232 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen.
während der Flugzeit des morgens von den Bäumen geſchüttelt und geſammelt werden. Die Regierungen ſollten von Geſetzes wegen das Sammeln vorſchreiben.
Die Wühlmäuſe und Maulwürfe werden am beſten mittels Fallen weggefangen. Letzterer lebt zwar von dem Un⸗ geziefer im Boden, ſo daß dem Schaden, den er durch Aufwerfen von Haufen verurſacht, auch ein Nutzen gegenüber ſteht. Die kleinen Feldmäuſe vertilgt man durch Schwefelkohlenſtoff, Saccharin, Strychninhafer oder durch Anwendung des Mäuſebazillus. Übrigens hat ſich das Beweiden als ein treffliches Gegenmittel erwieſen.— Die auf der Wieſe vorkommenden Ameiſenhaufen werden im Herbſt umgehackt, über Winter obenauf liegen gelaſſen, wobei die Ameiſen zu Grunde gehen; im Frühjahr werden die Schollen wieder in die Löcher gefüllt.
Der Umbruch der Naturwieſen.
Viele Unkräuter können nur vollſtändig vertilgt werden, indem die Wieſe umgebrochen und einige Jahre unter dem Pflug behalten wird. Das iſt das radikalſte und ſicherſte Mittel!
Mancher Landwirt ſchreckt zwar vor einem Umbruch zurück, und überall iſt dieſer auch nicht zu empfehlen. Sehr häufig iſt es aber nur ein Vorurteil, welches dagegen ſpricht; man ſagt, es ſei Sünde, eine Naturwieſe umzubrechen, denn es dauere faſt zwanzig Jahre, bevor man wieder eine rechte Wieſe habe. Ein altes Sprich⸗ wort lautet:„Eine Wieſe anzulegen und ein Kind zu erziehen, dauert gleich lange“. Das mag früher, als man noch auf die natürliche Beraſung angewieſen war, richtig geweſen ſein. Heute, da man Samen guter und dauerhafter Gräſer im Handel leicht kaufen kann, iſt es nicht mehr gerechtfertigt. Heute iſt man bei ſach⸗ gemäßer Auswahl der Gräſer und bei rationeller Wieſenanlage im⸗ ſtande, eine dauernde Wieſe zu erzielen, welche die frühere Naturwieſe ſchon nach einem Jahre im Ertrag übertrifft. Tatſache iſt, daß die alten, verunkrauteten und deshalb wenig ergiebigen Wieſen je länger je mehr umgebrochen und ſpäter neu beſamt werden. Selbſtverſtänd⸗ lich wird man eine Naturwieſe nicht umbrechen, ſolange die guten Futterpflanzen überwiegen und ſolange dieſelbe mit andern ein⸗ fachern Mitteln verbeſſert werden kann. Wenn aber einmal das
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