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Apis. (Biene.) Latr.
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10 ApIs MELLIpIcA.

Abwechselung des Lichtes, und kämen nur bei Schnell am klaren Himmel herauſzichenden Wolken eilig und Schaarenweis nach Hause; wenn der Himmel gleichmãſsig bezogen ist, fliegen sie eher aus und nicht einmal einige Regentropfen treiben sie zurück. Für eine besondre Schärfe ilrer Sinne kann man es auch halten, daſs sie in groſsen Entfernungen Honig wittern, und dafs sie die mit Honig geſüllte Schachtel, welche ihnen Huber auf 200 Schritte weit hinstellie, nach 4 Stunde entdeckten. Haben sie die Blumen in Menge in der Nähe, welche ihnen Nahrung und Baumaterial liefern, s0o Kerden die Stöcke bald gefüllt, gewöhnlich aber müssen sie weiter fliegen in die benachbarten Fel- der, Wälder und Wiesen. Oft nimmt man beim Anbau der letztern Rücksicht auf sie, und wenn Rübsen, Buchweizen und Klee bei uns gut blühen, entsteht auch eine gute Honigernte. In den Wäl- gern sammeln sie besonders viel auf Heidel- und Preuſselbeeren(Vaccin. Myrtill. u. Vitis d.) und auf Erica vulguris(). In den Wiesen sicht man sie am meisten auf den Orchideen, Polygoneen, Caryoplhyllaceen eic., wenig auf Ranunculaceen(wegen der Giſtigkeit*). Auſserordenilich thätig sind sie im Frühling zur Blüthezeit der Amentaceen(besonders Weiden), Rosaceen(vorzüglich Frucht- bäume) und der balsamischen Liliaceen, der Irideen, Primulaceen etc. Vor allem aber locken sie im Sommer die unzähligen Blüthen der Linden(pesonders 7Mia parvifolia), und man hört das Gesumme in den Zweigen derselben schon von fern(*). Schädliche Gewächse lehrt sie ihr Instinet meist ver- meiden, wenn sie gleich durch den Veberfluls an Nectar locken. Zuweilen mag sie wohl der Mangel an Mahrung dazu verleiten, denn in Wesl Chester sah man sie sich auf Rhus Verniæ(poison· ush Scuen, aber am andern Morgen waren sie todt und bedeutend auſgeschwollen(). Von Allium ursi- nm sollen die Bienen giftigen Honig holen. Auf den Alpen soll Aconitum Tcoctonum den Honig giktig machen. Auch in America fand A. Saint-Hilaire gifligen Honig, der aber von einer Wes- penart eingesammelt worden war(). Der unmittelbare Erfolg ihres Fleifses ist theils sichtbar, theils unsichtbar. In groſse Blumen, z. B. Tulpen, kriechen sie ganz hinein und wenn die Staubbeutel noch nicht gan?z aufgesprungen sind, peiſsen sie sie mit ihren Kiefern auf. Sie kommen daun ganz besläubt heraus, ofl so schr über und über mit Blumenslaub(der sich um so leichter nhängen kann, als ihre Härchen gefiedert sind) bedeckt, dals man sie kaum erkennt(); besonders schwer beladen aber sind die Hinterfülse. Die sogenannten Möschen sind Klumpen von meist gelbem, doch auch rolhem oder weiſsem oder grünlichem Pollen, welchen sie, oft mit unglaublicher Geschwindigkeit(**),

() Kirby and Spence a. a. O. p. 180. Bei den Griechen und Römern wuſste man schon von schädlichem Honig. Des Pliniu's Maenomenon soll v. RMododendron G) gekommen seyn(Plin. Uist. nat. XXI. Cap. 13. Nenoph. Ana- .( Cuier Geschichte d. Fortschritte in d. Naturwiss. Uebers. Wiese. Bd. 4. Leipz. 1826. 8. S. 104. (²) s. auch Réaumur a. a. O. p. 296.

() Diese gewährt ihnen auch immer die letzte Ernte im Jahre. In solchen Gegenden daher, wo die Heide häufig wächst, versammeln sich die Zeidler öfters mit ihren Stöcken(die sie bei Nacht auf Schleifen verfahren) von allen Seiten

her und zahlen für diese Weide einen kleinen Zins.

(*) Rosmarinus Narbonensibus, WMmus Atticis, Arhutus Corsis, Ahsinthium Sardis, Aconitum Ponticis, Rubhus An- glis ete. W. Kirby Ap. Angl. Vol. J. p. 314. Pin Heer von Schriften zählt die von den Bienen besuchten Ge- wächse auf: Pan apum von Hagström Stoch. 1768. 8.; Gleditsch Bienenstand in der Mar Brandenburg, Riga end Mietau 1769. S.; Bierkander Bienenfloræ n d. Schnwed. Ahad. Bd. 36.; Buchoz ohs. Sur 7. plantes, qut ſournis- Se t al ab. un miel mal Sain in Gazecte Salut. 1769 no. 16.; Bienen auſ wilden Kastanien in Hamb. Mag. Bd. 19. 5 Niesen vom Honigthaue d. SFchwetzinger Tinden in d. Bemerl. d. Bgs. zu Lautern 1769.; Feur de Tlleu pernicieuse aur ab. im Journ. oecon. 1765. Octhr. H. s. auch das Wctenbers. V ↄclienhl. Bd. 6. p. 9.; Bd. 7. p. 243. Bd. 10. p. 209.; Bd. 11. u. Bd. 13.(V. d. Heidelbeerblüthe u. Heidekraute). Aus südl. Gegenden s. Della Rocca a. a O.. Cnp. II V

(*) Réaumur(P. 298,) pemerkt schon schr richtig, daſs man, wenn man dies ordentlich schen wollte, nicht die

wärmste Jahreszcit wählen müſste, weil sie da zu munter und Hink wären.