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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung, Ernährung, Rentabilität und Krankheiten des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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Erſter Deil.

RNaſſen, Züchtung, Ernährung, NRentabilität und Krankheiten des Schafes.

Die Schafzucht iſt ſeit den früheſten Zeiten faſt in allen Erdteilen und Zonen betrieben worden. Auch in Zukunft werden Schafe gehalten werden, weil ihre Wolle zur Beklei⸗ dung der Menſchen unentbehrlich iſt. Gerade die Kriegs⸗ jahre 1914/18 haben gezeigt, welch große Rolle die Wolle als Bekleidungsmittel ſpielt, und meines Erachtens wird das Schaf beſonders nach dem Kriege viel mehr beachtet werden. Das Schaf gehört zu den begünſtigten Haustieren; es wird nicht nur der Wolle und des Fleiſches, ſondern auch der Milch wegen gezüchtet. Es beſitzt eine hohe Akklimatiſations⸗ fähigkeit und gewöhnt ſich ſchnell an örtliche Verhältniſſe. Während es im hohen Norden ein ſehr dichtes Vlies trägt, iſt ſeine Wolle in den wärmeren Ländern ſchlichter und dünner. Kaum eine Tiergattung kann bei ſo dürftigem Futter auskommen als das Schaf. Man denke nur an die ſpär⸗ lichen, knappen Weiden im ſüdlichen Rußland und in Auſtra⸗ lien, mit denen es gleichwohl ſein Leben friſtet; bei kräftigerem Futter lohnt es reichlich durch größere Produktivität der Wolle, des Fleiſches, der Milch, des Düngers uſw. In naturgeſchichtlicher Beziehung gehört das Schaf zu der Ord⸗ nung der Wiederkäuer(Ruminantia). Man unterſcheidet ziegenartige und ſchafähnliche Wiederkäuer. Von letzteren gibt es dreierlei Varietäten: den Argali(Ovis Ammon), den Muflon(Ovis Musimon) und das zahme Schaf oder Haus⸗ ſchaf(Ovis Aries). Die beiden erſten Arten kommen hier nicht näher in Betracht; das letztere dagegen ſoll uns hier weiter beſchäftigen. Die ſchafähnlichen Wiederkäuer ſind ent⸗ weder gehörnt oder ungehörnt. Sind Hörner vorhanden, ſo

Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 1