278 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
ſitzt nicht an dem eigentlichen Kern der Frucht, ſondern an der äußeren Schale, die aus den beiden Blütenſpelzen gebildet wird.
Von dieſen beiden Kulturvarietäten empfehlen ſich nun zum An⸗ bau in Deutſchland namentlich die Klumphirſe mit gelben und die Klumphirſe mit grauen Körnern. Die graue Klumphirſe hat den Vorzug, daß ihre Vegetationsdauer um etwa 8 Tage kürzer iſt, indem ſie nur 92 Tage beträgt.
Saatmethode.— Gewöhnlich wird die Hirſe breitwürfig aus⸗ geſäet, es iſt aber ſehr zweckmäßig, ſie in 15— 20 cm weit entfernten Reihen zu drillen, weil dadurch das Behacken und Jäten weſentlich erleichtert wird.
Samenbedarf bei Breitſaat 0,3— 0,7 hl; bei Drillfaat 0,2 bis 0,3 hl pro Hektar.
Unterbringung ganz flach, 1 cm.
Pflege.— Die Pflege beſteht bei Breitſaat in einem Übereggen, wenn die Pflanzen etwa 5 cm hoch ſind; bei Drillſaat in zweimaligem Behacken, das erſtemal, wenn die Pflanzen 5 cm, das zweitemal, wenn ſie 10— 15 cm hoch ſind. Häufig iſt das Jäten unerläßlich.
Ernte.— Die Ernte hat ihre Unannehmlichkeiten, weil wegen der ungleichmäßigen Reife der Körner der Zeitpunkt ſchwierig zu be⸗ ſtimmen iſt, und weil die reifgewordenen Körner ſehr leicht durch Aus⸗ fall verloren gehen. Man ſchneidet daher, wenn die Hälfte der Körner reif iſt, was man an der Farbe erkennt, und driſcht die Körner ſogleich ab. Das Stroh, das zur Fütterung wertvoll, wird nachher zum Trocknen ausgebreitet; die Körner werden fleißig umgeſchaufelt.
Ertrag.— Der Ertrag an Körnern ſchwankt zwiſchen 12 und 40 hl pro Hektar. Der Ertrag an Stroh zwiſchen 1000— 3000 kg pro Hektar. Die Hirſe bewahrheitet alſo das im erſten Teil ge⸗ brauchte Wort: Ein Korn bringt viele in kurzer Zeit.
3 5, 3, vt mn hA, znen A67 Rl, a Ghreiheebe, u udt 3 — Der Fennich,
Setaria italica.
Der Anbau des Fennichs oder der ſogenannten Kolbenhirſe ſtimmt mit dem der Hirſe vollkommen überein. Gegenwärtig hat die Pflanze nur noch eine untergeordnete Bedeutung; ſie wird in Europa jetzt nur noch zur Gewinnung von Vogelfutter angebaut, während der nahe verwandte Mohar, Setaria germanica, auf trockenem Sand⸗ boden hier und da als Grünfuttergewächs benutzt wird.
Ehemals war das anders. Vielleicht iſt dieſe Hirſeart das älteſte Getreide der Welt. Im fernen Oſten, bei den Chineſen, ſpielt ſie immer noch eine ſehr bedeutende Rolle; ſie gehört zu den geheiligten Pflanzen, deren Same ſeit dem Jahre 2822 v. Chr. bei dem alljähr⸗ lich wiederkehrenden Feſte von des Kaiſers eigener Hand ausgeſäet wird. Und bei den älteſten Völkern, die im erſten Dämmern der


