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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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140 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.

Garnfäden ſich in glatter, gerader Linie im rechten Winkel durchkreuzen; außerdem kommt das Garn bei den gewirkten Waren nur in gezwirnter, dublierter Form zur Verarbeitung. Die auf ſolche Art hergeſtellten Zeuge haben lange nicht die Dichtigkeit der gewebten Stoffe, beſitzen aber eine höhere Elaſtizität und ſchließen ſich dem Körper viel inniger an. Die Strickwaren ſind das Produkt einer Handarbeit, des Strickens; erſt in neueſter Zeit hat man Strickmaſchinen konſtruiert. Die Wirkwaren werden auf dem Strumpfwirkerſtuhle hergeſtellt. Die Fertigung der für dieſe Warengattungen geeigneten Garne geſchieht entweder durch Handgeſpinſt oder durch Maſchinen⸗ arbeit. Die für Strick- und Wirkwaren geeigneten Garne nennt man Halbkammgarne. Eine andere Art der Verarbeitung der Halbkammgarne iſt die Tapiſſeriearbeit; zu derſelben wird ein beſonderes Garn verwendet und nur mit der Hand ver⸗ arbeitet. Sämtliche Halbkammgarne werden nicht gewalkt; ſie ſollen nicht ein filzartiges, feſtes Ausſehen haben, vielmehr eine lockere, elaſtiſche Form zeigen; ſie dürfen beim Gebrauche nicht einſchrumpfen. Zu Halbkammgarn für das Handgeſpinſt werden Wollen verarbeitet, welche ſehr geringe oder gar keine Krimp⸗ kraft haben. Hierher gehören die Wollen von der Heidſchnucke, von polniſchen Land⸗ und norddeutſchen Marſch⸗ und vom Zackelſchafe. Für das Maſchinengeſpinſt liefern das haupt⸗ ſächlichſte Material die halbveredelten Schafraſſen. Hierher gehören beſonders die ruſſiſchen und ungariſchen Einſchuren, die deutſchen Landwollen, ſowie die Kreuzungen von Merinos und engliſchen, namentlich kurzwolligen Raſſen, aber auch reine Merinowollen, ja ſelbſt Wollen aus Mecklenburg und Pommern werden zu Halbkammgarn verarbeitet.

Die Herſtellung des Garns iſt ſehr einfach. Die für das Handgeſpinſt beſtimmte Wolle wird möglichſt warm gewaſchen. Nach der Wäſche wird die Wolle getrocknet; damit ſind die Vorarbeiten beendet und die Wolle iſt zum Verſpinnen ge⸗ eignet. In früherer Zeit geſchah dies mittelſt einer Spindel; heute wendet man das Spinnrad an. Auf eine nähere Be⸗ ſchreibung desſelben einzugehen, dürfte wohl überflüſſig ſein, da es genügend bekannt iſt. Iſt das Garn auf Spulen ge⸗ wickelt, ſo wird es gezwirnt. Das Zwirnen verrichtet das Spinnrad; mit dem Zwirnen iſt zugleich ein Dublieren ver⸗