268 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
mit der Bemerkung abthun, daß die Pflanze ein Sommergewächs iſt, deſſen Früchte als Vogelfutter dienen, während das aus den Früchten gewonnene Mehl zum Schlichten der Baumwollengewebe benutzt wird. Hat man, was ſelten der Fall ſein wird, Veranlaſſung, die Pflanze anzubauen, ſo behandelt man ſie wie die Hirſe. Die übrigen drei Getreidearten: Mais, Hirſe und Fennich wollen wir, gemäß der Bedeutung, die ſie für unſere Verhältniſſe haben, mehr oder weniger ausführlich beſprechen.
Der Mais, Zea Mays.
Es giebt eine odſchibwäiſche Sage von einem himmliſchen Jüng⸗ ling mit grünem Gewande und wallenden Federn. Der Indianer erſchlug und vergrub ihn zum Beſten der Menſchheit. Er aber 1 ſprang als Mondamin aus dem
5 Grabe. ¹)
Der Mais war die heilige Pflanze zur Zeit der Inkas in Peru, von der alljährlich in dem berühmten Tempel am Titicaca⸗ ſee dem Sonnengotte Körner zum Opfer dargebracht wurden, und
Fig. 144. Normale Keimung des Maiſes, Fig. 145. Spelzmais, Zea Mais Zea Mays. w Hauptwurzel, noch ohne Wurzel⸗ tunicata.
haare. ws Wurzelſcheide. se Schildchen.
1 Lappen der Fruchtſchale p. b Blattknoſpe.
der natürlichen Größe.(Nach J. Sachs.)
ebenſo wurden bei den Mexikanern die Erſtlinge der Maisernten der Göttin des Landbaus dargebracht, die vom Getreide den Namen (Centeotl) trug, wie bei den Römern die Ceres und bei den Griechen die Demeter.*)
¹) E. B. Tylor, Die Anfänge der Kultur, deutſch von Spengel uud Poske, 1873, 1, S. 400.
²) O. Heer, Über Vaterland und Verbreitung der nützlichſten Nahrungs⸗ pflanzen. Vortrag, 1847, S. 10. Dort ſind auch die Gründe dargelegt, weshalb der Mais amerikaniſchen und nicht zugleich aſiatiſchen Urſprungs iſt. Wir fügen hinzu, daß die Chineſen ihn erſt in der Mitte des 16. Jahr⸗


