16 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung.
Gräſer kommen nicht von ſelbſt oder doch nur ſehr allmählich und in geringen Prozentſätzen. Das gemeine Riſpengras(Fig. 9) bildet in ſolchen alten Kleeäckern den Hauptbeſtandteil. Schon unter dem Klee hatte ſich dasſelbe eingeniſtet und in dem Maße durch ſeine oberirdiſchen Kriechtriebe vermehrt, als ſich der Klee verminderte. Oft bildet es faſt reine Beſtände, iſt aber kein Gras erſter Güte. Im erſten Schnitt treibt es zwar zahlreiche, ziemlich hohe Halme und bildet einen dichten Beſtand; im zweiten Schnitt dagegen erzeugt es auf dem Boden nur einen halbfingerhohen Raſenfilz, ohne einen nennenswerten Ertrag zu geben. Im erſten Schnitt lobt man es als„feines Gras“ und im zweiten wird es als Unkraut(„Schnuder⸗ gras“) verflucht. Aber auch im erſten Schnitt erſcheint es für beſſere Bodenarten nicht ſo empfehlenswert, wie gewöhnlich angenommen wird, wenn man die Sache genau betrachtet; das Heu iſt ſehr leicht, die unteren Stengelblätter des Halmes vergilben vorzeitig, weshalb das Futter meiſt ſehr nährſtoffarm und leicht iſt.— Ge⸗ wöhnlich ſtellt ſich auch der Löwenzahn in großer Menge ein, der zwar ein gutes Grünfutter, aber einen geringen Ertrag gibt.
Folgende zwei Unterſuchungen mögen als Beiſpiele dienen.
Dreijährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Beraſung nach Rotklee, in Wermatsweil bei Uſter(Kanton Zürich), 570 m ü. M. 1884 wurde in Grünhafer als Überfrucht Rotklee geſäet und letzterer 2 Jahre genutzt. Unterſucht den 7. Juni 1886. Eine Durchſchnittsprobe enthielt:
3% G Rotklee........ Trifolium pratense... 30,67 M GemeinesRiſpengras⸗ Poa trivialis......... 60,34 M Knolliger Glatthafer(Bätti⸗ Arrhenatherum elatius var. tube- gras)........ rosum.. 4,55 M Gemeiner Löwenzahn. Taraxacum officinale...... 1,61 G Weißklee....... Trifolium repens... 1,46 G Italieniſches Raigras.. Lolium italicum.... 0,65 G Engliſches Raigras.. Lolium perenne........ 0,26 U Stumpfblättriger Ampfer⸗ Rumex obtusifolius..... 0,24 U Kriechender Hahnenfuß. Ranunculus repens...... 0,15 M Gemeine Schafgarbe.. Achillea Millefolium...... 0,07 100,00
G= Gute Futterpflanzen= 33,04%. M= Minderwertige„= 66,57„„ U= Unkräuter= 0,39„
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