Teil eines Werkes 
1. Abtheilung (1854)
Entstehung
Seite
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Stadtgärten cultivirt werden, und Alle, die ſich entfernen können, werden nicht auf das Land oder in eine entfernte Vorſtadt ge⸗ trieben. Die Bildung von Bibliotheken, von wiſſeenſchaftlichen und literariſchen Inſtituten, Muſeen und Vorleſungen und der tägliche Verkehr zwiſchen den verſchiedenen Claſſen der Geſell⸗ ſchaft, mit einem Wort, Alles was Geiſt und Geſchmack einer großen Bevölkerung fördern und verfeinern kann, wird durch dieſe Berührung von Reich und Arm erleichtert. Als Zugabe zu der Wichtigkeit, die die politiſchen Inſtitutionen von Amerika den mittlern und untern Claſſen geben, halte ich es für eine glück⸗ liche geologiſche Anordnung für die Civiliſation der zuerſt auf die⸗ ſem Continent gegründeten Städte, daß die anthrazitiſchen Koh⸗ lenfelder alle auf der öſtlichen Seite der Alleghanykette liegen und alle bituminöſen Kohlenfelder auf ihrer weſtlichen Seite.

Daß die bildende Kunſt, mindeſtens in ihrem Urſprung eini⸗ germaßen abhängig ſei von den Geſteinen, die ſich ihr darbieten, habe ich früher bereits erwähnt, füge aber in der Beilage 56 noch eine Bemerkung Boué's an. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß durch die Vervollkommnung der Transportmittel dieſer Ein⸗ fluß mehr und mehr von ſeinem localen Charakter verloren hat.

Bei ſo vielſeitiger Einwirkung des äußern und innern Bo⸗ denbaues auf das Leben der Menſchen iſt es bedauerlich, daß die Forſcher, welche das Studium ſeiner Entwickelung ſich zur Auf⸗ gabe gemacht haben, bisher noch ſo wenig Notiz nahmen und nehmen konnten von dem Einfluß des geologiſchen Baues der Länder auf die Geſchichte der Völker. Welche wichtige Rolle ſpielen Eiſen und Kohlen in der Geſchichte Englands, edle Me⸗ talle in der Amerikas und Rußlands, große Mannichfaltigkeit des innern Baues in der Deutſchlands(Beilage 57). Freilich viele dieſer geologiſchen Einwirkungen ſind ganz außerordentlich lang⸗ ſamer und dadurch ſchwer nachweisbarer Natur. Sie werden oft Jahrhunderte lang überwogen und zurückgehalten durch die bereits erblich gewordenen Eigenthümlichkeiten aus andern Wohnſitzen ein⸗ wanderter Völkerſtämme, ganz ohne Wirkung kann aber ihr un⸗ ermüdlicher Einfluß auf die Dauer nicht bleiben. Ein ſolches