§. 16. Die Beurtheilung des CElimas iſt für den Land⸗ wirth ſo wichtig, als die Kenntnißnahme des Bodens, da von jenem ſo viel, oft mehr, abhängt, als von dieſem.
§. 17. Die Beſchaffenheit des Clima's hängt ab: von der geographiſchen und der phyſiſchen Lage, den herrſchen⸗ den Winden, dem Vorhandenſein und der Ausdehnung ſte— hender oder fließender Gewäſſer, der Nähe von Gebirgen und der Geſtaltung der Bodenoberfläche überhaupt, der Menge und Lage der vorhandenen Waldungen, endlich auch von der Beſchaffenheit des Bodens ſelbſt und der Art, wie derſelbe benutzt wird.
1) Geographiſche Lage.
§. 18. Der große Einfluß der geographiſchen(mehr oder weniger nördlichen oder ſüdlichen, öſtlichen oder weſt— lichen) Lage auf die Beſchaffenheit des Clima's beruht hauptſächlich auf der bekannten Thatſache, daß es unter ſonſt gleichen Verhältniſſen um ſo kälter iſt, je mehr eine Gegend den Polen nahe liegt. Dazu kömmt der für den Betrieb der Landwirthſchaft noch beſonders wichtige Um⸗ ſtand, daß die Sommer um ſo kürzer ſind, je nördlicher die Lage iſt. Doch wird durch die längeren Sommertage des Nordens die Kürze des Sommers wieder etwas ausgeglichen. Auch iſt unter dem gleichen Grade nördlicher Breite (in Europa) die mehr öſtliche Lage verhältnißmäßig weni⸗ ger warm, als die mehr weſtliche.
Innerhalb der Wendekreiſe, d. i. bis zum 23,50 der Breite, ſoll ſich die Temperatur, abgeſehen von den örtlichen Einflüſſen, ziemlich gleich verhalten und im Ourchſchnitt 21,50 R. betragen; über die Wendekreiſe hinaus aber findet eine progreſſive Temperaturvermin⸗ derung ſtatt.— In Neapel, unterm 400 nördliicher Br., iſt die mittlere Temperatur 15,60 R., in Stockholm unterm 590 nördl. Br. 4,50 R. Aus dieſen beiden Differenzen berechnet ſich für jeden Breitegrad mehr nördlich eine Temperaturverringerung von 0,580 R.


