————— 3—
XIV
Erzählungsart dieses Reisenden, der nach seinem eigenen Geständniſs oſt sechs Stunden weit von der Karavane entfernt war, häufig nicht entscheiden läſst, ob wirklich von denselben Brunnen und Denkmälern die Rede sey. Auch in Herrn Ghuod's italiänischer Orthographie der Ortsnamen fanden sich Abweichungen, die jedoch dafür zu sprechen schienen, daſs im Munde der Eingeborenen und der Araber die Worte ziemlich so mögen gelautet haben, wie sie hier angegeben sind.
Bei der Erklärung der wichtigen Bildwerke von Siwah im sechsten Kapitel bin ich den, freilich höchst fragmentarischen, Nachrichten griechischer Schrift- steller über die Gottheiten und den Cultus der Aegypter mit entschiedenerm Zu- trauen gefolgt, als man ihnen gewöhnlich zu schenken pflegt: indem ich mich überzeugt hatte, daſs die Religion dieses Volkes unter der Herrschaft der Grie- chen und Römer im Wesentlichen immer dieselbe blieb, und fast die Mehrzahl der erhaltenen ägyptischen Kunstwerke und geringeren Tempel nicht älter seyn könne, als jene bis in das fünfte Jahrhundert vor Christi Geburt zurückgehenden Berichte; welche daher nicht als ein entstellter, täuschender Nachhall, sondern als geschichtliche Zeugnisse von noch fortbestehenden Dingen zu betrachten sind, und auch beständig als solche gegeben werden. Auf diese Art bildete sich, gegründet auf unverwerfliche zusammenstimmende Autoritäten, eine Ansicht der ägyptischen Religion, die eben so sehr die wunderbare Eigen- thümlichkeit derselben, als den Zusammenhang des mythischen Glaubens aller Küstenvölker des östlichen Mittelmeers, welchen zu verknüpfen das Orakel des Ammon wesentlich beitrug, auſser Zweifel setzt. Da jedoch in diesem Felde jeder Tag neue Entdeckungen bringt, und die Forschung noch
lange nicht für geschlossen gelten darf, so wird man sich nicht wundern,
in der später gedruckten Erklärung der Tafeln manches als entschieden dar-
gestellt zu finden, was im Werke selbst nur Vermuthung blieb.


