtallifrten Strahlſtein verſchieden iſt, zu welchem er bisher mitgerechnet wurde. Er enthält nemlich nacli CorrETr-DESCGTIES Zergliederung'gar keine Talkerde, wie fich aus der Tabelle ergiebt. Den Unterfchied feitier Kryſtallifazion von der) des StrahReins hat HAur aunge- geben,(Journ. d. mines XXVII. b. 371.) 3 e e O) Ich Henne den Turmalin im Syſtem Edlen Schoör, weéil ich überhaupt dafir bin, daſs bei Iyſtematifchen Benen- nungen der Arten das Gattimgswort mit angéegeßen, uncl nur durch ein Beiwort näher beſtimmt wérde. Sollte der Germeine Schörl, nach WIEGTEBS Angabe keine Kalkerde enthalten, und letztere im Turmalin jederzeit gegenwärtig fein; fo wiux den beide, Foſſilien, wirklich zweioverſchiedene Gattungen ausmachen. Dies iſt aber nicht wahrfcheinlich, afl en

(8) Bei VAUCQLRLINS Beſftandtheilen des Melanir fteht ein Fragezeichen, weil es pur wahrſcheinlich aber nicht ge- wiſs iſt, daſs der von ihm unterſuchte Schworze Granat zum Melanit der Deutſchen gehort- 19919,2 m AISA bar.

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