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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
Entstehung
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2. Die angeſchwemmten Böden. 39

Steinpflaſters, das Napoleon zum Transport ſeiner Kanonen durch den Sand von Schönlanke nach Schneidemühl bauen ließ, habe ich vor 50 Jahren eine große Menge ſolcher Findlinge geſehen. An dem Wege, der durch mein väterliches Landgut von Hüttchen nach Runau führt, lag jahrzehntelang ein ſagenumwobener, abgerundeter Block von 80 90 cm Breite und 60 cm Höhe; er wurde, wie viele andre, mit Pulver geſprengt und als Bauſtein benutzt. Die Granit⸗ oder Gneisſchale vor dem Berliner Neuen Muſeum iſt mit dieſen Findlingen ſtammverwandt.

Nun ſtreiten ſich die Gelehrten darüber, ob jene Findlinge auf Eisſchollen, oder ob ſie mit den Gletſchern aus Schweden und Nor⸗ wegen herübergekommen ſind. Schwimmende Eisſchollen können auf

größere Entfernung kein Geſtein davontragen, weil es infolge der

Schwere hindurchſinkt. Ich erkläre mich daher für die Gletſcher⸗ theorie. Nur kurz weiſe ich hin auf die Verhältniſſe in Grönland, einſt ein grünes Land, heute unter Gletſchern begraben. Eine ein⸗ gehendere Begründung meiner Anſicht ſtützt ſich auf meine Be⸗ obachtungen in Norddeutſchland und in der Schweiz.

Auf der Höhe des Zürichbergs befindet ſich 650 m über dem Meer und 250 m über dem Zürichſee eine Kiesgrube, in der das anſtehende Material unzweifelhaft nichts anderes iſt als eine Moräne. In der ſenkrechten Wand der Grube ſah ich vor Jahren einen 2 m langen Sernifitblock. Er ſtammte aus dem Sernftal, das in das Linthtal mündet. Der oben erwähnteZeuge der Eiszeit auf dem Adlisberg, ſowie die zahlreichen andern Sernifitblöcke im Bett des Elefantenbachs und auf den Höhen in ſeiner Umgebung, ſie haben alle denſelben Urſprung. In Fig. 2 iſt ein ſolcher Sernifitblock an der Wand der Kiesgrube zu ſehen.*)

Die Kiesgrube zeigt außer dem mächtigen Block folgende Schichten: Zu unterſt Kies, beſtehend aus fauſtgroßen bis kopfgroßen Geröllen, untermiſcht mit Grand, Sand und feinkörnigem Lehm⸗ mergel, in unregelmäßigen, geneigten und gekrümmten Schichten.

Darüber eine mehr horizontal gelegene, faſt ſteinfreie Schicht, be⸗

*) Mein Haus am Abhang des Zürichbergs ſteht auch auf einer Moräne. Bei der Anlage des Gartens wurde ein 85 om langer Sernifit⸗ block ausgegraben, der mich nun unter dem ſchattenden Nußbaum an ver⸗ gangene Zeiten erinnert.