Druckschrift 
Die Schafzucht : Rassen, Züchtung, Ernährung, Rentabilität und Krankheiten des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
Einzelbild herunterladen

56 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes.

ſollte erſt im ſechſten Monate ihres Daſeins ſtattfinden. Da ich das Einkerben verwerfe, ſo müſſen die Lämmer nach der Boniturliſte tätowiert werden. Nach 6 Monaten iſt das Ohr ſoweit gefeſtigt, daß die Nummer auf die innere, haarloſe Fläche desſelben eingeſtochen werden kann; im rechten Ohre findet gewöhnlich die Nummer und der Jahrgang, im linken die Abſtammung ihren Platz. Bis zur Tätowierung wird ge⸗ wöhnlich die Nummer dem Lamme mit roter Olfarbe auf das Fell gedrückt.

Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtungen.. Man unterſcheidet Zucht⸗ und Hammelſchäfereien. Die

Zuchtſchäfereien halten Schafe, um Lämmer zu bekommen,

von denen der eine Teil dazu dienen ſoll, in der Herde ſelbſt verwendet zu werden, während der andere die Beſtimmung hat, in angemeſſenem Alter verkauft oder zu Schlachtvieh herangezogen zu werden. Hundert lammfähige Mütter werfen im Jahre etwa 90 Lämmer; von dieſen bleiben bis zum ſechſten Monat etwa 80 Stück, teils männlichen, teils, weib⸗ lichen Geſchlechts. Je höher ſich die jährliche Ablammung ſtellt, deſto früher können die alten, ſchwächlichen Jahrgänge ausgemerzt werden.— Die Hammelſchäfereien ſind ange⸗ bracht in Orten mit üppig gelegenen Weideplätzen und kräf⸗ tiger, fetter Stallfütterung(Schlempe, Zuckerrüben), wo die Lämmer zwar ſchnell heranwachſen, aber nicht auf die Dauer geſund bleiben. Die Hammelſchäfereien ziehen die Lämmer in der Regel nicht auf, ſondern kaufen aus anderen Herden jüngere, zu körperlicher Zunahme geeignete Tiere(Kreu⸗ zungs⸗ oder rein engliſche Lämmer), die ſie nach beſtimmter Zeit als Schlachtvieh verkaufen(Maſtſchafe). In einer Hammel⸗ oder Maſtſchäferei kommt viel auf die Frühreife der Tiere an; je ſchneller der Umſatz, deſto größer der Gewinn.

Wir kommen nun zur Zuſammenſetzung einer

Zuchtſchäferei und zu ihrem Zuwachs und Abgang. In jedem Schäfereibetriebe muß heute der Grundgedanke ſein: ſchneller Umſatz. Man darf aus dieſem Grunde auch die

Mutterſchafe nicht zu alt werden laſſen, weil ein zu altes

Schaf ſich nur ſchwer mäſten und noch ſchwerer zur Weiter⸗ maſt verkaufen läßt. Es iſt nachgewieſen, daß ein Schaf