32 Die Entſtehung des Grund und Bodens.
roten Feldſpatkriſtallen. Das Geſtein war hier ebenfalls durch Verwitterung in ſeine noch kenntlichen Beſtandteile zerfallen, weiter ab von dem Steilabhang aber zu Erde, zu Lehm geworden, der als Unterlage für den Weinbau diente.
Wieder ein andermal wanderte ich durch das Wäggital und über die Schwein⸗Alp nach Richisau, wo ich im nächſten Jahr einen längeren Ferienaufenthalt nahm. Die Verpflegung war mäßig, die Luft gut, die Ausſicht herrlich, beſonders von der Schwammhöhe aus, wenn der Glärniſch am Abend hellkupferrot erglühte, ſo nahe, daß man förmlich in der Glut gebadet war.
Die Schwamm höhe iſt eine ausgedehnte, hochgelegene(1095 m) Gebirgsterraſſe, bedeckt und überſät mit unzähligen abgerundeten Geſteinsblöcken, deren Durchmeſſer meiſt gegen 1 m, ſelten über 2 m beträgt. Eine alte Gletſcherbildung.
Eine ähnliche Erſcheinung bietet das„Felſenmeer“ im Oden⸗ wald, das man von Auerbach a. d. Bergſtraße mit Wagen in
½ Stunden erreicht. Die Lage und Umgebung iſt hier bei weitem nicht ſo ſchön wie auf der Schwammhöhe bei Richisau, denn das Felſenmeer liegt im Walde und bietet keine Fernſicht. Aber geo⸗ logiſch iſt das Felſenmeer noch großartiger. Das Geſtein iſt hier Syenit. Die ebenfalls abgerundeten und geglätteten Blöcke liegen dichter beieinander, und ſie erreichen einen Durchmeſſer von 2—3 m. Ja, unter den Blöcken befindet ſich eine künſtlich bearbeitete, ver⸗ laſſene Säule, deren mittlerer Durchmeſſer gegen 1 m beträgt, während die Länge wohl 9 m erreicht. Beſonders ins Auge fällt ein großer Block, von dem 2 m lange Platten ſenkrecht abgeſägt worden ſind. Welch eine Arbeit bei der Härte des Geſteins, und doch geht ſie ſo weit in die Vorzeit zurück, daß ſie den alten Römern zugeſchrieben wird.
Nach dieſer Abſchweifung kehren wir zurück nach Richisau. In ſeiner Umgebung intereſſierten mich beſonders die Karrenfelder auf den Silbern. Es ſind das ſilberhell glänzende, in ganz eigen⸗ tümlicher Weiſe verwitterte Kalkfelſen. Die Oberfläche bildet nämlich ein Gewirr von größeren und kleineren Felsſpitzen, zwiſchen denen ſich krugförmige und ſchalenförmige Vertiefungen befinden, rieſigen Blumentöpfen vergleichbar. Der Vergleich paßt auch in⸗ ſofern, als die Vertiefungen zum Teil mit Erde gefüllt ſind, in der Alpenroſen und andere Gewächſe gedeihen. Die Erde beſteht aus


