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den beſonders romantiſche Scenerien darbieten, zugleich aber auf die Natur der Waſſer⸗ und Landwege einwirken.
Manche der angezeichneten günſtigen Umſtände waren freilich bei der Anlage der Orte gar nicht bekannt und folglich auf dieſe ohne Wirkung, aber ihr Bekanntwerden übte ſpäter Einfluß auf die Ver⸗ größerung. Alle rein hiſtoriſchen Urſachen der Lage oder des Em⸗ porblühens der Städte habe ich in der Tabelle unerwähnt gelaſſen. Sie ſind es, die die Anweſenheit mancher Städte an ſolchen Punkten erklären, wo die Natur gar keine beſondere Veranlaſſung zur Anſie⸗ delung gegeben hat. Dahin gehören: Der Froße Abſtand natürlicher Punkte(durch ihn entſtanden zuerſt Wirthshäuſer, Poſtſtationen u. dergl.), Länder⸗ oder Zollgrenzen, die Laune eines Herrſchers u. ſ. w. Oteee Motiven des Anbaues ſind natürlich am meiſten dem Wechſel unterworfen; ſie gehören bei manchen Städten nur der Vergangen⸗ heit an, während ſie bei andern eine größere Zukunft verſprechen, ſo bei Rieſa in Sachſen, dem Kreuzpunkte zweier Bahnlinien und zu⸗ gleich an der Elbe. Aber auch manche natürliche Bedingungen un⸗ terliegen dem Wechſel, nehmen in ihrer Wirkung ab oder zu. Wir haben bereits die feſte Lage als eine für die Zukunft deutſcher Städte nicht mehr günſtige Bodenbedingung kennen gelernt. Auch der Werth vieler mineraliſchen Rohproducte iſt großen Schwankungen ausgeſetzt, nicht nur kann ihr Preis ſteigen oder ſinken, ſie können durch Con⸗ currenz unnütz werden; ſondern manche nutzbare Lagerſtätten ſind auch dem gänzlichen Abbau in vorausſehbarer Zeit unterworfen.
Es ergibt ſich aus dieſen Tabellen jedenfalls ſo viel, daß die natürliche Lage ebenfalls eine wichtige Bedingung für das Daſein und Aufblühen der Städte iſt und zwar eine ſolche, die man faſt nie total ändern, wenigſtens nie in ihr Extrem verwandeln kann. Manche Orte können durch hiſtoriſche Vorgänge zu großen Städten werden, andere nie. Auch der ausdauerndſten Mühe eines Regenten würde es nicht gelingen, Dingelſtädt oder Breitenbach in Thüringen, Altenberg oder Marienberg in Sachſen, in Städte erſten Ranges zu verwandeln. Dagegen könnten Dresden oder Erfurt unter Umſtänden recht wol Hauptſtädte Deutſchlands werden, d. h. ihre Lage würde ſie nicht daran verhindern. Der Staatsmann faßt freilich zunächſt den facti⸗ ſchen Zuſtand ins Auge, aber auf die Handlungen, welche für die Zukunft berechnet ſind, ſollte auch die von der Natur gegebene oder verſagte Möglichkeit, Gunſt oder Ungunſt von Einfluß ſein.
Zur leichtern Orientirung ſind die Städte in Tabelle I nach den Kartenſectionen geordnet, überhaupt aber ſind alle Städte des ganzen Kartengebietes aufgenommen ohne Rückſicht darauf, welchem Lande ſie angehören. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ein ſolcher tabellari⸗ ſer Verſuch noch Manches zu wünſchen übrig laſſen und der Berich⸗ tigung hier und da bedürfen muß, da er theilweiſe nur aus der Erinnerung ausgefüllt werden konnte.
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