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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
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Kalkböden. 1479

können in dem tonigen Kalk Stücke von Kalkſtein vorkommen, die im Tonmergel fehlen. Wenn nun aber ein Tonmergel gegen 50% Ton und gegen 50% Kalk, und wenn andererſeits ein toniger Kalk ebenfalls gegen 50% Kalk und gegen 50% Ton enthält, ſo liegt es auf der Hand, daß der Unterſchied zwiſchen beiden Bodenarten, ohne gänzlich zu verſchwinden, doch nur ein geringer ſein kann.

Wenn wir die Grenze zwiſchen Kalk⸗ und Mergelböden bei einem Kalkgehalt von 50% ziehen, ſo iſt das, wie wir bereits zu⸗ gegeben haben, bis zu einem gewiſſen Grade willkürlich. Die Ein⸗ teilung nach dieſem Prinzip läßt auch den geologiſchen Geſichtspunkt zum Teil unbeachtet, denn hiernach wird z. B. der Kalkmergel nicht in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalkböden zu ſtehen kommen. Aber das ſcheint uns vom landwirtſchaftlichen Geſichtspunkte gerade das Richtige zu ſein, denn alle Böden, die einen ſehr hohen Kalkgehalt aufweiſen, werden, gleichviel ob ſie der

Geologe zu den Mergel⸗ oder zu den Kalkgeſteinen rechnet, gleiche

oder ſehr ähnliche chemiſche und phyſikaliſche Eigenſchaften beſitzen

und ein gleiches oder ſehr ähnliches Verhalten gegen die Pflanzen

äußern, und hierauf kommt es in erſter Linie an, wenn man den Boden nicht als Ding an ſich, ſondern als Pflanzenproduktionsmittel betrachtet.

Die Böden, die wir in der Gruppe der Kalkbodenarten zu⸗ ſammenſtellen, entfernen ſich von den Mergelböden um ſo mehr, je mehr der Kalkgehalt in ihnen zunimmt. Beträgt er nur 50 70%, ſo können ſie ſich noch ähnlich günſtig gegen die Pflanzen verhalten

wie gewiſſe Mergelböden; ſteigt er aber auf 80, 90% und darüber,

ſo leidet der Boden an übermäßiger Hitzigkeit und Tätigkeit und ſinkt mehr und mehr auf die Stufe der Unfruchtbarkeit herab.

Wie die Mergelböden, ſo zeichnen ſich auch die Kalkböden da⸗ durch aus, daß die auf ihnen erwachſenen Pflanzen geſund und nahr⸗ haft ſind. Die Flora der Kalkböden iſt mannigfaltig, aber nicht ſehr ergiebig; der Ertrag wird um ſo geringer, je mehr die übrigen

Bodenbeſtandteile gegen den Kalk zurücktreten.

Zu den wildwachſenden Pflanzen, die den Kalkboden kenn⸗

zeichnen, zwar auch auf Mergelböden, aber gar nicht oder nur aus⸗

nahmsweiſe auf kalkarmen Böden vorkommen, gehören folgende: Gemeine Becherblume, Poterium Sanguisorba. Großer roter Bibernell, Pimpinella magna v. rosea. 12*