Die Appretur des Tuches. 185
gewöhnlich Spindelpreſſen, hydrauliſche oder Waſſerpreſſen und Walzenpreſſen. Der Vorgang iſt in kurzen Worten fol⸗ gender: Das Tuch wird zwiſchen Preßplatten gelegt, welche anfangs nur halben Druck ausüben, nach ein- bis zweiſtün⸗ diger Durchwärmung ſchraubt man die Druckplatten feſt und läßt das Tuch 12—16 Stunden zwiſchen den Preßplatten liegen, alsdann nimmt man es heraus. Hat das Tuch die Preſſe verlaſſen, ſo wird es dekatiert. Die Dekatur hat den Zweck, diejenigen Eigenſchaften, welche man der Ware durch die Rauherei, Schur und Preſſe beigebracht hat, zu fixieren. Die Wirkung der Dekatur beſteht darin, daß die hornartige Subſtanz des Wollhaares durch die geſpannten Dämpfe un⸗ gemein erweicht wird und die Ware während dieſer Operation mehr oder weniger unter mechaniſchem Drucke ſtehen bleibt. Das bereits erweichte Wollhaar wird auf dieſe Weiſe ge⸗ wiſſermaßen umgeformt und flacher gedrückt. Indem durch den durchgehenden Dampf die ſchmutzigen Beſtandteile aus dem Wollhaare entfernt werden, wird es ſpröde und behält nach dem Erkalten dieſe Eigenſchaften dauernd bei. Die Deka⸗ tur geſchieht auf Walzen. Man unterſcheidet die trockene und die naſſe Dekatur; letztere kann auch als Erſatz oder Fort⸗ ſetzung der erſteren angeſehen werden.
Die letzte Manipulation, ehe das Tuch in die Hand des Schneiders kommt, iſt das Noppen oder Tinktieren der Ware.
Nachdem nun das Tuch vollſtändig fertig iſt, wird es noch einmal einer genauen Durchſicht unterworfen. Finden ſich noch irgendwelche Beſtandteile von Stroh oder anderen Unreinigkeiten darin, ſo muß es nochmals genoppt werden, ehe es verſandt werden kann. Unter Tinktieren verſteht man folgendes: Es gibt vegetabiliſche Körperchen, welche beim Farbprozeß die loſe Wolle nicht mitfärben; ſie ſtellen ſich im farbigen Stück als feine, weiße oder gelbliche Punkte und Spitzen dar, die dann entweder vermittelſt des Noppeiſens herausgezogen oder durch eine feingeſchnittene Gänſefeder mit Tinktur betupft werden. Die Tinktur iſt gleichſam eine ſtark konzentrierte, nur für die vegetabiliſchen Faſern hergeſtellte Farblöſung, welche in allen Farbentönen angefertigt wird; ſie iſt derartig zuſammengeſetzt, daß ſie ſich nur mit den vegetabiliſchen Faſern verbindet, während ſie auf den ani⸗ maliſchen nur mechaniſch haftet und durch Reiben von den⸗


