134 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.
Feinheit und Gleichmäßigkeit zu bringen, wie er unbedingt erforderlich iſt, um auf der Feinſpinnmaſchine ein den An⸗ forderungen der Weberei entſprechendes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn normal, ſo hat der Spinner bloß ſeine Maſchine richtig zu ſtellen, um ein gutes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn ſchlecht, ſo mag die Maſchine noch ſo genau arbeiten, das Reſultat wird doch mangelhaft ſein. Die Vorarbeiten beſtehen nur der Hauptſache nach in einem vielfach wieder⸗ holten Strecken, um ein Band mit vollkommenen, parallel liegenden Wollhaaren von ſolcher Beſchaffenheit zu erzielen, daß ſich in jedem Querſchnitte ſo annähernd als möglich eine gleich große Anzahl von Wollhaaren vorfindet, d. h. daß das Band überall gleiche Stärke beſitzt. Das Band, welches die Kämmerei liefert, hat meiſtens ein Gewicht von 15— 20 g pro Meter. Die Beſchaffenheit der Wollfaſer verlangt, daß das Vorſtrecken nicht zu gewaltſam vor ſich geht. Dadurch wird notwendig, daß eine gewiſſe Anzahl von Maſchinen ſich in die Arbeit teile und die nachfolgende das Produkt der vor⸗ hergehenden übernimmt, um es dann in immer verbeſſertem Zuſtande der nächſtfolgenden zu übergeben. Eine ſolche Zu⸗ ſammenſtellung von Maſchinen nennt man ein Sortiment. Die einzelnen Maſchinen des Sortiments bilden die Paſſagen desſelben und werden der Reihenfolge nach als die 1., 2., 3., 4., 5. uſw. bezeichnet. Die Anzahl der Paſſagen hängt von der Feinheit des Garnes ab; zum Strickgarn ſind oft nur fünf Paſſagen, für feinere Wollen oft zehn Paſſagen notwendig; dasſelbe Ver⸗ hältnis findet auch bei dem Dublieren ſtatt.
Die Verarbeitung der Bänder geſchieht auf allen Maſchinen in gleicher Weiſe. Hinter der Maſchine befindet ſich ein Spulengeſtell, welches bei den erſten Paſſagen durch eine Kette vom Hinterzylinder der Maſchine aus getrieben wird. Hier werden die von der Kämmerei gelieferten Bänder auf ſenkrecht ſtehenden Spindeln aufgeſteckt. Das ſich abwickelnde Band gelangt über ſich drehenden Walzen nach dem Speiſezylinder, welcher mit einer eiſernen Druckwalze belaſtet iſt. Zwiſchen beiden hindurchgehend, kommt es zu dem ſogen. Führungs⸗ zylinder, der ebenfalls eine kleine Druckwalze hat. Dicht hinter dieſem legt ſich das Band in die Zähne der Nadel⸗ walzen und wird vom Haupte der Ausgangszylinder ergriffen.


