208 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.
Kräuſelung. Je hochbogiger die Kräuſelung iſt, deſto intenſiver die Krimpkraft; je flacher, deſto geringer die Krimpkraft. Letztere
Eigenſchaft iſt für die Kammwollſpinnerei wichtig; ja, in
früheren Jahren konnte der Kammgarnſpinner keine Wolle
mit nur normaler Kräuſelung verarbeiten; aber jetzt iſt es ihm durch Erfindung neuer Maſchinen, beſonders der Plätt⸗
maſchinen, gelungen, auch Kammwollen mit Kräuſelung zu
verarbeiten; doch der Fabrikant verarbeitet am liebſten Kamm⸗
wollen, welche gedehnt und flachbogig ſind; dagegen iſt eine allzuſtarke Markierung zu vermeiden. Auch auf Treue des Wollhaares legt hier der Fabrikant einen Wert; denn un treues Haar erzielt in der Kammwollfabrikation zuviel Kämm⸗ linge, da die Widerſtandskraft ſehr in Anſpruch genommen wird. Iſt alſo ein Wollhaar in ſeinen Teilen nicht gleich, ſo zerreißt es beim Kämmen; auf feſtgeſchloſſenen Stapel
ſieht der Kammwollfabrikant nicht allzu ſehr. Beſonders aber„
muß ich die Landwirte darauf hinweiſen, den Quaderſtapel zu vermeiden; denn derſelbe läßt immer auf eine keulenartige Strähnbildung ſchließen.
Die Länge der Kammwolle.
Unter den Züchtern herrſcht jetzt vielfach die Anſicht, Kammwolle könne nicht lang genug ſein; dieſes zeugt aber von wenig Kenntnis der Fabrikation; denn zu lange Wollen können unſere Fabrikanten überhaupt nicht verarbeiten. Wolle von 10 cm Länge befriedigt vollſtändig den Fabrikanten; es wäre Unſinn, längere heranzuzüchten, da ſie über eine gewiſſe Grenze von Länge untauglich für die Fabrikation wird.
Feinheit der Kammwolle.
Vielfach hört man jetzt von Züchtern die Behauptung aufſtellen, Kammwolle könne nicht grob genug ſein, man müſſe grob züchten; demgegenüber muß ich geltend machen, daß man zu grobe Wolle von unſeren Kammwollſchafen nicht braucht; dafür gibt es engliſche Kreuzungen. Der Kammgarn⸗ fabrikant braucht keine ſo große Feinheit wie der Streichgarn⸗ ſpinner, aber das Sortiment einer Kammwolle ſollte ſich in den Grenzen einer geringen A bis geringen B bewegen.
Anhalt. Buchdruckerei Gutenberg, Guſtav Zichäus, Deſſau.
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