Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

1. Entzuͤndung

die ſogenannten Entzündungsreize ſind überaus zahlreich und mannigfaltig, und theils allge⸗ meine, d. h. ſolche, die ihre Wirkung auf den ganzen Körper ausüben, oder örtliche, d. h. ſolche, deren Wirkung ſich auf beſtimmte Körpertheile beſchränkt.

Zu den allgemein wirkenden Urſachen gehören vor⸗ nehmlich Erkältungen, große Hitze und Kälte, feuchte oder auch ſehr trockene Luft, Strapatzen, ſchneller Uebergang von anhaltender Ruhe zu ſtarker Bewegung, verdorbene Stallluft, anhaltende Einwirkung von Näſſe und Regen oder heißer Sonnenſtrahlen ꝛc. Oertlich wirkende Urſachen ſind Stöße, Quetſchungen, anhaltender Druck, Verwundungen, Zerreißungen, Steine in den Gedärmen oder in der Blaſe; ferner verſchiedene Gifte, heißes Waſſer, Verbrennungen aller Art, Erfrierungen, manche Anſteckungsſtoffe ꝛc.

Die Thiergattung anlangend, ſo ſehen wir das Pferd ohne Vergleich am meiſten zur Entzündung diſponirt; bei ihm ſind die entzündlichen Krankheiten überaus häufig. Dann folgen das Rind und das Schwein. Das Schaf iſt mehr zu Schwächekrank⸗ heiten, und daher weniger zur Entzündung, und der Hund überaus ſtark und vorherrſchend zu Nervenkrank⸗ heiten diſponirt.

Ueber den Grad der Gefahr, mit welcher die Ent⸗ zündung verbunden iſt, läßt ſich im Allgemeinen wenig oder gar nichts ausſagen, denn unter die Entzündungen gehören die leichteſten und auch die ſchwerſten und gefährlichſten Krankheiten. Hauptſächlich kommen hier der Sitz, die Ausdehnung, der Grad und die Urſachen der Entzündung, die allgemeine Beſchaffenheit des kranken Thieres, die Wirkung der Mittel und zahlreiche andere Umſtände in Betracht. Die Entzündung iſt um ſo gefährlicher, je edler und wichtiger der befallene Theil iſt. Entzündungen des Gehirns und der Ge⸗ därme z. B. ſind mit ungleich größerer Gefahr verbun⸗ den, als Entzündungen der äußeren Haut, des Euters, der Naſenſchleimhaut ꝛc. Je umfangreicher die Ent⸗ zündung iſt, um ſo übler iſt der Fall. Wichtig iſt ferner die bekannte Neigung zu dieſer oder jener Aus⸗ gangsweiſe der Entzündung. Die Zertheilung iſt der beſte Ausgang; ſchlimmer iſt ſchon die Eiterung, zumal bei inneren Theilen, im Fall der Eiter nicht nach außen durch die Natur oder durch Kunſthülfe entleert werden kann. Indeſſen kommt es bei inneren Theilen nur ſelten zur Eiterung. Bei äußeren Theilen i*ſt die Eiterung faſt eben ſo günſtig, als die Zerthei⸗

im Allgemeinen. 7

lung, und deshalb meiſt ohne Gefahr. Der Ausgang in Verhärtung iſt meiſtens nicht ſehr bedenklich, im Falle nicht innere Theile, und auf große Ausdehnung, verhärtet ſind. Der Brand iſt ſchlimm, und meiſt tödtlich, wenn er innere Theile befällt; hat er an äußern unwichtigen Theilen nur einen geringen Umfang, ſo iſt er meiſtens ohne Gefahr.

Entzündungen, die mit Fieber verbunden ſind, laſſen mehr fürchten, als fieberloſe Entzündungen. Sind die Urſachen nicht zu entfernen, ſo iſt oft große Gefahr vorhanden.

Die Kur der Entzündungen richtet ſich nicht nur nach der Dauer und der Heftigkeit derſelben, ſondern auch nach ihrem Sitze, nach ihrer Ausdehnung, nach den Urſachen, und nach zahlreichen anderen Umſtänden. Wenn auf dieſe Weiſe die Kur der Entzündungen in den verſchiedenen Fällen nothwendig mancherlei Ab⸗ weichungen erleiden muß, ſo laſſen ſich dennoch einige allgemein gültige Vorſchriften in dieſer Hinſicht feſtſtellen.

Vor allen Dingen iſt es bei der Kur der Entzün⸗ dung zunächſt nothwendig, daß die Urſachen möglichſt genau aufgeſucht und erforſcht, und, wenn ſie erkannt ſind, entfernt, oder jedenfalls ſo viel wie möglich geſchwächt und unſchädlich gemacht werden. Oft freilich ſind die Urſachen unerforſchbar, oder ſie haben bereits mit dem Eintritte der Entzündung zu wirken aufgehört. Dieſes iſt z. B. bei einer durch Erkältung oder durch angeſtrengten Lauf entſtandenen Lungenentzündung der Fall. In vielen Fällen indeſſen wirken die Urſachen, ſelbſt nach dem Eintritte der Entzündung, noch fort, und ſteigern und unterhalten dieſelbe. Fremde, in den Körper eingedrungene Gegenſtände müſſen entfernt werden; ſcharfe, ätzende Subſtanzen werden mit Waſſer oder Milch verdünnt und fortgewaſchen, oder durch ſchleimige Mittel und Oel eingehüllt und abge⸗ ſtumpft. Druck, Reibung und jeder ſtattgehabte Reiz, iſt aufzuheben und zu entfernen, und dem leidenden Theile ſowohl, wie auch dem ganzen Thiere iſt die möglichſte Ruhe zu geben. Bewegung ſchadet bei allen Entzündungen; nur ſeltene Fälle ſind davon ausgenommen.

Die Kur ſelbſt zerfällt in die allgemeine, welche ihre Wirkung zunächſt gegen den ganzen Thierkörper ausübt, und in die örtliche, deren Wirkung ſich zunächſt auf den leidenden Theil beſchränkt. Oft ſind beide Heilverfahren zugleich erforderlich, oftreicht die örtliche