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Der Weizenbau / von Eug. Risler. Übers. und mit Anmerk. vers. unter Berücksicht. deutscher Verhältnisse von W. Rimpau
Entstehung
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Erſtes Kapitel. Das Klima.

Wir haben gar keine Macht über das Klima, wir müſſen es ſo hinnehmen wie es in den Ländern iſt, in denen wir den Ackerbau betreiben; aber es iſt nützlich, dieſes Klima und die Tem⸗ peratur⸗, Beleuchtungs⸗ und Feuchtigkeits⸗Verhältniſſe zu kennen, welche der Vegetation des Weizens am günſtigſten ſind, um unſere Kulturmaßregeln danach einzurichten und Varietäten zu wählen, welche ſich denſelben am beſten anpaſſen, um nötigen Falls ſo⸗ gar unter gewiſſen Umſtänden auf den Weizenbau zu verzichten, und unſern Boden zu lohnenderen Produktionen zu verwenden.

Im allgemeinen kann man ſagen, daß faſt in ganz Europa die Temperatur den Weizenbau geſtattet; derſelbe wird nur un⸗ möglich im Norden Norwegens, Schwedens und Rußlands und auf den höchſten und kälteſten Gebirgen der anderen Länder. Was die Regenfälle betrifft, ſo ſind dieſelben in Europa gleich⸗ mäßiger verteilt als in den andern Erdteilen. Dank der kleinen Fläche, welche es im Verhältnis zu den umgebenden Meeren hat, und Dank den vielen Meerbuſen, welche in ſein Feſtland einſchneiden, iſt Europa viel weniger als Nordamerika, Oſtindien und Auſtralien Trockniſſen ausgeſetzt, welche anhaltend genug ſind, um die Weizenernte in Frage zu ſtellen; nur Rußland gleicht in dieſer Beziehung unſeren anderen Konkurrenten.

Nach dieſer beruhigenden Betrachtung wollen wir etwas mehr Einzelheiten bringen über die Temperatur⸗ und Feuchtig⸗ keits⸗Bedingung, welche der Weizenbau erfordert:

Wärme und Licht.Nicht alle Pflanzen, ſagt Charles Martins, beginnen die Vegetation bei gleicher Temperatur: nämlich bei den einen beginnt der Saft zu ſteigen ſobald das

Rimpau, Weizenbau. 1