Der Mais. 2763
Körnerfrucht, in allen Gegenden kultivieren, wo die Rebe im Freien gedeiht und genießbare Trauben liefert. Das iſt namentlich am Rhein von Mainz aufwärts bis Baſel der Fall, und da ſieht man denn auch den Mais häufig angebaut. Ebenſo im benachbarten Elſaß und in Württemberg. Im ganzen übrigen Gebiete des Deutſchen Reiches hat die Maiskultur, ſofern ſie ſich auf Körnerproduktion erſtreckt, bis jetzt eine nennenswerte Bedeutung nicht erlangen können. Und ich glaube, es iſt gerechtfertigt, der Verbreitung dieſer heiklen Pflanze nicht das Wort zu reden. Ich zweifle zwar nicht, daß es bei richtiger Auswahl der Sorten und bei beharrlich und planmäßig fortgeſetzter Zuchtwahl gelingen würde, die Pflanze ſo weit zu akklimatiſieren, daß ſie in der Breite von Berlin und Bromberg auf allen wärmeren und und ſandigen Böden mit Erfolg angebaut werden könnte, aber iſt dies zu wünſchen und zu befürworten? Ich ſage: Nein, und zwar aus dem Grunde, weil die Ausdehnung der Maiskultur nur auf Koſten des Roggenbaues geſchehen könnte, indem gerade der beſte Roggenboden dem Mais zugewieſen und eingeräumt werden müßte. An dem Roggen aber müſſen wir feſthalten. Er iſt, ſo zu ſagen, unſere Nationalpflanze. Der Mann von echtem deutſchem„Schrot und Korn“ bedarf das Roggenbrot zu ſeiner Nahrung. Geben wir dieſe Nahrung auf, ſo opfern wir ein Stück von unſrer Kraft. Überdies iſt der Roggen unentbehrlich und unerſetzlich wegen des vortrefflichen Strohs, das er uns in reicher Menge liefert. Offnen wir alſo dem Maisbau die Thore nicht zu weit, und überlaſſen wir dieſe Kulturpflanze den Ländern, wo die Sonne heißer glüht als bei uns. Selbſtverſtändlich iſt damit nicht ausgeſchloſſen, daß wir den Mais auch fernerhin als Grünfutterpflanze benutzen.
Boden, Beackerung, Düngung und Vorfrucht.— In Be⸗ zug auf den Boden iſt der Mais nicht wähleriſch. Auch die Vorfrucht iſt ihm ziemlich gleichgültig. Er gedeiht auf Sand⸗, auf Lehm⸗, auf Thonböden, ſofern ſie nur in guter Kultur ſind. Denn Nährſtoffe verlangt der Mais als Körner⸗ und namentlich auch als Grünfutter⸗ pflanze mehr, als unſere gewöhnlichen Getreidearten. Das Land wird vor Winter tief gepflügt und am beſten im Herbſt friſch gedüngt. Doch kann der Stallmiſt, der in dieſem Fall mehr verrottet ſein muß, allenfalls auch noch mit der Frühjahrsfurche untergeackert werden. Auf ſchwerem Boden iſt die Frühjahrsdüngung ſogar vorzuziehen. Im übrigen liebt der Mais reines und mürbes Land.
Saat und Pflege.— Die Saat erfolgt früheſtens Ende April, ſicherer erſt Anfang oder Mitte Mai, beſonders in den norddeutſchen Gegenden. Denn der Mais keimt erſt bei 100 C Bodenwärme, und er macht beim Aufgang nicht gern Bekanntſchaft mit den drei ge⸗ ſtrengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius. ¹)
Beim Körnermais iſt das Dibbeln die Regel. Das gut ge⸗
futterpflanze. Vortrag. Zeitſchrift der l. V. f. Rheinpreußen 1884, Nr. 5. Nowacki, Getreidebau. Dritte Auflage⸗ 18


