Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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1. Entzuͤndung im Allgemeinen. 9

Entzündungen an äußeren Theilen und auf der Haut hervorgerufen, ſo daß ſie ſelbſt gefahrlos ſind. Bei Lungenentzündungen z. B. wird vor die Bruſt ein Fontanell geſetzt, oder es werden an den Seiten der Bruſt reizende Mittel eingerieben. Bei manchen Ent⸗ zündungen endlich, ſind die lauwarmen Bähungen und Waſchungen ſehr heilſam; z. B. bei der Druſe, um den Naſenausfluß zu befördern; bei der Mauke, um die Abſonderung von Feuchtigkeit ſchnell zu bewir⸗ ken. Dergleichen Mittel haben eine erſchlaffende Wir⸗ kung; ſie heben die Spannung in dem entzündeten Theile, und leiten ſomit die Zertheilung oder einen andern günſtigen Ausgang der Entzündung ein.

Hat die Entzündung ſchon irgend einen Ausgang gemacht, oder iſt ſie wenigſtens nahe daran dieſes zu thun, ſo tritt, je nach den Umſtänden, ein von den vorhin gegebenen Vorſchriften etwas abweichendes Verfahren ein. Machen ſich an dem entzündeten Theile die Zeichen von beginnender Eiterung bemerkbar, ſo muß dieſe bei äußern Theilen ſo viel wie möglich be fördert, bei inneren jedoch ſo viel wie möglich verhindert werden. Die Eiterung äußerer Theile wird befördert, durch warme Einhüllungen des Theiles, durch warme Umſchläge, Bähungen und Waſchungen, durch Ein⸗ reibungen von Oel oder Fett, von ſchwach reizenden Mitteln, z. B. flüchtiger Salbe, Terpentinöl ꝛc. Iſt die Eiterung vollendet, ſo wird der Eiter entweder durch einen Einſtich mit dem Meſſer entleert, oder es bricht die Geſchwulſt, wenn ſie nicht fern von der äußern Haut liegt, von ſelbſt auf. Bei der Gefahr des Eintritts der Eiterung bei inneren Theilen, iſt die Kunſt meiſtens ohnmächtig. Sehr ſtarke äußere Reiz⸗ mittel ſind hier, neben den ſonſtigen entzündungs⸗ widrigen Mitteln, beſonders wirkſam.

Bei der Verſchwärung muß darnach getrachtet werden, das bösartige Geſchwür in ein gutartiges um⸗ zuwandeln, damit das Geſchwür nicht um ſich greift, und ſeine Zerſtörungen fortſetzt. Die Behandlung des Geſchwürs mit Höllenſtein, Aetzkali, gebranntem Kalk, Sublimat, Chlorkalk, mit dem Glüheiſen, iſt hier am wirkſamſten. Außerdem wird auch oft noch eine paſſende innerliche Kur erforderlich. Bei der Verſchwärung innerer Theile iſt die Erkenntniß ſehr

dunkel, und die Kunſt vermag dabei wenig oder gar nichts. Erfolgte Ausſchwitzungen erfordern den Ge⸗ brauch ſtark reizender Mittel, des Glüheiſens, der Reibungen, anhaltenden Druckes ꝛc. Iſt Waſſer ergoſſen, ſo ſind Einſtiche in die Geſchwulſt, Bähun⸗ gen, Waſchungen mit Branntwein, mit Kampherſpi⸗ ritus, flüchtiger Salbe ꝛc. nöthig. Auch die urin⸗ und ſchweißtreibenden Mittel, ſo wie Laxanzen ſind dann oft nützlich. Iſt Waſſer in die Höhlen des Körpers ergoſſen, ſo werden dieſe, obſchon nicht ohne Gefahr, angeſtochen, wobei zugleich durch paſſende Mittel auf die Aufſaugung des Waſſers und auf deſſen Entfer⸗ nung durch Urin und Schweiß hingewirkt wird. Auch werden dabei gleichzeitig äußere Ableitungsmittel in Gebrauch gezogen. Verhärtungen innerer Theile ſind in der Regel ganz unheilbar.

Iſt ein Theil brandig geworden, ſo iſt deſſen Er⸗ haltung und Wiederbelebung nicht mehr möglich; es kommt daher darauf an den brandigen Theil ſobald wie möglich fortzuſchaffen, um zu verhindern, daß der Brand nicht weiter um ſich greife, ſo wie, daß die Brandjauche nicht aufgeſaugt und dadurch die ganze Säftemaſſe verdorben werde. Waſchungen mit war⸗ mem Eſſig, mit Branntwein und Eſſig, mit Chlorwaſſer, mit verdünnten Säuren, Breiumſchläge, tiefe Ein⸗ ſchnitte in den brandigen, nicht aber in den geſunden Theil, finden hier ihre Anwendung. Iſt der brandige Theil feucht und voll Jauche, ſo ſind Einſtreuungen von Chlorkalk, Holzkohlenpulver, geſtoßener Eichen⸗ rinde ꝛc. paſſend. Außerdem muß in vielen Fällen zugleich eine allgemeine, innerliche Behandlung ein⸗ treten.

Anmerkung. Es ſind hier nur die weſentlichſten Grundzüge der Zeichen, Ausgänge, Urſachen und der Kur der Entzündung dem Auge des Leſers vorgeführt, damit derſelbe einen kurzen, zuſammenhängenden Ueberblick über dieſelben gewinne. Einiges von dem Geſagten paßt nicht auf alle Fälle, und manches An⸗ dere erleidet unter verſchiedenen Umſtänden mancherlei Abänderungen. Bei der Abhandlung der Entzündung einzelner Theile werden die ſpeciellen Erörterungen über den jedesmaligen Fall ihre genaue Erledigung finden.