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Der Weizenbau / von Eug. Risler. Übers. und mit Anmerk. vers. unter Berücksicht. deutscher Verhältnisse von W. Rimpau
Entstehung
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Wärme und Licht. 3

für die Reife des Weizens nötig iſt, habe ich, dem Beiſpiele A. de Candolle's und Hervé Mangon's folgend, alle Durchſchnitts⸗ temperaturen von+ 60 vom Tage der Ausſaat bis zur Ernte zuſammengezählt. Dies ſind die Ergebniſſe, welche mir zehn Beobachtungsjahre für den Noé⸗Weizen geliefert haben:

(Siehe Tabelle S. 4.)

Im Departement de la Manche, zu Sainte⸗Marie du Mont hat Hervé Mangon ein Mittel von 23650° gefunden, alſo 231° mehr als zu Calève.

Dieſer Unterſchied läßt ſich durch den Unterſchied zwiſchen dem Seeklima der Normandie und dem Kontinentalklima des öſtlichen Frankreich erklären. In der Normandie ſind die Win⸗ ter milder und infolge deſſen ſind dort mehr Tage, an denen die Durchſchnittstemperatur+ 60 überſteigt. Andererſeits ſind die Sommer dort weniger heiß; das Reifen geſchieht dort lang⸗ ſamer und die Ernte beginnt 3 Wochen, zuweilen 4 Wochen ſpäter. Endlich ſind die zuſammengezählten Temperaturen Durch⸗ ſchnittstemperaturen der Luft im Schatten; ſie ſind niedriger als die Temperaturen in der Sonne, welche in Wirklichkeit die Ernten beeinfluſſen. Aber der Irrtum, welcher hieraus entſteht, iſt unter der oft verſchleierten Sonne der Normandie, faſt auf dem Meeresſpiegel, geringer als im Innern des Kontinents in einer Höhe von 240 m.

Wie ſchon A. de Candolle gezeigt hat, iſt die Vegetations⸗ zeit des Getreides kürzer in den öſtlichen als in den weſtlichen Gegenden.

Um ſo gut wie möglich die direkte Sonnenwärme zu be⸗ rechnen, habe ich für die Jahre 1872 bis 1876 die Mitteltem⸗ peratur des Bodens auf 0,10 m Tiefe zuſammengezählt und 2315,800° für die Vegetationszeit des Weizens gefunden.

Die Erde auf 1 m Tiefe hat zum Weizen nur direkt Be⸗ ziehungen durch die Wurzeln, welche ſich bis zu dieſer Tiefe erſtrecken. Jedoch die Temperaturſchwankungen von einiger Be⸗ deutung, welche auf der Bodenoberfläche wirken, machen ſich nach einigen Tagen bis zu einer Tiefe von 1 m fühlbar und regi⸗

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