194 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.
immer darauf achten, daß die Kammgarnfabrikation parallele Fäden erzielen will. Würde dagegen die Wolle zu naß auf die Krempel kommen, ſo wäre ein richtiges Verarbeiten der⸗ ſelben unmöglich; vielmehr würden die Zähne der Beſchläge roſten und nach kurzer Zeit ausbrechen.
Von einem Zufuhrtiſch gelangt die Wolle durch Speiſe⸗ walzen zunächſt an die Klettenwalze, von deren Umfang die etwa vorhandenen Kletten durch eine Meſſerwalze abgeſchlagen und nach einer Mulde befördert werden. Die Üüberführung nach einem kleinen Tambour erfolgt durch den erſten Wender; dieſer Tambour mit den darüber befindlichen drei Arbeitern und den drei Wendern bildet den Avant⸗Train. Die Üüber⸗ tragungswalze befördert die Wolle nach dem großen Tam⸗ bour, mit welchem vier Arbeiter und vier Wender zuſammen⸗ arbeiten. Ein Volant ſchiebt die Wollhaare an die Spitzen der Beſchlagzähne, und erfolgt darauf auf dem Umfange des Peigners(Abnehmer) die regelmäßige Anſtauung des Mate⸗ rials für die erforderliche Dichte eines Vlieſes. Der Hacker löſt das Vlies ab, und der Trichter faßt dasſelbe zu einem Bande zuſammen, welches durch die Wickelwalzen nach dem Wickelapparat weiterbefördert wird.
Die techniſche Zuſammenſetzung der Krempel ſowie die Harmonie der einzelnen Walzen zu erörtern, iſt Sache des Ingenieurs; bemerkt ſei noch, daß die Regulierung einer Krempel große Schwierigkeiten bereitet. Es iſt daher die erſte Aufgabe des Krempelmeiſters, ſich mit dem Charakter der verſchiedenen Wollen genau vertraut zu machen, um jedesmal die Stellung der Maſchine anzuwenden, welche bei Offnung der Wolle bis in die kleinſten Knötchen dieſelbe nebſt den Beſchlägen am meiſten ſchont. Darin liegt die Kunſt des Krempelns, und in dem Maße, wie ſich dieſelbe ein Meiſter zu eigen macht, wird ſein Erfolg wachſen, und er wird von ſelbſt ſich in der Fabrik unentbehrlich machen.
Das Kämmen der Volle. Wie ſchon im Krempeln die Kamm⸗ von der Streich⸗
garnſpinnerei abweicht, ſo trennt ſich vollends der Weg beider Fabrikationsarten. Bei der Kammgarnſpinnerei verlangt man einen glatten, geſtreckten Faden, der möglichſt wenig Enden
an ſeiner Oberfläche zeigt. Um dieſes zu erreichen, machen


