2 I. Abſchnitt.
berühren ſich dagegen die Intereſſen des produzierenden Land⸗ wirts und die des konſumierenden Brauers. Der letztere wünſcht ſie von einer ſolchen Beſchaffenheit, daß ſie ihm ohne beſondere Schwierigkeiten die größte und beſte Ausbeute gewährleiſtet; der Landwirt muß danach ſtreben, ein ſolches Ernteprodukt zu er⸗ zielen, daß es den berechtigten Anſprüchen des Brauers ſo weit wie möglich entſpricht, damit er ſeine Arbeit auch nach der pekuniären Seite hin mit Erfolg gekrönt ſieht. Für beide iſt es daher zunächſt gleich wertvoll, zu wiſſen, welche Eigenſchaften die Gerſte beſitzen muß, um als Material für die Bierbereitung Verwendung finden zu können, und welcher Maßſtab an ſie zur richtigen Beurteilung zu legen iſt. Auf die Erörterung dieſer Fragen werden wir dementſprechend zunächſt hingewieſen; die rein techniſch⸗mechaniſche Seite der Malzbereitung kann dabei nur ſoweit in den Kreis der Betrachtung gezogen werden, als es für das allgemeine Verſtändnis wünſchenswert oder für die Erklärung gewiſſer Vorgänge und deren Zuſammenhang mit einzelnen Eigenſchaften des Rohmaterials notwendig iſt.
Anatomiſcher Bau des Gerſtenkorns.
Das Gerſtenkorn iſt, wie dies bei den Gräſern überhaupt der Fall iſt, kein Same— wofür es im gewöhnlichen Leben meiſt gehalten wird— ſondern eine Frucht— ſogen. Grasfrucht, Schalfrucht, Caryopſis— d. h., es beſteht nicht nur aus dem eigentlichen, aus der Samenknospe hervorgegangenen Samen, ſondern auch noch aus der, dem Fruchtknoten entſtammenden Fruchthülle, welche mit der Samenſchale feſt verwachſen iſt. Ge⸗ wöhnlich beteiligen ſich an der Umhüllung des Gerſtenkorns auch noch die beiden ſogen. Spelzen, blattartige Gebilde, welche in der Grasblüte die Rolle von Hüllblättern ſpielen, und die ſpäter mit der reifen Frucht mehr weniger feſt verſchmelzen. Je nachdem ſie mit dem Gerſtenkorn verbunden ſind oder nicht, unterſcheidet man zwiſchen beſpelzten, beſchalten— und nicht beſpelzten, nackten Gerſtenvarietäten; im letztern Falle werden ſpäteſtens beim Dreſchen die Körner aus dem Spelzen losgelöſt; im erſteren


