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Miasmen der Sümpfe, an die kohlenſauren Gasexhalationen, an den Kalkſtaub in einigen Gegenden Südfrankreichs. Dieſe glück⸗ licherweiſe nur ſehr localen Einflüſſe laſſen ſich nicht ſo leicht be⸗ ſeitigen. Ob auch ungleiche elektriſche Spannungen durch die Natur des Bodens dauernd bedingt ſind und auf den Körper wirken, läßt ſich durch Beobachtung noch nicht nachweiſen. Un⸗ zweifelhaft iſt es aber, daß neben Lage und Klima auch der in⸗ nere Bau des Bodens einen Einfluß auf den Geſundheitszu⸗ ſtand hat.
8) Einfluß des Bodenbaues auf ſociale Zuſtände, Nationalcharak⸗ ter, die geiſtige und gemüthliche Entwickelung der Menſchen.
§. 894.
Es iſt dieſe in noch höherm Grade abhängig von allen den bisher betrachteten Einflüſſen, als das bei dieſen untereinander der Fall iſt. Außerdem aber laſſen ſich auch manche ziemlich un— mittelbare Beziehungen erkennen. Jede Schwierigkeit, welche der Bodenbau dem Leben darbietet, regt an zu ihrer Beſiegung, jeder Vortheil zu ſeiner Ausnutzung, das Alles übt und ſtärkt den
Geiſt. Je mannichfaltiger dieſe Hemmniſſe und nutzbaren Bo⸗
denquellen ſind, um ſo mannichfaltiger iſt die geiſtige Anregung, ſie ſind aber vorzugsweiſe mannichfaltig in den geologiſch com⸗ plicirt gebauten Gegenden. Einförmige Ebenen bieten wenig Stoff für geiſtige Anregung, und wirklich finden wir unter übri— gens gleichen Umſtänden durchſchnittlich eine höhere geiſtige Ent⸗ wickelung in den geologiſch mannichfaltigen als in geologiſch ein⸗ förmigen Gegenden. Dieſer Satz läßt ſich leicht durch zahlreiche Beiſpiele beſtätigen.
Sehr hohe Gebirge ſchlagen aber wieder leicht in ein Extrem um und nähern ſich in ihren Wirkungen den Ebenen und Kü— ſtenländern. Das iſt, wie wir geſehen haben, ſelbſt rückſichtlich der Flora und Fauna in gewiſſem Grade der Fall, aber mehr noch
rückſichtlich gewiſſer ſocialer Zuſtände der menſchlichen Bewohner.
Es war mir eine große Freude zu finden, daß Riehl, obwol er Cotta, Deutſchlands Boden.. 39


