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S. 52. Frankreich. Auch in dieſem Lande hat die Thätig⸗ keit in unſerer Angelegenheit in doppelter Richtung begonnen. Die franzöſiſche Regierung hatte nämlich letztes Frühjahr eine allgemeine ſtatiſtiſche Unterſuchung im ganzen Lande angeordnet und Profeſſor Seur von Marſeille befürwortet in einer intereſſanten Schrift: „Visite aux enfants crétins à PAbendberg, Ct. de Berne. Mar- seille 1852. 8.“ die Errichtung von Heilanſtalten. Auf der andern Seite zog die Akademie der Medicin zu Paris die Sache in den Kreis ihrer wiſſenſchaftlichen Erörterungen und bemühte ſich, beſonders über die Aetiologie einiges Licht zu verbreiten. Ausgezeichnete Män⸗ ner der verſchiedenen Fächer nahmen an den Verhandlungen Theil. Der Chemiker Bouchardat ſuchte zu beweiſen, daß das Waſſer einen Haupteinfluß auf die Bildung des Kropfes und Kretinismus ausübe. Er beruft ſich dabei auf die Beobachtungen von Dr. M. Celland, welcher in dem indiſchen Schorethale 40 von verſchiedenen Kaſten bewohnte Dörfer unterſuchte, deren Bewohner ſich vollkommen auf die gleiche Weiſe ernähren. Das Dorf Donta, von den Domes be⸗ wohnt, hat ſchlechtes incruſtirtes Waſſer, ſtark tuffhaltig, Sand und Gries zuſammenklebend, und Alle, die davon trinken, werden kropfig. Die Brahminen dagegen erhalten ihr Waſſer aus einer Thonſchiefer⸗ quelle, durch einen künſtlichen Aquaduct geleitet und haben nicht Einen Kropfigen. Daſſelbe war früher mit den Rajpoots der Fall, ſeit— jedoch ihre Waſſerleitung durch den Krieg zerſtört wurde und ſie zum Gebrauche des ſchlechten Trinkwaſſers der Domes zurückkehren mußten, hat der Kropf unter ihnen viele heimgeſucht. Dagegen iſt zu erinnern, daß es unrichtig iſt, den Kropf und Kretinismus in ätiologiſcher Beziehung zu identificiren, denn es gibt Kropfgegenden ohne Kretinen. Der Einfluß des Waſſers auf die Kropfbildung iſt nicht zu beſtreiten, wie die ſogenannten Kropfquellen evident be⸗ weiſen, es ſprechen jedoch keine ſicheren Thatſachen von dem Einfluſſe des Waſſers auf die Bildung des Kretinismus. In Piemont waren unter 21,000 Kropfigen blos 5912 zugleich blödſinnig. Der Kropf iſt blos als ein Vorläufer oder die erſte Tendenz zum Kretinismus zu betrachten. Soweit die Analyſen des Trinkwaſſers bis jetzt vor⸗ liegen, ſtellt ſich das Reſultat heraus, daß man nicht die eine oder andere Erdart ausſchließlich als kropferzeugend anſehen kann, ſondern überhaupt ein mit erdigen Beſtandtheilen ſtark verunreinigtes Waſſer. Merkwürdig ſind die ſogenannten Kropfquellen, deren Gebrauch ſchon in ein paar Monaten einen künſtlichen Kropf erzeugt. Nahe bei St.⸗Julien in der Maurienne ſah ich eine ſolche, deren Waſſer Laub und Blumen incruſtirte und Dr. Mottard führte mir fünf junge Männer auf, welche ſich willkürlich einen Kropf damit erzeugten, um vom Militärdienſt frei zu ſein. Sollte ſich die von Dr. Ham⸗ berger gemachte Beobachtung bewähren, daß der Kropf ein Präſer⸗ vativ gegen Phthiſis iſt, ſo dürfte mit dieſen Kropfquellen ein neues
Cotta, Deutſchlands Boden.(Beilagen.) 3


