4 I. Abſchnitt.
bleiben ſie feſt mit dem Korn verbunden. Als Braugerſten werden faſt ausnahmslos beſpelzte Sorten verwendet. Das Korn iſt auf der Rückenſeite gewölbt, auf der Bauchſeite mit einer Furche verſehen und erſcheint daher auf dem in der Mitte ge⸗ führten Querſchnitt nierenförmig.
Macht man einen Querſchnitt durch ein ſolches Gerſten⸗ korn, ſo findet man alſo von außen nach innen zuerſt die Spelzen, beſtehend aus einer kutikulariſierten Oberhaut, der „Faſerſchicht“ mit langgeſtreckten, ziemlich dickwandigen Zellen, und der„Parenchymſchicht“, kürzere Zellen mit dünneren Wan⸗ dungen. Darauf folgt die Fruchtwand, welche zuſammenge⸗ ſetzt iſt aus deren Oberhaut und äußerm Teile, einer zweireihigen parenchymatiſchen Schicht von Querzellen, nebſt der inneren Oberhaut der Fruchtwand, aus walzenförmigen, vertikal verlau⸗ fenden Zellen gebildet. An dieſe ſchließt ſich die Samenſchale an, wiederum aus ſtärker verdickten Zellen beſtehend. Meiſt ſind auch Reſte des Knoſpenkerns aufzufinden.(vgl. Fig. 1, II und Erklärung derſelben; die Spelzen fehlen in der Figur.).
Im eigentlichen Samen findet ſich außen— unter der Samenſchale, zunächſt eine eigentümliche Schicht von mit ſehr deutlichen Zellkernen verſehenen Zellen, welche bei den übrigen Cerealien nur aus einer einzigen Lage, bei der Gerſte aus in der Regel 3, ſelten 2 oder 4 Schichten beſteht, den fälſchlicherweiſe ſog. Kleberzellen oder der Kleber⸗ ſchicht. Man hat ihren Inhalt lange Zeit für Klebermehl ge⸗ halten; in Wirklichkeit beſtehen jedoch die körnchenartig aus⸗ ſehenden Inhaltskörper dieſer Zellen nicht aus eiweißartigen Proteinkörnern, ſondern es ſind Tröpfchen von Fett oder fettem Ol, welche in einer netzartig verteilten protoplasmatiſchen Grund⸗ ſubſtanz eingelagert ſind.“) Die Bezeichnung„Fettſchicht“ oder „Olſchicht“ würde daher richtiger ſein; Harz ſchlägt den Namen „Pſeudoproteinſchicht“ dafür vor. Möglicherweiſe enthalten dieſe
1) Johannſen, Botan. Centralblatt, XV. Bd. 1883, S. 305.


