22 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes.
Züchtungsgrundſätze. Vererbung.
Den Grundſatz:„Gleiches mit Gleichem gepaart gibt Aus⸗ gleichung“ halte ich für vorteilhaft; obwohl dieſer Grundſatz in der Konſtanzlehre beruht, ſo wird in der Deſzendenz einer Zucht Ausgleichung geſucht, und zwar ausgeſuchte Gleichheit der Individuen, und dies kann man erreichen, wenn man Eltern paart, welche ähnlich⸗gleiche Eigenſchaften beſitzen; denn man kann annehmen, daß beide Geſchlechter in der Vererbung ihrer Eigenſchaften gleichen Einfluß auf das Zeugungsprodukt aus⸗ üben. Daher kann der Satz„Ungleiches mit Ungleichem gepaart gibt Ausgleichung“ nur unter gewiſſen Bedingungen und Vor⸗ ausſetzungen Geltung haben. Wie ich bereits erwähnte, haben nicht nur die Eltern, ſondern auch die Voreltern auf das Zeugungsprodukt Einfluß. Es ſteht feſt, daß die Auswahl der Zuchttiere die Individualität in der Raſſe das wichtigſte Moment iſt für Erhaltung und Fortbildung der erwünſchten Eigenſchaften des Züchtungsproduktes.
Die Erfahrung lehrt weiter, daß die Körpergröße der Nachzucht mehr durch die Mutter als durch den Vater bedingt wird, und zwar deshalb, weil eine größere Mutter eine größere Frucht austragen kann, und weil dieſe Frucht auch nach der Geburt ihr Gedeihen vorzugsweiſe der mütter⸗ lichen Milch verdankt und ein Zurückbleiben der Größen⸗ entwicklung in dieſer Periode ſchwer wahrnehmbar iſt. Im Vater prägt ſich ſtärker der Individualismus der Raſſe — Zuchttypus— aus; vor allem ſind die Körperformen beim Vatertier genau zu berückſichtigen, weil infolge der Polygamie bei unſeren Haustieren die Eigenſchaften auf eine mehr oder minder große Anzahl der Nachkommen einwirken werden, und weil in einem im Charakter der Zucht gut gebildeten Tier⸗ körper neben anderen Vorzügen zugleich eine weſentliche Be⸗ dingung der Geſundheit und günſtigen Leiſtung liegt. Bei der Beobachtung nun, wie die Tiere vererbt haben, ſetzt das Genie des Züchters ein; es läßt ſich ſchwer, aber doch vorausſehen, wie ein Tier vererbt; ſo können die direkten Elterntiere ver⸗ erben; es können aber auch Eigenſchaften vererbt werden, welche in den Großeltern vorhanden waren. Dieſes Vorkommen, bei welchem die Individuen mehr den Großeltern als den Eltern


